Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hinterland Die starke Frau neben 
dem Reformator
Landkreis Hinterland Die starke Frau neben 
dem Reformator
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:09 26.04.2017
Pfarrerin Christina Ronzheimer stellte die Biografie Katharina Luthers vor. Quelle: Helga Peter
Günterod

„Ich würde meine Frau nicht für Frankreich und Venedig dazu hergeben.“ Mit dieser Aussage des Reformators Martin Luther stieg die aus Günterod stammende Pfarrerin Christina Ronzheimer (Runzhausen) in ihren Vortrag ein. „Luther war ein bodenständiger Theologe, der uns viel geschenkt hat“, sagte die Referentin.

Sie stellte Katharina Luther als selbstständig und emanzipiert vor. In ihrem Klosterleben in Brehna habe Katharina von Bora, wie Luther damals noch hieß, ein hohes Maß an Bildung und Wissen erfahren. Ihr Schritt in die Freiheit im Jahr 1523 sei sehr wagemutig gewesen, sagte Ronzheimer. Zwölf Nonnen seien damals ohne Hab und Gut aus dem Kloster geflohen. Martin Luther habe sich für diese verantwortlich gefühlt.

Von Bora kam zunächst bei dem Maler und Grafiker Lucas Cranach unter. Mitten im Bauernkrieg, am 13. Juni 1525, heiratete Katharina schließlich Martin Luther.

Selbst Philipp Melanchthon – er gilt neben Martin Luther als der wichtigste deutsche Reformator – soll einmal gesagt haben, dass Luther das Opfer weiblicher Verführungskünste geworden sei. Luther selbst habe einmal gesagt: „Es sei doch schön, am anderen Morgen neben zwei Zöpfen aufzuwachen.“

Luther als Opfer weiblicher Verführungskünste

Katharina Luther sei zur „Geschäftsführerin eines mittelständischen Betriebes“ geworden, erklärte Ronzheimer. Denn neben ihrem Haushalt habe sie ein ansehnliches Internat mit Vollpension, Braurecht und ­Badehaus geführt.

Sechs Kinder hatte das Ehepaar: Johannes (1526-1575), Elisabeth (1527-1528), Magdalena (1529-1542), Martin (1531-1565), Paul (1533-1593) und Margarethe (1534-1570). „Die Luthers waren eine Promi-­Familie und den altgläubigen Priestern ein Dorn Auge“, sagte die Pfarrerin.

Katharina Luther habe stets versucht, ihr Leben zu meistern. Dennoch dürfe nicht vergessen werden: Sie war eine Frau im 16. Jahrhundert. Daran habe auch Luthers Testament nichts geändert, denn nach dessen Tod sei ein Vormund eingesetzt und das Testament als solches angefochten worden. Dennoch habe­ sie versucht, ihr Erbe für ihre Kinder zu vergrößern. Auf ihrer Flucht vor der Pest erlitt sie einen Unfall und starb an den Folgen im Alter von 53 Jahren am 20. Dezember 1552 in Torgau.

Katharina Luther sei eine starke, fromme und bodenständige Frau gewesen, die sich im Glauben und im Leben nicht von der Welt abgewandt habe. „Sie hat Glauben und Leben gut miteinander verbunden. Das macht sie so sympathisch für uns heute“, sagte Pfarrerin Ronzheimer.

von Helga Peter

Anzeige