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Doch kein Komplott, sondern eine Körperverletzung

Amtsgericht Doch kein Komplott, sondern eine Körperverletzung

Wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte das Biedenkopfer Amtsgericht einen 39-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten auf Bewährung und der Zahlung eines Schmerzensgeldes von 400 Euro.

Biedenkopf. Spannend gestaltete sich eine Gerichtsverhandlung vor dem Amtsgericht Biedenkopf, bei der am Dienstag auch aufgrund der widersprüchlichen Aussagen des Angeklagten und der Zeugen der Verdacht eines Komplotts aufkam. Amtsanwalt Peter Heinisch, warf einem 39-Jährigen vor, dass dieser am 28. Januar gegen 5 Uhr in einer Gladenbacher Gaststätte im alkoholisierten Zustand (1,25 Promille) einen 36-Jährigen zu Boden stieß und mit Tritten gegen Brust, Oberkörper und gegen den Kopf malträtierte, sodass dieser Prellungen und ein Schädel-Hirn-Trauma davontrug. Das alles, weil der Mann seine Ex-Freundin beleidigt hatte.

Auf Befragen von Richter Schulte gab der Angeklagte zu, in der besagten Gaststätte gewesen zu sein. Er habe den 36-Jährigen, der seine damalige Freundin belästigt habe, von dieser wegziehen wollen und an den Schultern gepackt. Dieser sei dabei gestürzt. Gäste hätten ihn festgehalten. Ausschließen könne er nicht, dass er dabei den Mann berührt habe, absichtlich getreten habe er den mittlerweile Bewusstlosen nicht.

Wie er sich dies erklären könnte, wollte Richter Mirko Schulte wissen. Der Angeklagte gab an, dass sich das Ganze vor der Theke abgespielt habe und der 36-Jährige vielleicht mit dem Kopf gegen einen Tisch gestoßen sei. Schulte hielt dem Angeklagten vor, dass gegen ihn nur belastende Zeugenaussagen vorlägen und stellte die Frage: „Ist das vielleicht ein Komplott?“ Der Angeklagte schloss dies nicht aus.

In der mehr als dreistündigen Verhandlung belasteten sowohl die 35-jährige Ex-Freundin als auch eine 34-jährige Bekannte den Angeklagten.

Ex-Freundin belastet den Angeklagten

Beide berichteten ausführlich von den Ereignissen, den Belästigungen durch den stark angetrunkenen 36-Jährigen und davon, dass dieser bewusstlos auf dem Boden gelegen und der Angeklagte auf diesen eingetreten habe. Beide Zeugen demonstrierten dieses Geschehen vor Gericht, widersprachen sich jedoch darin, ob der Geschädigte auf die linke oder auf die rechte Gesichtshälfte gefallen sei.

Die 35-jährige Ex-Freundin berichtete von einem ständigen Auf und Ab in der Beziehung und auch davon, dass der Angeklagte wenige Stunden nach dem Vorfall bei einem Gespräch geweint und Angst vor einer Anzeige geäußert habe.

Gegenüber Heinisch gab die Ex-Freundin an, dass die Tritte mit Wucht ausgeführt wurden und auf dem Gesichtsausdruck ihres Freundes die pure Wut zu sehen war. „Ich habe nicht bewusst zugetreten“, beteuerte der Angeklagte. „Du hast zugetreten, das habe ich mit eigenen Augen gesehen“, erwiderte die 34-Jährige und berichtete, dass sich die beiden Zeuginnen nach dem Vorfall zerstritten hätten. Der Geschädigte gab an, dass er alkoholisiert gewesen sei, kein Erinnerungsvermögen an diesen Vorfall habe, sondern erst daran, dass er im Krankenwagen aufwachte.

Nach einer Verhandlungsunterbrechung räumte der Verteidiger ein, dass es zu den Tritten durch seinen Mandanten und in deren Folge zu einem Verdrängungseffekt gekommen sei. Sein Mandant habe die Kontrolle über sich verloren, wolle jedoch die Schuld nicht von sich schieben und werde eine Strafe in Kauf nehmen. Der Angeklagte entschuldigte sich beim Geschädigten und stimmte einem Schmerzensgeld von 400 Euro zu.

Heinisch sah die Anschuldigungen aufgrund der Zeugenaussagen als erwiesen an. Beide Kontrahenten hätten Glück gehabt. Heinisch wies auf die Gefährlichkeit solcher Tritte am Kopf hin. Heinisch beantragte eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten, zur Bewährung ausgesetzt auf zwei Jahre und ein Schmerzengeld von 400 Euro.

Richter Schulte verurteilte den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten mit zweijähriger Bewährungszeit und der Zahlung eines Schmerzensgeldes von 400 Euro.

von Helga Peter

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