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Ehrung löst Freude und Beklemmung aus

Bundesverdienstorden Ehrung löst Freude und Beklemmung aus

Am Freitag ist für das Hartenroder Urgestein Hermann Bamberger ein großer Tag: Er bekommt im Landratsamt das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

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Hermann Bamberger aus Hartenrod erhält am Freitag für sein ehrenamtliches Wirken das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Quelle: Adrianna Michel

Hartenrod. „Ich betrachte mich als aktiven Menschen, der sich einbringen will und gestalten möchte. Ich möchte nie abseits stehen“, sagt Hermann Bamberger, der sich mehr als 40 Jahre lang an der Bad Endbacher Gemeindepolitik beteiligte.

Seit seinem 70. Geburtstag vor zwei Jahren hat sich Bamberger aus der Kommunalpolitik zurückgezogen. Die Politik bildete einen Schwerpunkt in seinem Leben. Bamberger war Mitglied in der Bad Endbacher Gemeindevertretung und im Ortsbeirat Hartenrod. Zudem war er mehrere Jahre Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses.

Das ehrenamtliche Engagement Hermann Bambergers in der Politik aber auch in zahlreichen Vereinen wird nun mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt.

Im Jahre 1946 begann die Schulzeit von Hermann Bamberger in Hartenrod. Er machte in Gießen sein Abitur, und studierte dann am pädagogischen Institut in Weilburg. Eigentlich wollte der Hartenroder Pfarrer werden, doch da das Studium zu lang dauerte, war es für seine Eltern nicht zu finanzieren. „Ich habe es nie bereut, Lehrer geworden zu sein. Mein Beruf hat mich vollkommen ausgefüllt“, sagt Bamberger, der seine Ehefrau Ellen im Jahr 1958 heiratete und mit ihr zwei Kinder hat.

Der heute 72-jährige wurde zunächst Lehrer in der Freiherr-vom-Stein-Schule in Gladenbach und war anschließend 23 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2001 Schulleiter der Mittelpunktschule „Oberes Perftal“.

„Ich übernehme gerne Verantwortung, deswegen bin ich schon sehr früh in die Politik gegangen“, stellt Hermann Bamberger, der täglich zwei Tageszeitungen liest und sämtliche Politik-Talkshows regelrecht „verschlingt“, fest.

Im Jahre 1958 trat er als 19-Jähriger in die SPD ein. Bereits während des Studiums war er Mitglied der Lehrergewerkschaft und später auch zehn Jahre lang stellvertretender Kreisvorsitzender. Sein Parteifreund Klaus Eckel hat ihn für die hohe Ehrenamts-Auszeichnung vorgeschlagen: „Ich habe über Hermann viel gelernt. Er hat in Wahlprogrammen immer die richtigen Worte gefunden. Seine Stärke ist seine Art Harmonie zu stiften und Konflikte zu vermeiden. Hermann hatte immer das Talent, bei aufkochenden Emotionen alle zu beruhigen.“

Von 1980 bis 1992 war Hermann Bamberger Mitglied im Vorstand der evangelischen Kirchengemeinde Hartenrod. Bis heute schreibt er Beiträge für den Gemeindebrief „Horizonte“. „Mit meinen Beiträgen gelte ich als Querdenker, denn ich kann zu allen Themen etwas schreiben“, sagt der Hartenroder, der aber nie biblisch eng, sondern offen mit einer kritischen Beleuchtung schreibt.

Der 72-Jährige war ferner an der Gründung des Fördervereins „Jeegels Hoob“ im Jahre 2003 maßgeblich beteiligt und ist seitdem dessen Vorsitzender. Im Zuge der 700-Jahr-Feier Hartenrods wirkte der Katzenliebhaber und Eintracht-Frankfurt-Fußballfan beim Erstellen des Festbuches mit.

Neben der Politik gilt sein Interesse auch der christlichen Religion. Daher studiert Hermann Bamberger mittlerweile im 20. Semester Theologie an der Philipps-Universität Marburg und hat damit die Regelstudienzeit längst überschritten. „Mich haben Fragen nach dem Sinn des Lebens und der Antwort der Religionen hierauf nie losgelassen“, sagt der Langzeitstudent.

Auch den Grund für seinen ehrenamtlichen Einsatz führt der Protestant auf seinen Glauben zurück: „Meine ehrenamtliche Tätigkeit entspringt religiös-christlichen Impulsen, denn jeder Mensch hat von Gott bestimmte Gaben bekommen, und ich sehe es als eine Verpflichtung an, diese Gaben für die Gemeinschaft sinnvoll einzusetzen.“

Über den Brief des Ministerpräsidenten zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes sei er freudig überrascht gewesen. „Neben der Überraschungsfreude habe ich aber auch ein beklemmendes Gefühl bekommen, weil ich nun so exponiert in Hartenrod herausgestellt werde. Ich sehe es daher mittlerweile so, dass ich diese Ehrung stellvertretend für viele andere, die sich auch ehrenamtlich engagieren, entgegennehme“, betont der 72-Jährige.

Auch in Zukunft will der Pensionär Aufgaben im Ort wahrnehmen. „Eine Schwäche von mir ist, dass ich schlecht „Nein“ sagen kann, aber ich könnte mir mein Leben auch nicht anders vorstellen“, betont Hermann Bamberger lächelnd.

von Adrianna Michel

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