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„Rauchen ist total uncool“

Europaschule Gladenbach „Rauchen ist total uncool“

Rauchen ist schlecht für die Gesundheit – das ist bekannt. Trotzdem gilt es vor allem bei jungen Leuten häufig als cool. Nicht so bei der Klasse 5F4 der Freiherr-vom-Stein-Schule.

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Die Klasse 5F4 der Gladenbacher Freiherr-vom-Stein-Schule erreichte bei einer kreativen Nichtraucher-Kampagne auf Bundesebene den zweiten Rang.

Quelle: Christian Röder

Gladenbach. „Be smart, don’t start“, also: Sei schlau, beginne nicht – so lautet das Motto eines bundesweiten Kreativwettbewerbs gegen das Rauchen. Fünftklässler der Europaschule 
räumten dabei einen zweiten Platz ab.

„Am besten ist es, gar nicht erst mit dem Rauchen anzufangen“, stellt Marisa direkt zu Anfang des Pressegesprächs klar. „Die Zähne werden erst gelb und dann schwarz davon. Dann fallen sie aus“, führt die Fünftklässlerin aus. Klassenkamerad Merlin ergänzt: „Und man bekommt Krebs davon.“ Maja sagt: „Rauchen kann blind machen. In einer Zigarette sind über 70 Stoffe, die tödlich sind. Das ist richtig giftig.“ Und Yessica erklärt, dass „die Lunge krank wird“ und man sehr schnell süchtig nach Zigaretten.

Den 21 Schülern der Klasse 5F4 macht beim Thema Rauchen wohl niemand etwas vor. Sie sind überzeugte Nichtraucher, haben nicht vor, überhaupt jemals zur Zigarette zu greifen und können nicht nachvollziehen, warum Rauchen von vielen immer noch als „cool“ angesehen wird – und sie untermauern ihre Überzeugung mit Fakten.

„Gar nicht erst mit dem Rauchen anfangen“

Die Idee zur Teilnahme am Wettbewerb kam letztlich von Biolehrer Christian Deurer. „Er fragte mich und meine Klasse, ob wir nicht Lust hätten, bei dem Wettbewerb vom Kultusministerium und der Krankenkasse AOK mitzumachen“, erzählt 5F4-Klassenlehrerin Elena Busch. Natürlich wollten die Förderstufenschüler – zumal Rauchen auch schon Thema bei den Kids war. Im Biologieunterricht haben sich die Schüler bereits mit den negativen Folgen von Glimmstängeln beschäftigt.

Nun ging es an die Umsetzung. „Wir wollten klarmachen, dass es sinnvoll ist, gar nicht erst mit dem Rauchen anzufangen, denn das Aufhören ist wirklich, wirklich schwer“, erzählt Stella. Die Idee zu einer Fotostory kam aus der Klassengemeinschaft. Mit drei Seiten voller Fotos erzählt die 5F4 die Geschichte von Sebi und Lukas. Die beiden wollen ein Date mit Mitschülerin Amy. Eine Wettkampf soll zeigen, welcher der beiden Jungs die „coolste Aktion“ startet.

Der Nichtraucher gewinnt das Mädchen für sich

Sebi entscheidet sich dafür, zu „den Großen“ zu gehören und Mitglied einer Siebtklässler-Clique zu werden. Dazu fängt er schon bald mit dem Rauchen an, was bei Herzblatt Amy aber gar nicht gut ankommt: „Glaubst du echt, ich stehe auf Raucher?“, fragt sie ihn entsetzt. Der Coolere ist am Ende Lukas: „Ich gebe mein Geld lieber für schönere Dinge als für das Rauchen aus“, sagt er. Zum Beispiel für einen Besuch in der Eis­diele mit Amy. Die Moral von der Geschichte fasst Raluka so zusammen: „Rauchen lohnt sich nicht. Nicht zu rauchen, bringt dir ganz klar mehr.“

Das, was in der Fotostory geschieht, basiert auf Erfahrungen, die die Schüler gemacht haben. „Siebtklässler oder Ältere fühlen sich mitunter schon cool, wenn sie vor uns rauchen“, sagt Raluka und John ergänzt: „Dabei hat man doch, wenn man nicht raucht, viel Geld gespart und lebt gesünder.“ Umso mehr freut es die Europaschüler, dass ihre Idee ankommt – nicht nur bei den Preisrichtern. „Ich habe letztens eine Frau gesehen, die hat unsere Geschichte vor dem Sekretariat gelesen und dabei ­eine Zigarette geraucht. Die hat sie dann ausgemacht und weggeworfen“, erzählt Marvin stolz. „Wir wollen schon, dass die Leute über ihr Verhalten nachdenken.“

Elisabethschule Marburg unter Top-4 in Hessen

Denn dass es alleine mit Schockbildern auf Zigarettenschachteln getan ist, glauben die Fünftklässler nicht. „Das hilft vielleicht bei jungen Leuten, die noch nie eine Zigarette in der Hand hatten. Bei Leuten, 
die aber schon lange und viel rauchen, bringt das nichts“, 
erklärt Moritz.

Die Fotogeschichte der 5F4 gehört laut den Juroren zu den vier besten in Hessen; 422 Klassen hatten mitgemacht. Ebenfalls ausgezeichnet wurden die Elisabethschule Marburg sowie eine Schule aus Darmstadt und eine aus Schaafheim. Bundesweit konnten sich die Gladenbacher Schüler beim Kreativwettbewerb den zweiten Platz sichern.

Und gewonnen haben sie auch einiges: Neben einem Tag im Outdoor-Zentrum Lahntal 
bei Greifenstein (O-Ton der Schüler: „Das war so cool!“) erhalten sie 200 Euro. Einig sind sie sich auch, dass es eine absolute Teamleistung war. „Alleine hätte das keiner von uns geschafft“, erzählen sie stolz. „Nur weil wir alle so gut zusammengearbeitet haben, hat es am Ende so gut geklappt.“

von Christian Röder

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