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Ende einer Übernahme-Schlacht

Rhön Klinikum AG Ende einer Übernahme-Schlacht

Es sollte der Beginn der Revolution des Gesundheitsmarktes werden. Jetzt gibt Fresenius im Übernahme-Poker um die Rhön-Klinikum AG auf.

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Der große Bruder lässt die Finger von der Rhön Klinikum AG: Der Gesundheitskonzern Fresenius verzichtet auf ein weiteres Übernahmeangebot. Foto: Frank Rumpenhorst

Quelle: Frank Rumpenhorst

Marburg. Auf dem Papier hatte es sich Rhön-AG-Gründer Eugen Münch schon ausgemalt. Die Fresenius-Tochter Helios bildet zusammen mit der Rhön AG den größten Klinikbetreiber Deutschlands. Jetzt ist der Traum von Helios-Rhön geplatzt.Der Großkonzern Fresenius wird bis auf Weiteres keinen zweiten Versuch starten, die Rhön-Klinikum AG und damit das Uniklinikum Gießen-Marburg zu schlucken.

Die Entscheidung kommt für Finanzexperten nicht überraschend. In den vergangenen Tagen ließen die Ankündigungen der Konkurrenten Asklepios und Braun Melsungen den Fresenius-Rückzug erahnen. Beide Unternehmen kündigten an, ihre Anteile an der Rhön-Klinikum AG aufzustocken. Während Asklepios 10,1 Prozent der Papiere anpeilt, stieg Braun mit fünf Prozent ein. Da die Rhön-Satzung vorsieht, Grundlegendes nur mit einer Mehrheit von 90 Prozent plus eins zuzulassen, wäre Fresenius auf die Unterstützung der Konkurrenz angewiesen. Das hat schlussendlich den Vorstand von Fresenius dazu bewogen, von einem zweiten Versuch – der erste Ende Juni scheiterte, das fränkische Unternehmen für 3,9 Milliarden Euro zu übernehmen – abzusehen.

Vorbörslich verlor die Rhön-Aktie am Montag 14,5 Prozent, zwischenzeitlich waren es 23 Prozent. Die Aktie hatte nur noch einen Wert von 14,50 Euro.  „Ein Verbund von Helios und Rhön hätte die Chance geboten, neue Wege in der deutschen Gesundheitsversorgung zu gehen. Wir bedauern, dass diese Transaktion blockiert wurde“, sagt Ulf Schneider, Fresenius-Vorstandsboss. Wie geht es nun weiter mit der Rhön-Klinikum AG, ist die spektakulärste Übernahme-Schlacht des Jahres beendet? Der Vorstand der Rhön-Klinikum AG bedauert die Entscheidung, bleibt aber der Auffassung treu, weiterhin die strategische Logik des Zusammenschlusses zweier großer privater Klinikbetreiber in Deutschland vorantreiben zu wollen.

Landesregierung will am bisherigen Kurs festhaltenKaum wurde der Fresenius-Rückzug bekannt, schon meldete sich die Politik zu Wort. Ministerpräsident Volker Bouffier sagt, die neue Situation ändere nichts an der Haltung der Regierung. „Priorität haben für uns die Gewährleistung von Forschung und Lehre sowie die optimale Patientenversorgung.“ Ungehindert dieser Situation würden die Gespräche mit Uni-Präsidenten, Dekanen, UKGM-Geschäftsführung, Rhön-Vorstand und Betriebsräten unverändert fortgeführt, schließlich habe sich der Informationsfluss deutlich verbessert. Die Gewerkschaft Verdi fordert die Regierung auf, sofort Verhandlungen über die Zukunft des Uniklinikums aufzunehmen.

„Wir halten eine Rückübertragung des UKGM an das Land für die beste Lösung“, sagt Landesleiter Jürgen Bothner. „Wenn das nicht umsetzbar sein sollte, darf es jetzt aber nicht heißen: weiter so wie bisher.“Der UKGM-Betriebsrat hat die Nachricht mit Sorge aufgenommen: „Die Kosten werden auf dem Rücken der Beschäftigten beglichen“, sagt die Marburger Betriebsratschefin Bettina Böttcher. Die Unsicherheit über die Zukunft des Uniklinikums sei den 9 700 Beschäftigten hingegen nicht genommen worden. „Die Beratungsfirmen kosten eine Menge Geld. Dazu kommen die Investitionslücken an den Standorten Gießen und Marburg – die Situation für uns hat sich durch den Fresenius-Ausstieg noch einmal verschärft.“

von Carsten Bergmann

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