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Hinterland Idee bleibt in Schublade des Schulamts
Landkreis Hinterland Idee bleibt in Schublade des Schulamts
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17:00 14.03.2018
Im August geht die Schulleiterin der Grundschule, Edith Jakobs, in den Ruhestand. Bis dahin muss eine Lösung gefunden werden, wie ihre Aufgaben verteilt werden, da die Leitungsfunktion mit ihrem Ausscheiden entfällt. Quelle: Silke Pfeifer-Sternke
Gladenbach

Die bereits vor zwei Jahren der Grundschule­ Gladenbach vorgestellte Idee der Eigenständigkeit ist wieder in der Schublade des Staatlichen Schulamtes in Marburg verschwunden. Dieser Gedanke wird nicht weiter verfolgt, bestätigte Heike Grosser, Leitende Schulamtsdirektorin und Dezernentin für die Gesamtschulen und Gymnasien im Landkreis Marburg-Biedenkopf, auf OP-Anfrage.

Die Grundschule, in der rund 280 Schüler unterrichtet werden, hat ab August das Problem, dass die Stelle der in den Ruhestand wechselnden Schulleiterin Edith Jakobs nicht nachbesetzt werden kann. Grund ist ein Erlass aus 2015, wonach die Verteilung der vier Leitungsstellen komplett auf die Sekundarstufe 1 entfallen, die Grundschule geht leer aus.

Einen Weg aus dem Dilemma böte nach Auffassung des Staatlichen Schulamtes die Eigenständigkeit der Grundschule. Dadurch würde die Grundschule zwei Leitungsstellen, ein zusätzliches Stundenkontingent für Organisatorisches und ein Budget erhalten. Bleibt ­alles beim Alten, also bleibt der Grundschulzweig Teil der Freiherr-vom-Stein-Schule, dann werden mit dem Weggang von Jakobs sehr wahrscheinlich ihre Aufgaben auf die vier Leitungsstellen des Gymnasiums, der Realschule, der Hauptschule und der Förderstufe entfallen oder einer der Grundschullehrer nimmt Jakobs Leitungsaufgaben wahr. Beide Möglichkeiten halten die Lehrkräfte der Grundschule für nicht adäquat. Sie fordern eine Grundschulleitung mit angemessener Besoldung.

Lehrer lehnen Vorschlag ab

Eine weitere Alternative bietet Grossers Weg der Grundschule.­ Ihre Idee der Eigenständigkeit stellte sie 2016 in Gladenbach vor, fand aber keine breite Zustimmung. Deshalb ist die Idee wieder vom Tisch. Das bestätigte auch Schulamtsleiter Arno Bernhardt. „Es gibt keine Planungen, die Schule umzugestalten.“

Während Grosser davon ausgeht, dass die Eigenständigkeit viele Vorteile bringt, sehen das die Betroffenen ganz anders. Vor allem im Alltag rechnen sie mit deutlichen Nachteilen. Unter anderem sei die Organisation des Ganztagsangebots nicht zu bewältigen, ebenso sehen sie die Gefahr, dass Förderkonzepte oder Europaprojekte nicht angemessen vorangebracht werden können. Probleme sehen die Betroffenen auch beim Vertretungsunterricht und ­darin, Angebote wie die aktive Turnhallenpause anzubieten und ­darin, die Bücherei zu betreiben. Um weiterhin Europaschule zu bleiben, müsste die Grundschule die geforderten Anforderungen erfüllen. Gelingt dies nicht, fallen Projekte weg, ebenso die Zuschüsse aus Europa-Fördertöpfen.

Grosser will keinen Druck ausüben

Für Grosser sind diese Argumente nicht maßgeblich. Die Zusammenarbeit zwischen der Grundschule und der Gesamtschule Gladenbach sei über Jahrzehnte gewachsen. Auch unter einer neuen Leitung sieht sie keinen Grund, warum die Grundschule nicht weiterhin mit der Gesamtschule kooperieren kann. Auch müsste die Grundschule nicht auf ihren Status „Europaschule“ verzichten und könne auch weiterhin Englisch ab der 1. Klasse anbieten.

Eine eigene Leitungsfunktion innerhalb der Grundschule könne die gute Qualität der Arbeit bewahren und neue Impulse geben, um etwas zu gestalten, sagt Grosser. Sie hält zwar an ihrer Idee fest, will sie aber nicht um jeden Preis umsetzen. Ihre Idee werde nur zu einer guten Sache, wenn die Betroffenen dahinterstehen. Sie werde deshalb keines Druck ausüben, sagt sie. Die Eigenständigkeit umzusetzen, fällt in das Aufgabengebiet des Staatlichen Schulamtes und des Schulträgers.

von Silke Pfeifer-Sternke