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„Doppeltes Netz“ trotz Ärzteprotests

Praxisschließung „Doppeltes Netz“ trotz Ärzteprotests

Die niedergelassenen Ärzte haben sich bundesweit mehrheitlich für Streiks noch im September ausgesprochen. Anders sieht die Lage im Landkreis aus.

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Quelle: Archivfoto: Patrick Pleul

Marburg. Trotz des drohenden Ärztestreiks im September müssen Kranke und Schmerzpatienten nicht um ihre Versorgung bangen. Das zumindest versichern Vertreter von Ärzteverbänden und auch Mediziner aus dem Landkreis. „Offen ist auch noch, wie viele Ärzte sich überhaupt an den Arbeitsniederlegungen beteiligen und in welchem Umfang“, sagte Karl Matthias Roth. Der Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung in Hessen verweist darauf, dass eine Allianz der Ärzteverbände eine lückenlose Versorgung organisieren wird. „Es wird ein doppeltes Netz geben, damit die Patienten nicht unversorgt bleiben“, sagte Roth. Sicherstellen soll dies ein ärztlicher Bereitschaftsdienst wie es ihn auch nach regulären Praxisschließzeiten gibt. Einzige Auswirkung auf Betroffene: Kranke und Schmerzpatienten müssen sich auf längere Wartezeiten einstellen. Zudem wird es zu Terminverschiebungen kommen.

Wie viele Ärzte aus dem Landkreis beteiligen sich?

Möglicherweise werden sich im Landkreis Marburg-Biedenkopf ohnehin weniger Praxen an den zeitweisen Schließungen beteiligen, als dies hessen- oder bundesweit der Fall sein wird. 66 Prozent der 249 Ärzte, die in der Genossenschaft Prima („Prävention in Marburg“) zusammengeschlossen sind und sich bei einer internen Umfrage beteiligt haben, sprachen sich gegen eine Arbeitsniederlegung aus.

Bundesweit hatten sich in der Urabstimmung 75 Prozent der niedergelassenen Ärzte für einen Streik ausgesprochen. In Hessen stimmten bei einer Umfrage der rund 2.200 Mitglieder starken Medizinervereinigung Hessenmed etwa 60 Prozent für eine Arbeitsniederlegung. „Vielleicht liegt das an der höheren Zufriedenheit hier im Kreis“, sagte Dr. Hartmut Hesse. „Wir können hier gut miteinander arbeiten und haben angenehme Patienten.“

Konsequenzen über eine Streikbeteiligung will der Prima-Vorsitzende daraus aber nicht ableiten. „Wir werden uns in den nächsten Tagen besprechen und vielleicht eine Empfehlung über eine Beteiligung geben. Einen Notdienst würden wir in jedem Fall aufbauen, damit die medizinische Versorgung aufrechterhalten bleibt. Alles andere ist dann dem einzelnen Mediziner überlassen.“

Trotzdem unterstützen auch die Ärzte aus dem Landkreis die Forderungen nach einer höheren Honorierung ihrer Arbeit. „Es geistert immer diese Zahl von 165.000 Euro durch die Medien, die ein Mediziner durchschnittlich verdienen soll“, kritisiert Hesse. Das klinge auf den ersten Blick viel, sei aber auch nicht richtig. „Davon bleiben aber nur 60 bis 70 Prozent übrig und auch nicht jeder Mediziner bekommt das gleiche.“ Ärzte verdienten in Deutschland „nicht schlecht. Aber wir tragen auch ein hohes Maß an Verantwortung.“

Patienten rät Hesse, sich weiterhin über die Medien über den Ärztestreik und dessen Auswirkungen zu informieren: „Manchmal ändern sich die Dinge sehr schnell.“ Vielleicht schon am Samstag, wenn die Vertreter der niedergelassenen Mediziner und der gesetzlichen Krankenkassen in die nächste Verhandlungsrunde gehen.

von Andreas Arlt

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