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Hinterland Einmaliges geschieht in Limburg
Landkreis Hinterland Einmaliges geschieht in Limburg
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18:01 11.12.2013
Der beurlaubte Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hofft auf seine Rückkehr nach Limburg, was auf wenig Gegenliebe stößt. Foto: Fredrik von Erichsen Quelle: Fredrik von Erichsen
Gladenbach

Rund 50 Katholiken füllen am Dienstagabend den Pfarrsaal der Unterkirche in Gladenbach. Sie wollen den Vortrag von Lutz Klein hören, der ihnen Informationen über „Den Bischofssitz auf dem Domberg in Limburg – Hintergründe und Folgen“ geben will. Sie wollen aber auch, das wird im Verlauf des Abends deutlich, keiner Absolutions-Veranstaltung beiwohnen. Denn eines ist für sie klar: Eine Wiederkehr des beurlaubten Bischofs nach Limburg können sie sich – ähnlich wie die Diozösanversammlung oder der Priesterrat – nicht vorstellen. Dazu vermissen sie bei Franz-Peter Tebartz-van Elst Einsicht, Reue und Demut.

Diesen Standpunkten widerspricht Klein auch nicht. Im Gegenteil, berichtet er doch über „Merkwürdigkeiten“ und „Ungeschicklichkeiten“ im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Bischofsresidenz, weil er häufig darauf angesprochen werde, ob „in den kirchlichen Gremien geschlafen wurde“.

Das habe man nicht, denn das Thema stand in den Gremien nicht zur Diskussion, erläutert der ehemalige Regierungspräsident in Kassel. Obwohl Klein näheren Einblick durch seine Arbeit im Synodalrat und auch im Kirchensteuerrat des Bistums Limburg hat, will er an diesem Abend keine Geheimnisse verraten, nur zusammenfassen, was in Zeitungen stand.

Doch allein das hat es in sich und lässt bei einigen Zuhörern den Aha-Effekt eintreten: Zwar wurde der Bau eines neuen Domizils schon von seinem Vorgänger angeregt und vom Domkapitel im Jahr 2007 beschlossen, doch die „Merkwürdigkeiten“ begannen, nachdem Tebartz-van Elst im Jahr 2008 in Limburg Bischof wurde. Aus den geplanten 5,5 Millionen Euro Baukosten zu Baubeginn im Jahr 2011 wurden über 9,8 Millionen, die Mehrkosten wurden mit umfangreichen Arbeiten zur Denkmalsicherung begründet, schließlich bei der Fertigstellung in diesem Jahr rund 31 Millionen Euro.

Der Kirchensteuerrat hatte 2007 beschlossen, dass sich das Bistum mit 2,5 Millionen Euro an dem Bau beteiligt, alles was darüber hinausgeht müsse der Bischöfliche Stuhl, eine von 3 Körperschaften des Öffentlichen Rechts, die das Bistum leiten, selbst begleichen. Soweit die Voraussetzungen.

Zahl der Kirchenaustritte nahezu verdoppelt

Dann erließ der Bischof zum 1. April 2012 ein neues Statut: Der Verwaltungskammer des Domkapitels wurde die Kontrolle des Bischöflichen Stuhls entzogen, diese übernahm ein dreiköpfiger Vermögensverwaltungsrat (VVR), deren Mitglieder, vom Bischof eingesetzt, sich nur ihm gegenüber äußern durften. Weitere Merkwürdigkeiten: Aus dem Pressespiegel des Bistums verschwanden alle kritischen Artikel, die normalen Kontrollmechanismen für Bauten wurden nicht angewandt, dem VVR wurden die Finanzplanung für das Bauprojekt sowie die Haushalte für die Jahre 2012 und 2013 nie vorgelegt. Die Folge sei ein „ungeheurer Vertrauensverlust im Bistum und in der katholischen Kirche“.

Die Folgen seien nicht abzusehen. Neben einer befürchteten Diskussion um staatliche Leistungen an die Kirchen ist ein weiterer Effekt schon eingetreten: Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche hat sich im Bistum erhöht. Waren es im Jahr 2012 noch 3591 Menschen, die der Kirche den Rücken kehrten, so taten dies bis Oktober dieses Jahres schon 5904.

Auch die evangelische Kirche bekomme den Effekt der Negativ-Berichterstattung zu spüren. Diese werde wohl noch lange anhalten, auch weil erst im Frühjahr mit dem Bericht einer von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzten Untersuchungskommission gerechnet wird. Diese werde allerdings nur Fakten auflisten, zum Beispiel, wer beim Bau was in Auftrag gab und was es gekostete hat. „Wir hoffen auf Klarheit, nicht auf ein Deckmäntelchen für den Bischof“, sagte Klein.

Die Bewertung werde in Rom erfolgen. Denn weitere „Ungeschicklichkeiten“ veranlassten den Papst, sich einzuschalten. Dieser schickte im September einen Gesandten, was einmalig sei in der Geschichte, ebenso, dass der Oberhirte nach der Beurlaubung von Tebartz-van Elst nun selbst der Bischof von Limburg ist, die Aufgaben aber allerdings an einen Kardinal abgegeben hat.

Diese Luxusbetreuung vermag die Gläubigen jedoch nicht zu trösten. Sie fragen nach, vor allem wegen des Geldes: Aus welchem Haushalt bezahlt der Bischof die 20000 Euro für den Strafbefehl im Verfahren wegen Meineids? Aus welchen Quellen werden die 31 Millionen Euro für den Bau beglichen?

Bischof verfügt über rund 100 Millionen Euro

Die Summe für den Strafbefehl müsse der Bischof „normalerweise“ aus seiner Privatschatulle bezahlen, antwortete Klein. Die Baukosten, bis auf die zugesicherten 2,5 Millionen, müsse der Bischöfliche Stuhl tragen, erläuterte Klein. Die 31 Millionen machten rund ein Drittel des Bistums-Vermögens aus, das dem Bischof zur Wahrnehmung seiner Aufgaben zur Verfügung steht.

Zum Vergleich nannte Klein das Haushaltsvolumen der anderen beiden leitenden Körperschaften des Öffentlichen Rechts: Das Bistum wälzt im Haushaltsjahr rund 212 Millionen Euro an Einnahmen und 210 Millionen Euro an Ausgaben um, das Domkapitel, das theologische Leitungsgremium, hat 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. Das sei doch untragbar, dass der Bischof 100 Millionen zur Verfügung habe, aber in Breidenbach die Kapelle verfalle, moniert ein Zuhörer.

Und dann kommt noch die Frage nach der Verantwortlichkeit. „Das kann doch nicht sein, dass der Bischof alles allein entscheidet“, sagt ein weiterer Zuhörer. Es handelt sich um ein Rechtssystem wie im Mittelalter“, sagte Klein dazu. Der Bischof sei letzte Instanz in allen Fragen.

von Gianfranco Fain

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