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Eigentümer fügt Puzzleteile zusammen

Tag der offenen Tür Eigentümer fügt Puzzleteile zusammen

Die Geschichte der Zigarrenfabrik, in der derzeit Hightec-Kameras gefertigt werden, soll in einer Chronik festgehalten werden.

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Altenvers. Es hat sich etwas auf dem einstmals verlassenen und verwahrlosten Grundstück an der Hauptstraße getan. Etwa 400 Besucher fanden sich am Sonntag zwischen 11 und 17 Uhr zum Tag der offenen Tür auf dem Gelände ein, um sich die Veränderungen vor Ort anzuschauen. Der Wildwuchs wurde entfernt, die Fassade erstrahlt in neuem Glanz und es parken wieder Autos vor dem Gebäude.

Die Firma Samcon erwarb das Anwesen Mitte vergangenen Jahres (die OP hat berichtet). Alles ging recht schnell, weil sich Steffen Seibert mit der Immobilie schon ein paar Jahre zuvor beschäftigt hatte. Da man für einen Großauftrag mehr Platz brauchte, wurde die alte Produktionshalle, in der einst die Zigarren gerollt wurden, im November innerhalb von vier Wochen in eine High-Tech-Produktionsstätte umgewandelt.

Bau der Halle ist ein Wunderwerk der Technik

„Anfangs hatten wir vor den vier Fenstern elektrische Heizkörper stehen, um die Halle warm zu bekommen, das hat uns für Dezember eine Stromrechnung von 3500 Euro eingebracht“, berichtet Geschäftsführer Steffen Seibert. Bei der Renovierung des Raums legte Seibert Wert darauf, ihn weitestmöglich zu erhalten. Alle Installationstechniken wurden auf Putz montiert. Überhaupt war der Bau der Halle, die ohne Stützbalken auskommt, ein Wunderwerk der Fachwerkbau-Technik. Dort wurde die Zimmermannskonstruktion „Sprengwerk“ angewendet, die nur noch sehr selten Verwendung findet.

2011 wurden der Keller und das Erdgeschoss nutzbar gemacht, in einem Vier-Jahres-Plan sollen die restlichen Stockwerke umgebaut werden. Und Arbeit hat die Familie Seibert mit der Immobilie genug. Zwar ist das Gebäude inzwischen entkernt, aber es gibt noch viel zu tun.

„Das ist bestimmt auch für die Leute interessant, die selbst vor so einer Aufgabe stehen. Wir wollen zeigen, was alles möglich, aber auch nötig ist. Denn viele Liebhaber hatte dieses Gebäude offenbar noch nicht.“ Das Gebäude wurde für die Besucher in vier Stationen aufgeteilt. Erster Halt war der Keller, in dem im Pellet-Bunker – ein explosionsgefährdeter Bereich, in dem Staubexplosionen stattfinden können – eine von Samcon konstruierte Kamera inklusive Licht angebracht ist, mit der man den Bunker überwachen kann.

Die von Samcon produzierten Kameras sind explosionsgeschützt. Das heißt aber nicht, dass die Kameras vor Explosionen geschützt sind, sondern, dass diese Kameras überall dort eingebaut werden können, wo Explosionsgefahr besteht. Durch ihre Ummantelung können diese Kameras in gefährdeten Umgebungen keinen Funken auslösen, der zu einer Explosion führen könnte.

Die Heizanlage war auch das erste, was in dem Gebäude erneuert werden musste, um die 630 Quadratmeter zu heizen. Um zu dokumentieren, wie es in den einzelnen Räumen nach der Übernahme durch die Firma Samcon ausgesehen hat, brachte Seibert überall Fotos an, die den Zustand des Gebäudes dokumentierten.

Lücke in Haus-Chronik soll mit Leben gefüllt werden

„Ich bin der Meinung, dass so alte Gebäude nur in Nutzung erhalten bleiben“, erklärte Seibert. Kameras sind im und um das gesamte Gebäude angebracht und vernetzt. So kann Seibert auch von daheim überprüfen, wie viele Pellets im Pellet-Bunker zur Verfügung stehen oder ob sich jemand auf dem Gelände befindet. Im Show-Room (Station 2) präsentiert Samcon eigentlich seine Produkte mittels eines Messestandes und empfängt Geschäftspartner. Dort hatten die Besucher die Möglichkeit, einige Spielereien mit den Geräten auszuprobieren. In diesem Kopfbau hat damals der Zigarrenmeister gewohnt.

Station 3 war die Produktionshalle, auch Bastel-Stube genannt. Dort werden die Artikel gebaut, ihre Qualität geprüft und schließlich versandfertig gemacht.

Auf einer langen Werkbank hatte man den Arbeitsprozess einer „miniZoom“-Kamera aufgebaut.

Letzte und fast wichtigste Station war die der Geschichte, in der die Lücken der Haus-Chronik mit Leben gefüllt werden sollte. Seibert hatte jede Menge alter Bilder aus den Archiven gekramt und auch ein Dossier über die Gründer der Zigarrenfabrik gefunden. So wurde mit dem Bau der Fabrik im Jahre 1908 begonnen und 1924 war bereits der erste Anbau fällig. Zwischen 1936 und 1940 wurde der Saal für Partei-Veranstaltungen der NSDAP und der Hitler-Jugend genutzt. Auch Flüchtlinge und die Theatergruppe der Schule fanden in den Nachkriegsjahren dort eine zwischenzeitliche Heimat.

Nicht zu vergessen die vielen Zigarren, die ab 1960 maschinell gefertigt wurden. Das Ende ereilte die Zigarrenfabrik im Jahr 1970, ehe sich 1971 eine Strumpffabrik dort ansiedelte. Auf die Strumpffabrik (bis 1983) folgte eine Schreinerei, die auch jede Menge Ziegen beherbergte, und 1993 erwarb Dirk Ortmann das Gebäude und vermietete es. In der Folge wohnten dort ein Maler, eine Lederdesignerin, es wurde Met und Honig hergestellt und das Anwesen beherbergte eine Schlangen- und Rattenzucht sowie ein Tattoo-Studio.

von Daniela Pieth

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