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Hinterland Ein Schlag fürs Gemeindearchiv
Landkreis Hinterland Ein Schlag fürs Gemeindearchiv
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20:30 06.12.2010
Jakob Schlag blickt in eines seiner 12 Bücher. In „Lohra ein Streifzug durch die Vergangenheit und Gegenwart“ sind Eindrücke aus der Gemeinde zu sehen. Auch sein neues Buch „Wer denkt noch an Gestern“ dient dazu, die Erinnerung an Vergangenes wachzuhalten. Quelle: Gianfranco Fain

Lohra. Jakob Schlag lässt seine Leidenschaft einfach nicht los. Schon vor fast zwei Jahren stellte er sein „letztes“ Buch „Lohra ein Streifzug durch die Vergangenheit und Gegenwart“ vor. Gestern folgte nun sein 12., dass den Titel „Wer denkt noch an das Gestern“ trägt und sich – wie könnte es anders sein – mit Schlags Erinnerungen an seinen Heimatort Lohra, beginnend mit der Zeit „vor dem Krieg“ befasst.

Viele Stunden und Tage hat der 85-Jährige in seinem Archiv Texte gesichtet und Fotos ausgesucht, die in dem Büchlein zur Illustration von Geschichten wie „Das unfreiwillige Bad“, Ostern – Eierwerfen“, „Hochwasser“, „Eine Kuh im Stall und kein Futter“, Eine aufrechte Frau“ oder „Das schönste Weihnachtsgeschenk“ dienen.

Seinen Hobbys, dem Schreiben von Geschichten und dem Erhalt von Erinnerungen für die Nachwelt, frönt Schlag schon seit rund 50 Jahren. Die ersten Niederschriften fertigte der Kaufmann an, als er ab 1968 für den Gewerbeverein Lohra das Mitteilungsblatt – damals das erste seiner Art in der Region – erstellte. Schon damals schrieb der langjährige Vorsitzende des Vereins eigene Geschichten für das Blatt, die „gern gelesen wurden“. Aus dieser Zeit stammen auch viele eigene Fotografien. Zugänge aus Nachlässen, die er erhielt, als sich herumsprach, dass er sammelte, ließen seinen Fundus allmählich auf mehr als 2.000 Exemplare ansteigen.

Im Laufe der Zeit begann Schlag aus seinem „Schatz“ Bücher anzufertigen, wie „Vier Jahreszeiten“ – Ein Streifzug durch das Jahr in früherer Zeit oder „Meine Erinnerungen an das Tausendjährige Reich“ , die sich allesamt mit seiner Heimatgemeinde befassen. Schlags Antrieb war, die Erinnerungen in Lohra ein bisschen mehr zu pflegen. Dass vieles in Vergessenheit geraten könnte, sorgte den gebürtigen Lohraer aus „Sachsenhausen“ schon seit einiger Zeit. Und auch der Gedanke, dass seine Sammlung aus „wertvollen Dokumenten“ in der Altpapiersammlung enden könnte, war für ihn eine ungeheure Vorstellung.

Diese Sorge ist Jakob Schlag seit gestern offiziell los. Obwohl er einerseits froh sei, dass seine Sammlung erhalten bleibt, kann er sich „schwer davon trennen“, berichtet seine Frau Margarete. Schlag gab den jahrelangen Bemühungen der Gemeinde nach und willigte ein, seine Sammlung für das Gemeindearchiv zur Verfügung zu stellen.

Bürgermeister Georg Gaul ist sicher, dass Schlags Sammlung das Gemeindearchiv im „Alten Rathaus Lohra“ bereichert. Gemeindearchivar Horst Köhler schätzt, dass er „wahrscheinlich etliche Jahre“ für die Sichtung und Katalogisierung des Materials benötigen wird. „Es ist ein Wahnsinn, was Jakob Schlag alles hat“, sagt Köhler. Auch Wolfgang Kühnel vom Arbeitskreis Dorfgeschichte freut sich auf Schlags Sammlung, die helfen soll ein Buch mit den Hausnamen der gesamten Gemeinde zu erstellen. Zuerst werden Schlags tausende Fotos, Manuskripte, Gemeindeblättchen und Bücher auf dem Dachboden der Gemeindeverwaltung zwischengelagert. Der Grund: „Wir sind nicht sicher, ob der Platz im ,Alten Rathaus‘ ausreichen wird“, sagt Gaul.

Wer sich für Schlags neues Buch „Wer denkt noch an das Gestern?“ (8 Euro) kann sich an Jakob Schlag unter der Telefonnummer 0 64 62 / 24 57 wenden.

von Gianfranco Fain