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Engpass zum Start der Impfsaison

Lieferschwierigkeiten bei Novartis Engpass zum Start der Impfsaison

Der Pharmakonzern Novartis Vaccines hat ein Problem: Er kann den Grippe-Impfstoff „Begripal“ wohl erst Anfang November ausliefern. Doch vor allem in Norddeutschland warten Apotheker und Ärzte bereits jetzt darauf.

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Ein kleiner Pieks in den Oberarm soll vor der Virusgrippe schützen – doch das geht nur, wenn der Impfstoff auch vorrätig ist.

Quelle: Archiv

Marburg. Die Stimmung bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVHH) ist gereizt: „Das ist ein Skandal“, wetterte deren stellvertretender Vorsitzender Dr. Stephan Hofmeister in der Deutschen Apotheker Zeitung. Hintergrund für die schlechte Stimmung der norddeutschen Ärzte und Apotheker sind die Lieferschwierigkeiten von Novartis. Der Pharmakonzern hatte Anfang des Jahres die Ausschreibung zur Versorgung der gesetzlich Krankenversicherten in Schleswig-Holstein, Hamburg und Bayern mit saisonalem Grippe-Impfstoff gewonnen. Nun kommt es aber zu Engpässen beim Impfstoff Begripal (ohne Kanüle) – vor Anfang November soll dieser nicht lieferbar sein.

Auf Nachfrage dieser Zeitung teilte die Novartis Vaccines and Diagnostics GmbH in Marburg mit, dass das Unternehmen in dieser Saison in Deutschland drei verschiedene Grippe-Impfstoffe anbiete. „Die Erst-Auslieferung des Zellkultur-Grippe-Impfstoffes für diese Saison, der in Marburg produziert wird, wird voraussichtlich ab Ende September erfolgen, was innerhalb des von Experten empfohlenen Impfzeitraumes von September bis November liegt“, erklärte Dr. Volker Husslein, Pressesprecher des Marburger Pharmakonzerns, gestern. Sowohl bei dem eibasierten als auch dem adjuvierten Grippe-Impfstoff erfolge die Auslieferung „etwas später als geplant“.

Zu den konkreten Gründen für die spätere Auslieferung äußerte sich Husslein nicht. Nur so viel teilte er mit: „Generell ist die Herstellung von Grippe-Impfstoffen im Gegensatz zu generischen Medikamenten ein komplexer biologischer Prozess, der jährlichen Schwankungen unterliegt, beispielsweise hinsichtlich der jeweiligen Stammzusammensetzung. Daher ist die genaue Vorhersage des Erstauslieferungstermins von Jahr zu Jahr wie auch von Hersteller zu Hersteller aufgrund der unterschiedlichen Herstellprozesse und Ausbeuten sehr unterschiedlich.“

Auch einen genauen Termin nannte Husslein nicht, betonte jedoch: „Wir arbeiten eng mit den Behörden und Krankenkassen zusammen. Die Qualität und die Sicherheit unseres Impfstoffes werden dadurch nicht beeinträchtigt.“ Das hatte zwar nie jemand angezweifelt, für eine Beruhigung der Lage in Norddeutschland und Bayern dürfte dies allerdings auch nicht sorgen. Daher sollen heute in Kiel bei einem „Runden Tisch“ erneut die Situation und Lösungsansätze erörtert werden.

Auch die Marburger Ärztegenossenschaft PriMa hat einen Teil ihrer rund 15000 Impfstoff-Dosen bei Novartis Vaccines bestellt. „Allerdings verlassen wir uns nicht nur auf einen Hersteller. Auch wenn Novartis erst später liefert, können wir impfen. Wir haben bereits den Impfstoff eines anderen Herstellers hier“, berichtete Dr. Ortwin Schuchardt, Pressesprecher der PriMa. In einigen Praxen im Landkreis seien in dieser Woche sogar schon Patienten gegen die saisonale Grippe geimpft worden.

In Hessen bestellen die Ärzte und Apotheker – anders als in manchen anderen Bundesländern, wo die Bestellungen über die Krankenkassen abgewickelt werden – ihre Impfstoffe noch selbst bei den Apotheken oder Herstellern. „Bei Mitgliedern der PriMa gibt es also aktuell keine Engpässe. Wir können impfen“, betonte Schuchardt.

von Katharina Kaufmann

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