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Hinterland Ein Krankheitstag kostet im Durchschnitt rund 500 Euro
Landkreis Hinterland Ein Krankheitstag kostet im Durchschnitt rund 500 Euro
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14:23 26.05.2015
Professor Dieter Zapf (von links), Jana Kohlmetz und Volker Breustedt referierten beim „Marburger Business-Talk“. Quelle: Benjamin Kaiser
Marburg

Die 80 Besucher des Marburger Business-Talks bei der Agentur für Arbeit staunten nicht schlecht, als Referentin Jana Kohlmetz mitteilte, wie viel Verlust ein Unternehmen beim krankheitsbedingten Ausfall eines Mitarbeiters hat.

„Im Durchschnitt kostet ein Krankheitstag 500 Euro“, sagte die geschäftsführende Gesellschafterin der „perspect GmbH“ in Marburg, die Unternehmen beim betrieblichen Gesundheitsmanagement berät. Weiterhin referierte Professor Dieter Zapf, Dozent für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Goethe-Universität Frankfurt, über das Thema „Arbeiten und Gesundheit erhalten“.

„Wir haben bewusst ein Thema gewählt, das gesellschaftlich und wirtschaftlich von besonderer Bedeutung ist, und es wird bei der Suche nach Fachkräften und deren langfristiger Einbindung in den Betrieb immer brisanter“, so Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit Marburg.

Es gibt verschiedene Gründe für arbeitsbedingte Krankheiten, die physischer und psychischer Natur sein können: So kann beispielsweise die körperliche Haltung am Arbeitsplatz zu chronischen Schmerzen, insbesondere Rückenschmerzen, führen. Gleichzeitig sind aber auch Stress oder Überarbeitung eine „sprudelnde Quelle“ für Ausfälle bei Arbeitnehmern.

Umdenken im Landkreis

Dieser Quelle widmet sich Professor Zapf bei seinen Forschungen, deren Ergebnisse er am Montag präsentierte. Der Dozent legte dar, wie wichtig für Arbeitnehmer allein die Aussicht auf Arbeitsentlastung sei: „Wenn der Arbeitnehmer weiß, dass er keine Hilfe hat und auf sich allein gestellt ist, wirkt sich dies im Fall von arbeitsintensiven Phasen hemmend auf die Gesundheit und auch die Leistung aus. Die reine Möglichkeit, dass er Unterstützung erhält, stärkt seine Psyche sowie seine Belastbarkeit.“

Auch im Landkreis findet ein Umdenken statt. Der Leiter eines Autohauses im Landkreis erklärte, dass er neuerdings den E-Mail-Zugang seiner Mitarbeiter übers Wochenende sperren lasse. Auf Nachfrage erläuterte er dazu: „Ich will meinen Leute nicht die Freizeit klauen, die meiner Meinung nach für die Erholung wichtig ist. Samstag und Sonntag sollen sie entspannen, um am Montag wieder fit zu sein.“

Jana Kohlmetz lobte diesen Ansatz zur Reduzierung von Stress im Job und hakte ein: „Es ist tatsächlich so, dass Mitarbeiter sich auch am Wochenende geradezu genötigt fühlen, die Nachrichten ihres Chefs zu beantworten, obwohl sie es eigentlich nicht müssten. Sie haben ja frei.“

von Benjamin Kaiser