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Einzelhändler warnen vor „Kannibalismus“

Marburg Einzelhändler warnen vor „Kannibalismus“

Am Mittwoch diskutierte ein Vertreter des Unternehmens CIMA mit Gewerbetreibenden über die Einzelhandelsstudie. Der Magistrat hatte zu dieser nicht öffentlichen Sitzung eingeladen.

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Das jetzige Allianzhaus könnte zu einem Einkaufszentrum erweitert werden.

Quelle: Anna Ntemiris

Marburg. Fünf Minuten vor Toresschluss wurde es unruhig“, beschrieb Hans-Joachim Ebert, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Hessen-Nord die Stimmung unter den rund 40 Teilnehmern der Diskussionsrunde. Mehr als zweieinhalb Stunden lang sprachen am Mittwoch Marburger Gewerbetreibende mit Politikern über die Einzelhandelsstudie, die ein Vertreter der Firma CIMA vorstellte.

CIMA hat die Studie im Auftrag der Stadt erstellt (die OP berichtete). Nachdem weitgehend Einigkeit darüber herrschte, dass keiner ein großes Einkaufszentrum – eine Mall – an der Ecke Gutenbergstraße/Universitätsstraße haben möchte und Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) erklärte, die Sorgen der Gewerbetreibenden bei seinen Verhandlungen mit Investoren zu berücksichtigen, kam das Thema Savignyhaus auf. Dann, so berichteten mehrere Teilnehmer der OP, habe es Widersprüche, offene Fragen und Ratlosigkeit gegeben. Der Magistrat habe am Ende nicht erklärt, was mit dem Savignyhaus und dem ganzen Areal rund um das Allianzhaus passieren soll.

Vaupel hatte gesagt, dass er für das erweiterte Allianzhaus eine maximale Verkaufsfläche von 12.000 Quadratmetern für sinnvoll hält. „Dies hatte ich vorher anders verstanden“, sagte Robert Sabo vom Werbekreis Oberstadt. Doch stelle sich die Frage, ob bei einer Einbindung des Savignyhauses in die Planungen nicht doch mehr Geschäfte in dieses Areal angesiedelt werden, sagten mehrere Kaufleute. Die Gewerbetreibenden warnen vor einem „Kannibalismus“: Wenn in einem neuen Zentrum große Filialen einziehen, würden Süd- und Oberstadt veröden. Auch ein Zentrum mit 12.000 Quadratmetern Verkaufsfläche werde Auswirkungen auf die bisherigen Geschäfte haben, so Ebert.

Vaupel erklärte, dass die Stadt versuchen werde, den möglichen Investor bei der Auswahl der Mieter zu beeinflussen. „Es gilt, den richtigen Branchen-Mix zu finden“, sagte Vaupel gestern der OP. „Dieser Anspruch ist lobenswert, aber die Umsetzung ist nicht geklärt. Denn rechtlich kann die Stadt keinem Investor strenge Vorgaben machen“, sagte Ebert. „Für mich war es überraschend zu erfahren, dass schon weitergehende Gespräche mit Investoren geführt wurden. Die Pläne sind nicht allen bekannt, das macht mich unruhig“, so Ebert. Der Einzelhandel diskutiere über ein Gutachten, „dessen Folgen im Hintergrund längst abgesteckt sind“, sagte Ebert.

Dr. Susanne Rück, stellvertretende Vorsitzende des Regionalausschusses der Industrie- und Handelskammer, erklärte ebenfalls, dass am Ende der ihrer Meinung nach konstruktiven Sitzung viele Bedenken und Fragen blieben. „Am Schluss, als es um das Savignyhaus ging, wurden wir aufgeschreckt“, so Rück. „Aber ich bin mit dem guten Gefühl nach Hause gegangen, dass man die Anliegen der Betroffenen ernst nimmt“, ergänzte sie. „Die Stadt muss bei künftigen Gesprächen die Kaufleute beteiligen“, fordert Sabo. Die Gewerbetreibenden schlossen sich zudem der Forderung von Kaufhaus-Chef Peter Ahrens an, der einen City-Manager für Marburg fordert. „Eine Stadt muss sich koordiniert präsentieren“, sagte Ebert.

Vaupel räumte gestern gegenüber der OP ein, dass es bei der Zukunft des Savignyhauses noch offene Fragen gibt, weil die Stadt noch in Verhandlungen mit dem Land und der Uni sei, der das Haus gehört. Im Savignyhaus sollen aber keine Einzelhandelsflächen errichtet werden, betonte er. Die Stadt allein können keinen City-Manager finanzieren, da dieser auch Belange der Einzelhändler vertrete. Diese müssten sich an den Kosten beteiligt.

von Anna Ntemiris

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