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Diebstahlverdacht führt zu Kündigung

Arbeitsgericht Diebstahlverdacht führt zu Kündigung

Erneut hat der Diebstahl von Betriebseigentum durch Mitarbeiter der Stadtallendorfer Eisengießerei Winter zum Verlust des Arbeitsplatzes geführt.

Gießen. Vor dem Gießener Arbeitsgericht einigten sich der gekündigte Mitarbeiter und der Personalleiter der Eisengießerei Winter Andreas Fiedler auf eine krankheitsbedingte Kündigung.

Der 54-jährige Gießereiarbeiter, der seit 1995 im Werk beschäftigt ist, war im Juli vergangenen Jahres mehrfach vom Werkschutz und dem Tankwart der Mitarbeitertankstelle beobachtet worden. Er hatte jeweils in der Pause der Spätschicht gegen 16 Uhr das Werk durch ein Drehkreuz zum Mitarbeiterparkplatz verlassen und eine augenscheinlich schwere Umhängetasche bei sich. Bei der Rückkehr war die Tasche leer, berichteten drei Zeugen.

Schließlich habe ein Mitarbeiter des Werkschutzes sich „auf die Lauer“ gelegt und sei dem Mann zu seinem Fahrzeug gefolgt. Dort habe dieser die Tasche in den Kofferraum geleert, wobei es „metallisch klapperte“. Als der Werkschutz-Mann den Mitarbeiter ansprach und in den Kofferraum sehen wollte, sei dieser in sein Fahrzeug gestiegen und habe mitten in der Schicht das Werk verlassen. Am nächsten Tag gab der Mitarbeiter eine Krankmeldung ab.

Gegen die darauf folgende fristlose sowie anschließende ordentliche Kündigung wegen des Verdachtes des Diebstahls klagte der 54-Jährige vor dem Arbeitsgericht. Er beteuerte zunächst seine Unschuld und gab an, den Werkschutz-Mitarbeiter gar nicht gesehen zu haben. Er habe die Firma verlassen, weil er sich unwohl gefühlt habe.

Arbeitsrichter Hans Gottlob Rühle betonte, die Firma Winter habe nach den Banden-Diebstählen mit Schäden in Millionenhöhe unmissverständlich klar gemacht, dass sie in Zukunft bei jedem Diebstahl kündigen werde. Dazu habe es Aushänge im Werk gegeben, der Betriebsrat habe in zwei Betriebsversammlungen darauf hingewiesen. „Es gibt aber anscheinend immer noch Mitarbeiter, die es für ihr Gewohnheitsrecht halten, etwas mitzunehmen“, sagte der Arbeitsrichter. Die Firma arbeite in diesem Zusammenhang sehr sorgfältig, bescheinigte Rühle dem Personalleiter. „Wenn gekündigt wird, hat die Sache Hand und Fuß.“

Die drei Zeugen mussten nicht mehr gehört werden, da der Kläger sich auf einen Vergleich einließ: Anstelle der fristlosen Kündigung bot Fiedler dem Mitarbeiter eine ordentliche Kündigung zum Jahresbeginn an. Das nahm der 54-Jährige an. Den Bruttolohn von 2475 Euro bekommt er nachgezahlt.

von Martina Koelschtzky

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