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Hinterland Eine Boje, die den Pegel misst
Landkreis Hinterland Eine Boje, die den Pegel misst
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06:16 30.08.2012
Felix Bonn, Verantwortlicher für den weltweiten Betrieb und Geschäftsführer Jochen Knake zeigen die neue Technik rund um die Sensor-Boje. Quelle: Marie Lisa Schulz
Cölbe

Daniel Düsentrieb hat es vorgemacht, Jochen Knake macht es nach. Der Geschäftsführer der Firma Nolta, einem Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und den Vertrieb von Pumpsystemen und Komponenten für das Wassermanagement spezialisiert hat, ist unter die Erfinder gegangen. Mit einer neuen Patentanmeldung will das Cölber Unternehmen seine Marktposition behaupten. „Als mittelständischer Betrieb müssen wir uns eine Nische suchen, in der wir sehr gut sind. Findet man die nicht, hat man es draußen auf dem Markt sehr schwer,“ ist sich Knake sicher. Mit der Neuerfindung, so hofft der Geschäftsführer, wurde die bereits bestehende Nische weiter ausgebaut und behauptet.

Die Hoffnung des Unternehmens schwimmt. Meist in dreckigem Industrie- oder Abwasser. Das Unternehmen hat sich auf die Herstellung von Sensoren spezialisiert, die den Füllstand innerhalb eines Behälters ermitteln. Kleine Sesnor-Bojen, die ab einem bestimmten Pegel ein Signal an einen Empfänger senden, der die Daten dann in ein System einspeist.

„So kann man in Hamburg sitzen und den Wasserstand in einer Münchener Anlage ablesen“, erläutert Knake. Unternehmen, die Produkte zur Füllstandüberwachung anbieten, gibt es, trotz des überschaubaren Marktes, einige.

„Wir haben das System revolutioniert“, erklärt der Ingenieur. „Es gibt auf dem Markt schon ähnliche Lösungen, die so funktionieren. Alle wurden von uns weiterentwickelt und in das Bestehende System integriert.“ Das Problem bei der herkömmlichen Füllstanderfassung: Die meist aggressiven Flüssigkeiten greifend das Material, das die sensiblen Messkabeln schützen soll, an. Eine regelmäßige, kostspielige Wartung ist unabdingbar. Die Lösung der Firma Nolta: Statt mit Messkabeln zu arbeiten, die an das elektrische Netz gekoppelt sind, hat das Unternehmen eine umweltfreundlichere Methode entwickelt. Aus Quellen der Umgebungstemperatur, Vibrationen oder Luftströmungen wird mechanische in elektrische Energie (Energy Harvesting) umgewandelt. Mit dieser Energie können die Messungen vorgenommen, die Ergebnisse per Funk übermittelt werden. „Für die Schwimmschalter ist keine Verkabelung mehr erforderlich und es wird auch keine Batterie gebraucht. Somit ist hier ein Produkt entstanden, das äußerst umweltfreundlich hergestellt, installiert und betrieben werden kann“, freut sich Knake.

Vor neun Wochen ist die Anmeldung beim Patentamt in München eingegangen. In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Friedberg und der TU Aachen wurde die Idee in erste Prototypen umgesetzt. „Wir haben sehr gute Erfahrung mit der Zusammenarbeit mit den Unis gemacht. Auch wenn es manchmal ein Tick langsamer geht“, fasst der Nolta-Geschäftsführer zusammen.

Einmal Daniel Düsentrieb - immer Daniel Düsentrieb. Das Tüfteln und weiterentwickeln, der Blick über den Tellerrand hinaus, haben ihn auf neue Ideen gebracht. „Ich sehe eine Schnittstelle zur Medizintechnik“, verrät er. Das System, bei dem vorhandene Energie genutzt wird, um Daten per Funk übertragen und auswertet zu können, sei sicherlich auch im Bereich der Sportmedizin anwendbar. Sensoren könnten in die Kleidung integriert, die gesammelten Daten per Funk übermittelt, Bewegungsabläufe dargestellt werden. Und wer weiß, vielleicht wird das Cölber Unternehmen mit seinen 55 Mitarbeitern bald schon wieder Post zum Patentamt München schicken. Denn Knake weiß: „Was wir jetzt nicht in die Hand nehmen, das passiert auch nicht in fünf Jahren. Lieber drei Schritte vor und einen wieder zurück gehen, als still zu stehen.“

von Marie Lisa Schulz