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Die digitale Dorflinde strahlt

Förderprogramm des Landes Die digitale Dorflinde strahlt

Ein Startschuss der leisen Art fand gestern auf dem Biedenkopfer Marktplatz statt: Das Land Hessen gibt ab Freitag das ­Programm „Digitale Dorflinde“ frei. Das Pilotprojekt dazu läuft in der Hinterland-Stadt.

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Dorflinde goes digital. Die ehemaligen Dorfmittelpunkte der Kommunikation sollen im übertragenen Sinne in der virtuellen Welt weiterleben.

Quelle: Gianfranco Gain

Biedenkopf. Bürgermeiser Joachim Thiemig weiß, wem die Stadt die Auswahl als Standort für das Pilotprojekt „Digitale Dorflinde“ zu verdanken hat. Klaus Bernhardt Geschäftsführer der Breitband Marburg-Biedenkopf GmbH habe dafür gesorgt, dass die Hinterland-Stadt einmal in Hessen vorangeht.

Die Grundlage dafür sei schon vor Jahren gelegt worden, als sich 22 Kommunen und der Landkreis und später fünf Mittelhessische Kreise zusammenschlossen, um die mittlerweile zur Daseinsvorsorge gehörende Verbindung ins weltweite Datennetz zu annehmbaren Geschwindigkeiten auch auf dem Lande zu gewährleisten. Die Bemühungen gipfeln nun nach mehreren Zwischenstufen im Förderprogramm „Digitale Linde“, dessen Pilotphase gestern im Beisein von viel Prominenz aus Landes- und Kommunalpolitik auf dem Biedenkopfer Marktplatz startete.

Der Platz bietet sich geradezu an, erklärt Bernhardt, er sei nicht nur wegen der Linden repräsentativ, er biete gute Voraussetzungen für die Technologie, die unterm Dach des Hauses Markt 2 angebracht ist und symbolisiere zudem die Verbindung zwischen ländlicher Region und starkem Wirtschaftsraum.

Das Förderprogramm
Mit dem Förderprogramm „Digitale Dorflinde“ stellt die Landesregierung bis Ende 2019 zwei Millionen Euro zum Aufbau öffentlicher WLAN-Netze bereit. Unterstützt werden Kommunen bei der Einrichtung an öffentlichen Plätzen oder touristischen Anziehungspunkten mit 1.000 Euro pro Hotspot und maximal 10.000 Euro pro Kommune. Das Geld kommt aus der Landesinitiative „Land hat Zukunft – Heimat Hessen“. Zur technischen Umsetzung schloss der kommunale IT-Dienstleister ekom21 einen Vertrag mit dem Unternehmen IT-Innerebner GmbH, das die Hotspots betreiben wird. Förderanträge können ab Freitag bei der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) gestellt werden (hessen-wlan.de). 

„Man hätte keinen besseren Ort finden können“, meinte nicht nur Sozialdemokrat Thiemig, sondern auch der hessische Wirtschaftsminister Tarek­ Al-Wazir (Grüne). Im Hinterland träfen Zukunft und Tradition aufeinander. Die Region mit ihren „Hidden Champions“ sei eine der wirtschaftsstärksten Hessens und die Linden stünden für die früheren Treffpunkte der Kommunikation in den Dörfern.

„Der Dorfbrunnen hat seine Funktion verloren“, sagte Al-Wazir, spätestens seitdem jeder das Wasser im Haus habe. „Aber der Austausch zwischen Menschen ist immer noch das Wichtigste, was eine Gesellschaft hat.“ Der verlagere sich aber infolge der Digitalisierung zunehmend in den digitalen Raum. Das Programm soll dabei helfen, dass der ländliche Raum zum Leben attraktiv bleibt.

Neues Ziel für 2025: Ein Gigabit pro Sekunde

Landrätin Kirsten Fründt hob die Initiative des Kreises zum Ausbau der digitalen Infrastruktur hervor, ebenso die 2016 ­­begonnen Gedankenspiele zur WLAN-Abdeckung und lobte­ die über die Grenzen des Landkreises hinausgehende gute Teamarbeit. Gern nahm sie den Ball der ­geeigneten Region auf und warb dafür, dass „Giga-Projekt des Landes auch hier an den Start zu bringen“. Der Wirtschaftsminister hatte angesichts der ansteigenden Anforderungen an den Datenaustausch vom neuen Ziel der Landesregierung berichtet: Bis 2025 soll die Daten-Infrastruktur Bandbreiten von einem Gigabit pro Sekunde ermöglichen, vorzugsweise sollen Schulen in die Lage versetzt werden, diese zu nutzen.

Für das Digitale-Linde-Projekt erläuterte Walter Innerebner von der gleichnamigen Kommunikationsagentur in Innsbruck einige Details zu den Hotspots. Um den Datenschutz zu gewährleisten, bedient man sich eines Rechenzentrums in Nürnberg. Zum Schutz der jungen Nutzer, ist ein Jugendschutzfilter eingebaut. Und die Technik kann bei denkmalgeschützten Häusern unter den Dächern installiert werden.

von Gianfranco Fain

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