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Hinterland Eine Region will zusammen wachsen
Landkreis Hinterland Eine Region will zusammen wachsen
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18:57 23.01.2013
Die Vertreter der 19 Gesellschafter kamen gestern in Gießen vor dem Gebäude des Regionalmanagements Mittelhessen zum Gruppenfoto mit Minister Rentsch (vorne, Mitte) zusammen.Foto: Ntemiris
Marburg

Studium in Gießen, Karriere in Wiesbaden: Harald Brandes, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (HWK) Wiesbaden, hofft auf weniger Nachahmer, was seinen Lebensweg angeht. Die Region Mittelhessen sollte ihre Fachkräfte halten können, sagt Brandes und zitiert damit eines der großen Ziele der neu gegründeten Regionalmanagement Mittelhessen GmbH. Die HWK Wiesbaden, die 10000 Betriebe vertritt, ist mit einem Anteil von elf Prozent der größte Gesellschafter. Die Landkreise, Sonderstatusstädte, Hochschulen sowie Wirtschaftsverbände in Mittelhessen gehören ebenfalls zu den 19 Gesellschaftern der neuen GmbH. Bisher gab es den Verein Regionalmanagement Mittelhessen, der vor zehn Jahren gegründet wurde, aber für viele Mitglieder zu „Gießen-lastig“ war, wie Robert Fischbach, Landrat des Landkreises Marburg-Biedenkopf, im OP-Gespräch erklärte. Ein weiteres Problem war, dass alle Vereinsmitglieder gleichberechtigt waren, nun erfolgt das Gewicht nach Beteiligung. Die Städte und Kreise beteiligen sich mit rund fünf Prozent an der GmbH. 20000 Euro zahlt die Stadt Marburg im Jahr in die GmbH ein - so viel wie bisher im Verein.

Emotionale Verbundenheit fehlte bisher

Die Neustrukturierung zu einer GmbH erfolgte in Abstimmung mit dem Land Hessen, betonte gestern Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) während einer Pressekonferenz in Gießen. Vorbild in der Struktur sei dabei die Region Nordhessen. Der Wettbewerb mit den Regionen Europas sei sehr intensiv. „Damit Menschen im Ausland Teile Hessens kennenlernen, müssen wir uns hier besser vernetzen“, erklärte Rentsch.

„Organisationsrechtlich haben wir das Optimum erreicht. Jetzt geht es darum, dies mit Leben zu füllen“, bescheinigte er den Gesellschaftern. Das Land habe den Aufbau des Regionalmanagements in den vergangenen zehn Jahren mit rund 600000 Euro gefördert. Hinzu kamen über eine Million Euro Projektmittel etwa für Standortmarketing. In den nächsten drei Jahren werde das Land je 100000 Euro zur Verfügung stellen.

Regierungspräsident Dr. Lars Witteck, der die Neustrukturierung im Wesentlichen vorantrieb, machte keinen Hehl daraus, dass es Startschwierigkeiten gab. „Der Region ist das Gemeinsame nicht in die Wiege gelegt, die Region Mittelhessen ist das Ergebnis einer missglückten Verwaltungsreform“, berichtete Witteck. Aus dieser Historie heraus gebe es keine emotionale Verbundenheit. Doch in den vergangenen Jahren definieren sich Teile Europas immer mehr über Regionen. „Wir sollten nicht mehr länger das Trennende betonen“, so Witteck. Die Region Mittelhessen stehe für mittelständische Strukturen sowie für Bildung und Wissenschaft, erklärten mehrere Gesellschafter. Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) wurde in der gestrigen Gesellschaftversammlung einstimmig zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt. Eine Wahl, die viele Mitglieder als Stärkung des Uni- und Wirtschaftsstandorts Marburg-Biedenkopf, sehen. Die Identität der Region Mittelhessen könne nur wachsen, wenn sich alle Städte und Kreise gleichermaßen dort wiederfinden, so Fischbach.

Neuanfang oder Weiterentwicklung?

Die GmbH-Gründung sei kein Neuanfang, „wir zünden die nächste Stufe an“, sagte Uwe Hainbach, Präsident der Industrie und Handelskammer Lahn-Dill. Neben der Fachkräftesicherung stehen die Breitbrandversorgung, die Sicherung der Hoch- und Berufschulstandorte, die Energiewende und der Ausbau der Infrastruktur als Aufgaben für die Gesellschafter an. 10000 Beschäftigte (und ihre Familien) der beiden Universitäten Gießen und Marburg sowie der Technischen Hochschule seien auf eine gute Infrastruktur in der Region angewiesen, erklärte Gießenes Uni-Präsident Professor Joybrato Mukherjee.

Die Kommunalpolitiker erklärten, dass ihre Städte dennoch ihre eigenen Profile und Wirtschaftsförderungen behalten wollen. Auch die Verbände bleiben wie bisher erhalten. Das Regionalmanagement nimmt aber stärker und verbindlicher als bisher eine Netzwerkfunktion ein, stellte Rentsch klar.

von Anna Ntemiris

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