Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
„Ich will wissen, was ich selber esse“

Direktvermarkter: ­Edmund Weber „Ich will wissen, was ich selber esse“

70 Rinder der Rasse Deutsch Angus verbringen den Sommer auf den ­Wiesen rund um Eckels­hausen. Direktvermarkter ­Edmund Weber setzt auf ­eine naturnahe Haltungsform seiner Tiere.

Voriger Artikel
„Verfahren geht für Sie eventuell nach hinten los“
Nächster Artikel
Azubis geben Einblick in ihre Berufe

Rund 70 Rinder der Rasse Deutsch Angus halten Landwirt Edmund Weber und Sohn Christopher in Eckelshausen.

Quelle: Ina Tannert

Eckelshausen. Über hubbelige Waldwege geht die Fahrt im Geländewagen. Raus in die blühende Natur, an Feldern und Pferdekoppeln vorbei, bis zu einer großen Weide. Kaum klappt die Autotür, kommt Bewegung in die kleine Rinderherde. Die Tiere kennen den Wagen von Hofchef und seine Stimme. „Kommt, kommt“, ruft Edmund Weber. Zutraulich trabt die Gruppe vorwärts. Es ist nur ein Teil der gesamten Herde. Die besteht aus Dutzenden Mutterkühen der Rasse Deutsch Angus mit ihren Kälbern sowie zwei Zuchtbullen.

„Im Sommer lebt die ganze­ Mannschaft auf der Weide,­ nur von Dezember bis April sind ­alle im Winterstall“, berichtet Weber. Seit Jahrzehnten hält er Rinder im Nebenerwerb, betreibt in Eckelshausen einen Zuchtbetrieb und Bio-Direktvermarktung von Deutsch-­Angus-Fleisch.

Kaum nimmt Weber ein paar trockene Brotstücke in die Hand, drängeln die Kühe vorwärts. „Wenn eine anfängt, machen alle anderen mit“, erzählt Weber mit einem Grinsen. In das Leben mit Rindern ist der heute 66-Jährige hineingeboren. Im Jahr 1991 übernahm er den seit Generationen von der Familie geführten Hof von seinen Eltern und kaufte seine ersten Rinder. Von der Rasse Deutsch Angus ist er überzeugt: „Es ist einfach das Beste, ein aromatisches Fleisch und sehr feinfaserig“, schwärmt der Rentner. Von Anfang an stellte er seinen Betrieb komplett auf biologische, extensive Mutterkuhhaltung um, vergrößerte Hof und Bestand. „Mit sechs Mutterkühen habe ich ­angefangen und diese Entscheidung nie bereut“, erinnert er sich. Sein Sohn Christopher ­
Weber übernahm schließlich den Betrieb, in dem durchschnittlich 70 Tiere leben.

Neugierig beäugt das Dutzend die Besucher, folgt jeder Bewegung. Ein paar Kälber warten­ im Hintergrund, die meisten ­Kühe sind sichtbar trächtig. Bulle­ „Paul“ hat ganze Arbeit ­geleistet. Im Gegensatz zur konventionellen Haltung, werden die Kälber bei Webers nicht von den Müttern getrennt. Sie kennen keinen Milchersatz und saugen nur die für sie bestimmte Milch von den Müttern. Als Jungrinder, mit etwa einem Jahr, werden sie geschlachtet, pro Jahr maximal zehn Tiere.

Weber baut Futter für 
seine Rinder selber an

Das Fleisch verkauft Weber „im kleinen Stil“, wie er sagt, je nach Anfrage, an eine feste Kundschaft. Der Bedarf sei groß genug, werben oder über einen­ 
 Laden verkaufen müsse er nicht. „Die Leute wollen heutzutage wissen, wo ihr Fleisch herkommt. Die natürliche Haltungsform wird immer mehr akzeptiert – es gibt ein Umdenken, zumindest im Kleinen“, freut sich der Landwirt. Jene Tiere, die nicht geschlachtet werden, verkauft Weber als Zuchtrinder.

Er ist überzeugt von der natürlichen Haltungsform. Mit Erkrankungen oder Parasitenbefall hat er bei seinen Tieren keine Probleme. Er setzt auf Bio-Qualität und führt das Bio-Siegel der EU. Einerseits aus Überzeugung, andererseits, weil er ausreichend Flächen zur Verfügung hat, nicht einmal viel zu düngen braucht. „Es muss nicht immer mehr sein, ich habe Flächen genug“, sagt er. Auf rund 60 Hektar Wiesen und 55 Hektar Grünland, plus einige Hektar Ackerfläche, baut er das Futter für seine Rinder komplett selber an. Weizen, Gerste und Hafer. „Ich bin ganz autark“, sagt Weber. Zufütterung von Zusatzstoffen, Hormonen, Tiermehl oder Hochleistungsfutter lehnt der Landwirt ab.

Stall dient im Sommer der Hähnchenmast

Eine naturnahe Haltungsform liegt ihm am Herzen. Daher gründete er den Verein der Mutterkuhhalter Marburg-Biedenkopf, ist bis heute im Vorstand. Die rund 100 Mitglieder haben sich bestimmten Erzeugungsrichtlinien und Haltungsformen verschrieben, wie sie auch Weber umsetzt: Die Haltung der Tiere müsse artgerecht sein, von Frühjahr bis Herbst leben die Kühe in Weidehaltung. Die Kälber werden die volle Laktionsphase lang von den Müttern gesäugt. Stress und Leiden seien bei Transport und Schlachtung zu vermeiden. Lange Wege lehnt Weber Senior ab und lässt direkt in einer Metzgerei im benachbarten Kombach schlachten.

Wenn die Rinder den Sommer über auf der Weide stehen, nutzt sein Sohn den leeren Winterstall für die Aufzucht von Masthähnchen. „Das läuft richtig gut, die Leute fragen immer mehr nach den Hühnern“, erzählt Christopher Weber. Zudem hält die ­Familie einige Schweine in ­einer Stallecke für den Eigenverbrauch. Der Grund ist derselbe wie bei der naturnah gehaltenen Rinderherde: „Ich will einfach wissen, was ich selber esse“, erklärt der Seniorchef.

von Ina Tannert

 Betriebsdaten

Name: Deutsch Angus, Hof Edmund Weber

Gründungsjahr: 1991 von Familie übernommen

Fläche und Anbau: 60 Hektar Wiesen, 55 Hektar Grünland, 5 Hektar Ackerland

Tierhaltung: 70 Angus ­
Rinder in Mutterkuhhaltung. Masthähnchen im Sommer

Mitarbeiter: Vater Edmund Weber und Sohn Christopher Weber, eine Hilfskraft

Vermarktung: Verkauf ab 30 Kilogramm Rindfleisch an Privatkunden

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr