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Hinterland Erneut heute Warnstreik im Marburger Busverkehr
Landkreis Hinterland Erneut heute Warnstreik im Marburger Busverkehr
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22:21 19.12.2013
Heute kommt es erneut zum Busfahrerstreik beim Tochterunternehmen der Marburger Stadtwerke.Foto: Thorsten Richter Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten im hessischen Busverkehr erneut zu einem Warnstreik aufgerufen. Die Arbeitsniederlegung wird vor allem den Busverkehr in Marburg, Frankfurt, Darmstadt und Gelnhausen beeinträchtigen, wie die Gewerkschaft gestern ankündigte. Der Aufruf gilt für rund 1000 Beschäftigte in privaten Busbetrieben und städtischen Tochtergesellschaften sowie für die 130 Darmstädter Straßenbahnfahrer. Mit dem Warnstreik soll den Forderungen bei den Tarifverhandlungen Nachdruck verliehen werden, die heute in der fünften Runde in Darmstadt fortgesetzt werden.

Die Gewerkschaft verlangt für die rund 1200 Beschäftigten des privaten Busgewerbes einen Mindeststundenlohn von 12 Euro (bislang 11,04 Euro), kürzere Arbeitszeiten und bessere Lenkzeitbestimmungen. Das Angebot des Landesverbandes Hessischer Busunternehmer (LHO), das bis Ende 2015 auf 11,50 Euro komme, reiche nicht aus, erklärte Verdi-Verhandlungsführer Jochen Koppel. Vor zehn Tagen hatten die Busfahrer bereits mit einem eintägigen Warnstreik ihrer Forderung nach mehr Lohn Nachdruck verleihen wollen.

Busunternehmer: Streik auf Rücken der Schüler

Dass der heutige Streik, am Wochenende, zu Ferienbeginn und im Endspurt des Weihnachtsgeschäfts, noch mehr Menschen als vor zehn Tagen betreffen kann, sei der Gewerkschaft bekannt, sagte Thorsten Beliza, Betriebsratsvorsitzender der Marburger Verkehrsgesellschaft der OP. Beliza, der heute für Verdi am Verhandlungstisch in Darmstadt sitzt, sagte: „Wir bitten um Verständnis und haben den Streik daher auch bewusst wieder am Vorabend angekündigt, damit die Schüler vorbereitet sind“, sagte Beliza. Sollten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft heute überraschend schnell einig werden, sei man zwar in der Lage, den Streik abzubrechen, doch das helfe den Fahrgästen auch nicht weiter, weil man damit nicht planen könne. Erstmals haben sich die Verhandlungsparteien ein Zeitfenster für die Gespräche gesetzt: bis zum Mittag wird gerungen.

Beliza erklärte, dass die Busfahrer bereit seien, gegebenenfalls auch weiter zu streiken. Der Druck werde aufrecht erhalten, sollten die Arbeitgeber kein Zeichen setzen. Die Busunternehmer erklärten gestern Abend, die sehr kurzfristige Ankündigung des Streiks sei nicht hinnehmbar. „Am Abend vorher einen Warnstreik anzukündigen ist völlig inakzeptabel. Die Erfahrung zeigt, dass viele Schüler und Pendler nicht mehr rechtzeitig informiert werden, und dann morgens an der Haltestelle stehen bleiben“, so Volker Tuchan, LHO-Geschäftsführer. Der Versuch, ausgerechnet am letzten Schultag vor Weihnachten auf dem Rücken von Schülern Druck auf die Verhandlungen ausüben zu wollen, ist laut Busunternehmer nicht fair und auch nicht nachvollziehbar. „Wir sind überzeugt davon, dass wir der Gewerkschaft und unseren Mitarbeitern ein gutes Angebot gemacht haben, in dem wir das Entgelt stufenweise um 5 Prozent bis Mitte 2015 auf dann 11,60 Euro in der Fläche und auf 12 Euro pro Stunde im Ballungsraum erhöhen. Die von ver.di geforderten 8,7 Prozent Lohnerhöhung sind nicht realistisch, da sie für die Unternehmen wirtschaftlich nicht verkraftbar sind“, so Tuchan.

Die MGV betont, dass sie bereits mehr zahlt als andere Busbetriebe. Sie zahle den „Marburg Zuschlag“ in Höhe von 92 Cent für Rüstzeit, Wegezeit und Tragen der Dienstkleidung bei produktiven Arbeitsstunden. „Wir wollen aber eine tarifliche Sicherung, ein freiwilliger Zuschlag kann jederzeit gekündigt werden“, so Beliza. Von den 92 Cent sei zudem nur 50 Cent ein tatsächlicher Zuschlag, so der Betriebsratschef. Er betont, dass die Gehaltsforderungen hessenweit gelten und die Marburger keinen Sonderweg gehen.

von Anna Ntemiris