Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Eine Unterkunft „Am Plan“ als Plan B
Landkreis Hinterland Eine Unterkunft „Am Plan“ als Plan B
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:16 02.04.2012
Dieses städtische Gebäude „Am Plan“ ist derzeit größtenteils ungenutzt und könnte dem Fachbereich Rechtswissenschaften während des Neubaus als Ausweich-Quartier dienen. Für die Fachbibliothek ist dort jedoch kein Platz. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Wenn sich die nun vorliegenden Pläne für die Innenstadt-Entwicklung verwirklichen lassen, wird der Berliner Investor Joachim Tenkhoff das in die Jahre gekommene Savigny-Haus und das benachbarte Allianz-Haus abreißen lassen, um auf der kompletten frei werdenden Fläche das „Gutenberg-Center“ zu errichten (die OP berichtete).

Einen Bau des „Gutenberg-Centers“ in zwei Abschnitten schließt Tenkhoff kategorisch aus. Nicht machbar, nicht finanzierbar: „Wir können und werden mit den Tiefbauarbeiten erst beginnen, wenn das Savigny-Haus geräumt ist.“

In diesem Zusammenhang sind nach Angaben von Professorin Katharina Krause, Präsidentin der Marburger Philipps-Universität, zwei Varianten denkbar und weiter in der Prüfung: Entweder der Fachbereich Rechtswissenschaften zieht um, wenn der Neubau auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei fertiggestellt ist. Das würde den Baubeginn des „Gutenberg-Centers“ erheblich verzögern. Oder es muss doch eine Zwischenlösung für die Juristen samt Bibliothek her, die wiederum den Abriss des Savigny-Hauses beschleunigen würde.

„Für eine solche Interimsunterbringung haben wir jedoch noch keine vollständige Lösung gefunden“, sagte Krause der OP. Sie verweist darauf, dass neben den Lernenden und Lehrenden auch die Fachbibliothek der Juristen etwa zwei Jahre in einem Provisorium untergebracht werden müsste. Und das juristische Seminar allein macht schon die Hälfte der insgesamt 5000 Quadratmeter Nutzfläche im Savigny-Haus aus. Dafür ist noch kein geeignetes Ausweich-Quartier gefunden. Die Mitarbeiter und Studenten des Fachbereichs hingegen könnten während einer Übergangszeit laut Krause im früheren Zentrum für Hochschulsport unterkommen.

Das Gebäude „Am Plan“ ist inzwischen in städtischer Hand und diente bereits den Beschäftigten des Jugendamts als provisorische Unterkunft, während die Behörden-Räume am Wilhelmsplatz, Ecke Friedrichstraße, saniert wurden. „Nun stehen große Teile des Gebäudes ,Am Plan‘ wieder leer und könnten vorübergehend von der Uni genutzt werden“, bestätigt Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne). Auch für die Bibliothek der Juristen ist laut Kahle eine Lösung greifbar: „Die könnte zwischenzeitlich auf der heute leer stehenden Fläche im Schlossberg-Center untergebracht werden.“ Diese rund 800 Quadratmeter große Fläche unterhalb des Fitness-Studios „Physicum“ befindet sich - wie das gesamte Schlossberg-Center - im Besitz der Investmentfonds-Gesellschaft TMW Pramerica und war von Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) auch schon als alternative Fläche für den Schul- und Vereinssport ins Gespräch gebracht worden. Als weitere Ausweichfläche für einen Plan B kommen laut Kahle die Räume der Fronhofschule in der Schulstraße in Betracht, die zum Ende des Schuljahres geschlossen wird (die OP berichtete).

Ein Zeitplan mit vielen Unbekannten

Selbst wenn nun - wie sich zuletzt abzeichnete - kurzfristig rechtliche und finanzielle Planungssicherheit hergestellt werden kann und Prioritäten verschoben werden, rollen die Bagger für den ersten Baustein des Gesamtprojektes auf dem Gelände der alten Brauerei wohl nicht vor Mitte/Ende 2013. Das heißt: Auch bei straffem Zeitplan und reibungslosem Ablauf können der Neubau der Rechtswissenschaften und das „Gutenberg-Center“ frühestens Anfang 2016 fertiggestellt werden.

Findet sich aber keine sinnvolle Interimslösung für die Juristen, müssen sich der Investor und seine potenziellen Mietpartner etwa zwei weitere Jahre in Geduld üben, bevor das neue Einkaufszentrum eröffnen kann.

Ziel der Stadt sei es, dass beide Neubaupläne so schnell wie möglich in die Tat umgesetzt werden, bekräftigt Kahle gegenüber der OP.

von Christoph Linne