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Drogenhandel: Gefängnisstrafe für Jugendlichen

Amtsgericht Marburg Drogenhandel: Gefängnisstrafe für Jugendlichen

Weil er große Mengen Cannabis gewinnbringend weiterverkaufte, musste sich ein Jugendlicher vor dem Marburger Amtsgericht verantworten.

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Der Hinterländer konsumierte seit seinem 15. Lebensjahr Haschisch. Archivfoto

Marburg. Dem Angeklagten, einem 20-Jährigen aus dem Hinterland, warf die Staatsanwaltschaft am Dienstag vor dem Amtsgericht Marburg vor, im Zeitraum von Oktober 2009 bis März 2010 in fünf Fällen mit Betäubungsmitteln gewinnbringenden Handel betrieben zu haben.

In zwei von den fünf Fällen handelte es sich dabei um Mengen von 500 und 1.000 Gramm Cannabis-Gemisch, was vor Gericht als größere Menge deklariert wird. Der Handel mit einer größeren Menge Cannabis wird vom deutschen Strafrecht, wie es für Erwachsene gilt, mit einer Haftstrafe von mindestens einem Jahr bestraft. Das Jugendstrafrecht hingegen, nach dem an diesem Vormittag geurteilt wurde, sieht kein klar definiertes Strafmaß vor. Es ist allein dem Richter überlassen, die Höhe der Strafe entsprechend der Schwere des jeweiligen Einzelfalles zu bestimmen. Bei dieser Verhandlung ging es um einen volljährigen Angeklagten. Es gibt jedoch abgesehen vom Alter noch andere Faktoren, die den Richter dazu bewegen können, vom Erwachsenenstrafrecht abzusehen. In diesem Fall war es der langjährige regelmäßige Cannabiskonsum des Angeklagten, der seine persönliche Entwicklung gestört hat.

Ein Sozialarbeiter erklärte, der 20-Jährige rauche die Droge schon seit seinem 15. Lebensjahr. Der Angeklagte, der die ihm vorgeworfenen Straftaten ohne Umschweife zugab, stand jedoch nicht zum ersten Mal vor Gericht. Schon im Februar musste er sich vor dem Amtsgericht Biedenkopf wegen Rauschgifthandels in 60 Fällen verantworten. Nach dem Schuldspruch legte ihm der Richter verschiedene Auflagen auf, die der Verurteilte aber nie erfüllte. Weder hat er eine klinische Entgiftung seines Körpers angestrebt, noch eine Therapie begonnen. Auch hat er die 2 Wochen Sozialarbeit noch nicht geleistet, wie er es hätte tun sollen. Dementsprechend war seine Ausgangsposition bei Gericht ungünstig, selbst sein Verteidiger räumte ein, dass er sich wenig Aussicht auf Besserung seines Klienten mache. „Da macht er nicht die Therapie, sondern handelt mit Rauschgift“, lautet die Erkenntnis des sichtlich erschütterten Staatsanwalts in seinem Plädoyer.

Richter Thomas Rohner verhängte in seinem Schuldspruch eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und 3 Monaten ohne Bewährung. Da das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, kann der Angeklagte dagegen vorgehen. Das mache nach Einschätzung der Juristen allerdings nur Sinn, wenn er sich, als Zeichen seines guten Willens endlich einer Therapie unterziehe.

von Philipp-E. Rasch

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