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Entzug des Führerscheins ist schon abgegolten

Gerichtsverhandlung Entzug des Führerscheins ist schon abgegolten

Wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung und Körperverletzung muss ein 53-Jähriger, der durch die Folgen seines waghalsigen Überholmanövers selbst schwere Verletzungen davontrug, 400 Euro zahlen.

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Biedenkopf. Biedenkopf. Als fahrlässige Rücksichtslosigkeit und als einen Blindflug in einer Rechtskurve bezeichnete Richter Mirko Schulte gestern in einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Biedenkopf das Verhalten eines 53-Jährigen aus dem Lahn-Dillkreis, der einen Verkehrsunfall verursachte. Bei diesem trug der Angeklagte einen Trümmerbruch des rechten Oberarms und des rechten Oberschenkels davon.

Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, am 1. Juni gegen 9.58 Uhr auf der B 253 von Dillenburg kommend zwischen Oberhörlen und Oberdieten durch ein waghalsiges Manöver in einer langgezogenen Rechtskurve trotz Überholverbot einen Lastwagen überholt zu haben.

Angst- und Panikattacken als Folge des Frontalcrashs

Dabei kam es zu einem Frontalzusammenstoß mit einem entgegenkommenden Mercedes aus Siegen. Dabei habe der Fahrer Schnittwunden, Prellungen und ein Halswirbelsäulentrauma erlitten und leide seitdem unter Angststörungen und Panikattacken. Der Angeklagte äußerte, dass er sich an den Unfallhergang nicht mehr erinnere. An diesem Tag habe er seiner Mutter in Ostdeutschland einen Besuch abstatten wollen. Er vermute, dass er bei dem Überholvorgang in den Spiegel geschaut habe und sich der Mercedes mittlerweile so weit genähert hatte, dass es zu dem Zusammenstoß gekommen sei.

Er sei aufgrund seiner Verletzungen intensivmedizinisch betreut und ins Koma gelegt worden. Nach dem Krankenhausaufenthalt und einer Rehabilitation werde er in einer Herborner Klinik behandelt, da er die Unfallfolgen, auch aufgrund von Angst- und Panikstörungen, aus eigener Kraft nicht bewältigen könne.

Überholverbot, Tempolimit und Sperrfläche missachtet

Der Angeklagte erinnerte sich an etwa 20 Fahrten auf dieser Strecke. Warum er an dieser Stelle, die mit einem Überholverbot, einer Geschwindigkeitsbeschränkung und einer Sperrfläche belegt sei, überholt habe, diese Frage von Schulte konnte der Angeklagte nicht beantworten.

Die fahrlässige Körperverletzung stehe nicht zur Diskussion, führte der Pflichtverteidiger aus. Sein Mandant könne sich an den Unfallhergang nicht mehr erinnern, stelle diesen jedoch nicht in Abrede. Wichtig für seinen Mandanten sei es, dass das Fahrverbot aufgehoben würde und er seinen Führerschein wiedererlange.

Zweifel hinsichtlich der Ausweisung des Überholverbotes zerstreute Richter Schulte anhand der Darstellungen des Unfallortes und verwies darauf, dass der Angeklagte an drei Überholverbotsschildern vorbeigefahren sein müsse, dies zudem noch mit überhöhter Geschwindigkeit und zudem einen Überholvorgang aufgrund der Rechtskurve ins Blinde ausführte.

Richter Schulte verurteilte den nicht vorbestraften Angeklagten wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Strafe von 400 Euro, die in Raten zu monatlich 50 Euro bezahlt werden kann, sowie einem vorläufigen Entzug des Führerscheins für die Dauer von drei Monaten. Der Richter folgte mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Da der Unfall jedoch schon neun Monate zurückliege, werde dieser Zeitraum angerechnet und die vorläufige Entziehung wieder aufgehoben, so dass der der Angeklagte seinen Führerschein wieder in Empfang nehmen könne.

von Helga Peter

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