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„Eine Oase wirtschaftlichen Erfolges“

Wirtschaftsstandort Hinterland „Eine Oase wirtschaftlichen Erfolges“

Die Hinterländer sollten selbstbewusster über ihre Region sprechen und das halb volle Glas nicht als halb leer betrachten. Das riet einer von ihnen - Hessens Finanzminister Thomas Schäfer. Er war Gastredner beim Neujahrsempfang in Dautphetal.

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Finanzminister Thomas Schäfer sprach beim Neujahrsempfang in Dautphetal über den Wirtschaftsstandort Hinterland aus Wiesbadener Sicht.Fotos: Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Dautphetal. Wie wohl ein Hinterländer seine Heimat aus Wiesbadener Sicht bewertet?, kündigte Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt (FWG) den Hauptredner des Neujahrsempfangs, Dr. Thomas Schäfer (CDU), an. Schäfer sprach vor 150 Gästen im Bürgerhaus Friedensdorf beim ersten gemeinsamen Neujahrsempfang von Gemeinde und dem Verein „Unternehmen Dautphetal“ über den Wirtschaftsstandort Hinterland aus der Sicht Wiesbadens . Die Region sei von mittelständischen Unternehmen geprägt, das sei eine Riesenchance. Bei einer Arbeitslosenquote von vier Prozent könne man von nahezu Vollbeschäftigung sprechen. Schäfer sprach von der „Oase wirtschaftlichen Erfolges“.

Unternehmen mit Exportanteil von 50 Prozent

Dass diese Oase andernorts nicht bekannt sei, hänge unter anderem damit zusammen, dass die Region „ein Stück weit weg von Verkehrswegen und zentralen Lebensadern“ befinde. „Aber auch weil der Hinterländer nicht selbstbewusst darüber redet“. Und diese Bescheidenheit mache es zunehmend schwieriger, akademischen Nachwuchs von auswärts in die Region zu holen. „Für viele stellt sich die Frage, wie lebt man hier“, so Schäfer. Man müsse Auswärtige davon überzeugen, dass es schön ist, hier zu leben. Wichtig sei dabei, die Infrastruktur aufrecht zu erhalten. „Wir müssen das gleiche Angebot in der Kinderbetreuung haben wie in der Großstadt“, so Schäfer. Die Gemeinde Dautphetal gehört bereits zu den Kommunen, die sich seit Jahren um die Ausweitung der Öffnungszeiten und Angebote bemühen.

Auch die Rahmenbedingungen für junge Menschen seien besser geworden: Die Technische Hochschule Mittelhessen hat eine Außenstelle in Biedenkopf eingerichtet, die Betriebe und Unternehmen sind wirtschaftlich erfolgreich und bieten attraktive Arbeitsplätze. „Das Hinterland hat einen Exportanteil von über 50 Prozent, das allermeiste wird in EU-Länder exportiert“, berichtete Schäfer.

Zurück nach Europa

Er schlug damit den Bogen zur Lage in Europa. Wer sich heute über die Südeuropäer aufrege und Berichte über Zahlungen an verstorbene Rentner in Griechenland lese, dürfe nicht das Grundsätzliche aus den Augen verloren: „Wir sind darauf angewiesen, in Europa politisch und ökonomisch zusammenzuleben“. 250 bis 300 Millionen Europäer seien nunmal stärker als 80 Millionen Deutsche - im Wettbewerb mit den 2 Milliarden Menschen in China und 1,7 in Indien. Europa sei ein Garant für Frieden, so Schäfer weiter. Und wer angesichts der Schulden der Südeuropäer Sanktionen fordere, dürfe nicht vergessen, dass Deutschland als erstes Land das Defizitkriterium des Maastrichter Vertrags gebrochen hatte und nicht bestraft worden war.

Gewerbeverein: 100 Mitglieder als Ziel

Die Sorgen im Hinterland, zu wenig Fachkräfte halten zu können, seien im Vergleich zu denen in Spanien oder Portugal, wo die Arbeitslosigkeit sehr hoch ist, fast keine Sorgen. In seinem Ausblick wies Schäfer auf die Wahlen hin, die eine stärkere politische Debatte auslösen werden - von Wahlkampf sprach er nicht. Auch erwähnte der Minister kein heimisches Unternehmen namentlich - zum Bedauern des ein oder anderen Gastes. Über die Vorzüge der Region sprach er allgemein, ohne die Branchen konkret zu benennen.

Für die heimische Wirtschaft sprach Friedhelm Nispel, Vorsitzender des Vereins „Unternehmen Dautphetal“. Der Verein sei von 30 Mitgliedern innerhalb von zwei Jahren auf rund 90 gewachsen. Das Ziel sei die 100-er-Marke. Und derzeit planen die Dautphetaler Gewerbetreibenden die Gewerbeschau, die am 16. und 17. März stattfindet. Nispel warb dafür selbstbewusst, aber dennoch nicht „dick“ aufgetragen.

Über das Selbstbewusstsein oder die Bescheidenheit im Hinterland, die Region, die anstehenden Veranstaltungen und Europa sprachen die Gäste anschließend in lockerer Atmosphäre beim kalten Büfett. Der Minister blieb bis zum Abend - das freute die Gastgeber und Gäste.

von Anna Ntemiris

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