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Eingeschlossen von Baustellen

Edeka-Markt Eingeschlossen von Baustellen

Kunden können den kleinen Edeka-Markt in der Marburger Straße derzeit nur zu Fuß erreichen – und das auch nur schwer. Denn der Markt ist von Baustellen „umzingelt“.

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Erna Rein und ihre Tochter Anja Gethings stehen vor ihrem Edeka-Supermarkt in der Marburger Straße – Kunden können ihn nur mühsam zu Fuß erreichen.

Quelle: Andreas Schmidt

Cappel. „Dass es die Baustelle gibt, war uns ja klar“, sagt ­Anja Gethings. Sie führt den Supermarkt bereits in vierter Generation, ihre Mutter Erna Rein sitzt mit ihren 88 Jahren immer noch täglich an der Kasse. Was die Ladenbesitzerin jedoch stört, ist, dass die Stadt sich nicht an Absprachen gehalten hat. Denn: „Man hat uns versprochen, dass die Baustelle erst dann vor unserem Geschäft angefangen wird, wenn die Straße ,Zur Aue‘ wieder offen ist“, sagt Gethings. Das sei nicht der Fall – was dazu 
führe, dass Kunden und auch Lieferanten den Supermarkt nur zu Fuß und sehr beschwerlich erreichen können.

Dabei ist für die Inhaberin klar: „Wir sind von Kunden mit Autos abhängig. Von denen, die nur mal kurz anhalten, um ­eine Kleinigkeit wie Zeitung oder ­Zigaretten zu holen, genauso wie von denen, die ihre großen Einkäufe nicht weit zum Auto tragen wollen oder können.“ Gerade ältere Kunden aus dem Quartier habe sie, „die können nicht hunderte Meter weit laufen oder mit dem Rollator durch die Baustelle kommen“, verdeutlicht Gethings. Zwar ­biete sie an zwei Tagen in der Woche einen Bringdienst an. „Aber einige Kunden sagen auch, dass sie die Ware schon gerne vorher anschauen wollen.“ Zudem bekämen die Kunden im Laden auch Anregungen, was sie noch kaufen könnten.

Gebaut wird in der Marburger Straße schon seit gut einem Jahr. Bisher habe der kleine Markt die Baustelle auch gut verkraftet, „bis September ging es, da haben wir unseren Umsatz halten können“, sagt Anja Gethings. Doch dann kam die Baustelle 
direkt vor’s Geschäft und die Umsätze gingen zurück. „Sofort gab es eine Tendenz nach unten, ich hoffe, dass es sich im Rahmen hält“, so Gethings, „aber das ist wohl ein frommer Wunsch.“ So hätten ihr auch ­andere Geschäftsleute von heftigen Einbußen berichtet – teils bis 50 Prozent. „Das wäre für uns fatal.“

Parole lautet „durchhalten bis kommenden April“

Der Vorteil von der Apotheke oder der Bäckerei wäre, dass sie noch andere Filialen hätten, mit denen der Verlust zumindest ein Stück weit abgemildert werden könnte. „Aber wir haben – ­genauso wie der Optiker – sonst nichts.“ Auch die Beschilderung direkt vor dem Kreisel an der Umgehungsstraße kritisiert die Geschäftsfrau: Dort stehe, dass alle Geschäfte wie gewohnt erreichbar seien, „das stimmt jedoch nicht, wie man hier sieht“.

Unterkriegen lassen will sie sich von den Gegebenheiten jedoch nicht. Vorteilhaft sei, dass es sich um einen Familienbetrieb handele – Mutter Erna sitzt an der Kasse, das Ausfahren der Ware übernimmt ihr Sohn, „der sich so das Taschengeld aufbessert“. Und ansonsten will sie die Kunden mit Sonder­angeboten in den Laden ziehen, „ich habe dem Großhandel schon gesagt, dass er uns schnell informieren soll, wenn es etwas Besonderes gibt“, sagt Anja ­Gethings. Denn sonst seien die großen Märkte schneller, die sich eindeckten, „dann wäre für uns nichts mehr da“. Auch die Werbung wolle sie intensivieren. „Es ist schon gut, dass die Studenten wieder in der Stadt sind – 
das hilft uns auch“, sagt sie. Ansonsten laute die Parole „durchhalten“ – denn bis April wird die Baustelle noch bleiben.

Stadt: Problemen für Lieferverkehr behoben

Die Stadt teilt zu den Vorwürfen mit, dass es seit Baubeginn regelmäßige Gesprächsrunden zwischen Stadt, Stadtwerken, Ortsbeirat, Stadtmarketing und ansässigen Geschäftsleuten gebe. In der jüngsten Sitzung mit den Gewerbetreibenden am 26. September seien die anwesenden Gewerbetreibenden darüber informiert worden, dass die Straße „Zur Aue“ aus Gründen „des Baufortschritts und im Interesse der Sicherheit der Bauarbeiter an der Einmündung zur Marburger Straße derzeit noch nicht geöffnet werden kann“.

Zugleich fänden in Höhe des Edeka-Markts Arbeiten am Kanal­netz statt. „Durch diese Überschneidung kam es zwischenzeitlich zu Problemen für den Lieferverkehr des Edeka-Marktes, die mittlerweile und in Absprache mit der Gewerbetreibenden wieder behoben sind“, teilt die Stadt mit.

Stadt und Stadtwerke würden anstreben, dass alle Grundstücke und Geschäfte während der gesamten Bauphase auch mit dem Fahrzeug jederzeit erreichbar blieben.
„Ausnahmen kann es allerdings während der Zeiten geben, in denen direkt vor einem Grundstück Bauarbeiten vorgenommen werden.“ Zu Fuß blieben die Geschäfte jedoch ­jederzeit erreichbar. Zudem ­seien in der Nähe der Baustelle zusätzliche Kurzzeitparkplätze eingerichtet worden.

von Andreas Schmidt

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