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„Effizient ist es, zu vernetzen“

Energie „Effizient ist es, zu vernetzen“

66 Projekte, 20 Mitarbeiter und etliche Ehrenämter: Der Terminkalender von Hans-Jürgen Schneider ist eng bestückt. Doch für das Thema Energietechnik, hat der 68-jährige Unternehmer immer Zeit.

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Hans-Jürgen Schneider, Geschäftsführer der Elektroplan Schneider GmbH aus Stadtallendorf, sieht in der Elektrotechnik die Chance für ein gutes Gelingen der Energiewende.

Quelle: Katharina Kaufmann

Stadtallendorf. 100 Milliarden Kilowattstunden Strom könnten in Deutschland jährlich eingespart werden, 70 Milliarden davon allein durch energieeffiziente Produkte und Systemlösungen bei Antrieben, Beleuchtung, Kühl- und Gefriergeräten. Das entspricht fast der Hälfte des Stromverbrauchs aller privaten Haushalte. „Jede Kilowattstunde, die nicht verbraucht wird, muss auch nicht produziert werden und erzeugt keine Umweltbelastung“, sagt Hans-Jürgen Schneider. Schließlich sei die beste Energie diejenige, die gar nicht erst verbraucht werde. Der 68-Jährige ist Geschäftsführer der Elektroplan Schneider GmbH aus Stadtallendorf und zudem unter anderem Vorsitzender des Arbeitskreises Elektroplaner im Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI).

40 Prozent der in Deutschland verbrauchten Energie entfallen nach Angaben des ZVEI auf Gebäude. In den zwölf Millionen Ein- und Zweifamilienhäusern steckt demnach ein Energieeinsparpotenzial, mit dem sich der Gesamtenergieverbrauch in der Bundesrepublik um ganze 20 Prozent verringern lassen könnte. „Effizient ist es, die Elektrotechnik zu vernetzen und damit Strom, sprich Energie, zu sparen“, sagt Schneider und erklärt anschließend, was er damit meint: „Energie erzeugt Wärme. Wenn ich also in einem Bürogebäude die Räume nach Arbeitsstättenrichtlinien beleuchte, muss auch gleichzeitig gekühlt werden, damit die vorgeschriebenen Temperaturen in den Büros nicht überschritten werden. Ich verbrauche also doppelt Energie. Also vernetze ich beides und regele die Beleuchtung noch automatisch nach Tageslichteinfall und nach Anwesenheit der Mitarbeiter in den Räumen“, berichtet der Elektroplaner. „Und kühlen brauche ich nur, wenn eine bestimmte Temperatur überschritten wird“, ergänzt er. So entstünden praktisch intelligente Gebäude. „Und die sparen automatisch Energie.“

Überhaupt steckt laut Schneider in der Beleuchtung ein großes Energieeinsparpotenzial. Allein durch den Einsatz moderner Technologien bei Straßen-, Büro-, Industrie- und privater Beleuchtung ließe sich laut ZVEI jährlich in Deutschland 21 Milliarden Kilowattstunden Strom sparen - der gesamten Stromproduktion von sieben Kraftwerksblöcken der 400-Megawatt-Klasse.

Schneiders Unternehmen, die Elektroplan Schneider GmbH, rüstet derzeit in Berlin im Auftrag des Senats in einem Bereich im Bezirk Kreuzberg alte Gaslaternen auf LED-Technik um. „Die Ansicht der Leuchte bleibt dabei gleich, sie wird aber nicht mehr mit Gas sondern elektrisch betrieben. Von außen sieht man keinen Unterschied“, erläutert er. Und genau dort liege die Zukunft der Energie- und Elektrotechnik. „Die Branche befindet sich gerade im Umbruch“, berichtet der Stadtallendorfer Unternehmer. Machte die Elektrotechnik vor 20 Jahren noch Licht, Strom, Steckdose, Telefon und vielleicht eine Gegensprechanlage aus, umfasst der Bereich heute sowohl die Elektroenergie und die Beleuchtung, als auch die Sicherheits- und Nachrichtentechnik, den Blitzschutz, Aufzüge und Rolltreppen sowie die Gebäudeautomation und die technische Ausstattung.

Und weil das so ist, lässt Schneider seine 20 Mitarbeiter, die momentan mit 66 Projekten in ganz Deutschland betraut sind, derzeit häufig alleine beziehungsweise unter der Regie seines Sohnes Stefan und ist missionarisch unterwegs, hält Vorträge und klärt über Elektroplanung auf und warum diese unbedingt sein muss. Unter anderem war er für den ZVEI auf der Weltleitmesse für Licht und Gebäudetechnik „Light + Building“ in Frankfurt, hat dort in einem Forum das Fachpublikum informiert und wird bei der Funkausstellung in Berlin Ende August zu Gast sein. Dort spricht er zu den interessierten Besuchern und klärt über die Energie und die Vernetzung der Elektroanlagen auf.

Warum aber ist Elektroplanung denn jetzt eigentlich wichtig, Herr Schneider? „Weil nur nach einer guten und vollständigen Elektroplanung eine optimale Ausführung der Anlagen erfolgen kann, weil so die Herstellungskosten für die Elektroanlagen vor der Errichtung und den Abrechnungen optimiert werden können und weil nach einer guten Elektroplanung die Bestandsunterlagen, die für den späteren Betrieb, die Instandhaltung und eventuelle Erweiterungen wichtig sind, vollständig vorhanden sind“, antwortet der Elektroplaner und ergänzt: „Die Energieeffizienz, die dadurch erreicht werden kann, darf man natürlich auch nicht außer acht lassen.“ Gerade jetzt wo Klimawandel und Energiewende in aller Munde seien. „Schließlich kann nach einer guten Planung über die Betriebskosten der Elektroanlagen

viel bares Geld gespart werden“, hebt Schneider hervor.

Auch mit dem Thema Elektromobilität setzt sich der Stadtallendorfer detailliert auseinander - sowohl im Arbeitskreis Elektromobilität des ZVEI als auch im eigenen Betrieb: „Das Thema wird immer aktueller, denn der Ausstoß von Kohlendioxid kann nur durch das Fahren von Elektroautos bekämpft werden“, betont er. Das von der Bundesregierung gesetzte Ziel sei aber nur zu erreichen, „wenn wir die Elektroenergie vernetzen“, so der Elektroplaner. Denn was bringe das tollste E-Auto, wenn man es nicht einfach und unkompliziert aufladen könne.

Damit die Elektro-Branche, der Schneider für die Zukunft eine große Bedeutung und Wichtigkeit voraussagt, nicht daran scheitert, dass es an Fachkräften mangelt, hat der engagierte Stadtallendorfer auch dort Abhilfe geschaffen und als Sachverständiger des Bundes zur Neuordnung des Berufes den Technischen Systemplaner Fachrichtung Elektrotechnik entwickelt. „Das ist ein modernes und zukunftsfähiges Berufsbild, das immer mehr an Bedeutung gewinnen wird“, ist sich der Unternehmer sicher. So wie die Elektrotechnik insgesamt eben auch.

von Katharina Kaufmann

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