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Ein Schlepper auf Abwegen

Gericht Ein Schlepper auf Abwegen

Glimpflich lief der Unfall ab - versöhnlich die Verhandlung. Ein Hinterländer Traktorfahrer muss 250 Euro zahlen, weil er nach dem Zusammenprall mit einem fahrradfahrenden Kind seiner Sorgfaltspflicht nicht nachkam.

Biedenkopf. Es ist ein unfaires Aufeinandertreffen: Traktor gegen Fahrrad. Vor dem Amtsgericht Biedenkopf wurde nun ein Vorfall verhandelt, der sich bereits im vergangenen Juni in Breidenbach zugetragen hat. Damals kollidierte ein 24-Jähriger Schlepperfahrer mit einem 12-jährigen Jungen auf dessen Fahrrad. Beide waren auf der Bachstraße in Richtung Ortsausgang unterwegs.

Nach den polizeilichen Untersuchungen des Vorfalls wurde ein Verfahren eingeleitet. Der erste Vorwurf belastete den 24-Jährigen, der den Sturz des Schülers zwar bemerkt habe, sich aber nicht weiter um ihn gekümmert habe und einfach davongefahren sei. Nach den Aussagen der beiden Beteiligten steht nun fest, wie es zu dem Unfall kam.

Der 12-Jährige fuhr auf der rechten Straßenseite, als er den Traktor von hinten kommend hörte. Um nicht auf ein geparktes Auto aufzufahren entschloss sich der Schüler in einer plötzlichen Überlegung, die Straßenseite zu wechseln. Dabei wurde das Fahrrad von der Schaufel des Traktors erfasst. Der Traktor kam nach einer Vollbremsung zum Stehen.

Bis zu diesem Punkt stimmten die Aussagen der beteiligten überein. Während der 24-Jährige jedoch berichtet, dass er aus dem Fahrzeug ausgestiegen sei, sagte der Junge, der Mann habe lediglich aus der Fahrerkabine gesprochen. „Geht es dir gut? Ist alles ok?“ Auf diese Fragen habe der Junge zunächst laut „Ja“ gesagt. Wirklich nicht gehört habe der 24-Jährige hingegen das, was dem „Ja“ folgte. Nämlich die Frage, ob der Traktorfahrer ihm helfen könne. „Das habe ich wahrscheinlich wirklich leiser gesagt“, versuchte sich der 12-Jährige zu erinnern. Nachdem der Traktorfahrer den Unfallort verlassen hatte, seien Freunde des Jungen gekommen, die ihm auf die Beine geholfen hätten. Auf Nachfrage von Richter Mirko Schulte sagt der Schüler, er habe eine Platzwunde am Kopf und eine Schürfwunde am Ellenbogen davongetragen.

Schulte erkannte in dem Vorfall vornehmlich eine Verkettung von unglücklichen Umständen. Während der Schüler das Ausweichmanöver mit einem Zeichen hätte sichtbar machen müssen, zeigte sich der 24-Jährige zu wenig sorgsam nach dem Unfall. „Beide waren in dieser Situation wohl unheimlich aufgeregt“, sagte Schulte.

Der 24-Jährige, dem der Führerschein bereits seit viereinhalb Monaten entzogen ist, entschuldigte sich bei dem Schüler und gab ihm noch während der Verhandlung die Hand. Da sich der vorgeworfene Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung und Fahrerflucht nicht vollständig bestätigte, regten die Verhandlungsteilnehmer eine andere Lösung des Streits an. Staatsanwaltschaft und Verteidigung einigten sich nach Vermittlung von Richter Schulte auf die Möglichkeit einer Wiedergutmachung durch die Einmalzahlung von 250 Euro. Das Geld muss der 24-Jährige nun an den Geschädigten überweisen.

von Dennis Siepmann

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