Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Mit 3,68 Promille am Steuer
Landkreis Hinterland Mit 3,68 Promille am Steuer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 26.02.2019
Ein 36-jähriger Mann steht erneut vor Gericht. Er wurde alkoholisiert während einer Autofahrt von der Polizei gestoppt und mit gefälschtem Führerschein erwischt. Quelle: Thorsten Richter
Gladenbach

Als Polizeibeamte den Mann stoppten zeigte er ihnen einen möglicherweise gefälschten Führerschein. 3,68 Promille Alkohol hatte der 36-Jährige im Blut, dies ergab die Untersuchung. Bei einer weiteren Fahrt war er mit 1,64 Promille unterwegs.

Der 36-Jährige habe der Polizei einen gefälschten lettischen Führerschein vorgelegt, sagte Staatsanwalt Nicolai Wolf. Der Angeklagte entschuldigte vor Gericht sein Verhalten mit einer stationären Behandlung von Depressionen. Er habe unter anderem Psychopharmaka eingenommen.

Die Depressionen hätten ­ihre Ursache in seiner „Heimatlosigkeit“. So sei er in Kasachstan der „Faschist“ und in Deutschland der „Russe“ gewesen. Immer sei er ausgegrenzt gewesen, begründete er den übermäßigen Alkoholgenuss.
Bei der ersten Tat, so berichtete der Angeklagte, hätte er mit Freunden gegrillt und dabei etliches getrunken.

Zeugenaussagen bestätigen die Anklagepunkte

Anschließend hätte er sich schlafen gelegt und sei nach etwa vier bis fünf Stunden der Meinung gewesen, der Alkohol sei abgebaut. Darauf hin sei er ins Auto gestiegen und losgefahren. Den gefälschten Führerschein habe er in Lettland für 1.500 Euro erworben. Er habe auf ­eine Anzeige reagiert, nach der der Führerschein innerhalb von zehn Stunden gemacht werden könne. Er sah den Fehler bei den lettischen Behörden, die nicht gegen die betrügerische Masche eingeschritten seien.

Staatsanwalt Nicolai Wolf wies den Angeklagten daraufhin, dass er in Deutschland aufgrund seiner bisherigen Taten unter Alkoholeinfluss einen Führerschein erst nach einer positiven medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) bekommen hätte. Auch die Umschreibung eines lettischen Führerscheines sei ohne vorherige MPU nicht möglich.

Die Zeugenaussagen eines Polizeibeamten und eines Zeitungszustellers bestätigten die Anklagepunkte der ersten Tat. Unter anderem war der Mann mit quietschenden Reifen über den Gladenbacher Marktplatz gefahren.
Der Vorwurf der Urkundenfälschung wurde wegen der unklaren Sachlage vorerst eingestellt.

Anklage bringt Haftstrafe ins Spiel

In einer weiteren Anklageschrift wegen des Vollrausches befand das Gericht, dass seine Schuldunfähigkeit zu diesem Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden könne. In seinem Schlusswort betonte der Angeklagte, dass er nicht mehr Alkohol trinke und dass seine Freundin gedroht habe ihn zu verlassen, wenn er wieder trinken würde.

In seinem Plädoyer erklärte Staatsanwalt Wolf, dass auch eine Gefängnisstrafe infrage komme. Letztendlich habe er sich aber für eine Bewährungsstrafe mit strengen Auflagen durchgerungen. Richterin Alexandra Hille schloss sich mit ihrem Urteil der Forderung des Staatsanwalts an. Sie verhängte eine Bewährungsstrafe von sieben Monaten Haft. Die Bewährungszeit beträgt vier Jahre. Außerdem muss der Angeklagte 270 Stunden ehrenamtliche Arbeit ableisten, lautet eine Auflage.

Einen Führerschein bekommt der 36-Jährige frühestens in zwei Jahren, wenn er zuvor die MPU erfolgreich absolviert. Die Autoschlüssel muss er beim Gericht abgeben. Der Mann muss außerdem einen Bewährungshelfer aufsuchen und die Therapie fortsetzen. „Dies ist ihre letzte Chance“, mahnte Richterin Alexandra Hille den Angeklagten.

von Erich Frankenberg