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Die Schuldenkrise erreicht den Landkreis

Unternehmen Die Schuldenkrise erreicht den Landkreis

Die europäische Schuldenkrise hat jetzt auch den Landkreis erreicht: Die Automobilzulieferer verzeichnen Auftragsrückgänge. Die Reaktion darauf: Kündigung von Leiharbeitnehmern und Vorbereitung von Kurzarbeit.

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Einsam läuft eine Bremsscheibe bei der Buderus Guss GmbH in Breidenbach vom Band. Die heimischen Automobilzulieferer verzeichnen Auftragsrückgänge.

Quelle: Katharina Kaufmann

Marburg. „Wir sind ganz klar von der schwächelnden Konjunktur betroffen“, sagt Michael Honndorf, Personalleiter bei der Elkamet Kunststofftechnik GmbH in Biedenkopf. Derzeit werde in enger Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat auf die Situation reagiert, eine eventuelle Kurzarbeit vorbereitet. „Unsere Mitarbeiter bauen aktuell ihre Zeitguthaben ab und nehmen Urlaubstage, so das geht“, ergänzt Honndorf. Die Geschäftsführung versuche möglichst frühzeitig die sich verschlechternde Auftragslage zu kompensieren.

Noch macht das Biedenkopfer Unternehmen, das Profile für Autoscheiben, für Lichttechnik und technische Anwendungen, Kunststoffe für Leuchtkörper und Behälter sowie Formteile für Fahrzeuge produziert, keine Kurzarbeit. „Das kann aber schon im nächsten Monat anders sein“, erläutert der Personalleiter. Betriebsbedingte Kündigungen seien definitiv nicht geplant. Elkamet beschäftigt an seinen vier Standorten rund 650 Mitarbeiter.

Nach einem außerordentlich guten ersten Halbjahr macht sich auch bei der Buderus Guss GmbH in Breidenbach, die auf Bremsscheiben für Pkw spezialisiert ist, ein Absatzrückgang bemerkbar. „Dieser liegt, je nach Kunde, derzeit bei fünf bis zehn Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten“, berichtet der Technische Leiter des Unternehmens, Manfred Künze. Aktuell sei die Auslastung noch immer gut. „Von dramatischen Einbrüchen können wir nicht sprechen“, betont die stellvertretende Geschäftsführerin Ute Abel. Um auf den Absatzrückgang zu reagieren wurde die Betriebsruhe allerdings um eine Woche verlängert und die Mitarbeiter dazu aufgefordert, ihre Arbeitszeitkonten herunterzufahren, sprich Überstunden abzubauen. „Kurzarbeit planen wir noch nicht“, so Künze weiter. Die Zahl der Leiharbeiter sei zwar etwas reduziert worden, dennoch würden neben den 712 festen Mitarbeitern weiterhin Zeitarbeitskräfte beschäftigt.

Selbiges berichtet auch Jörg Rumikewitz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Fritz Winter Eisengießerei GmbH & Co. KG in Stadtallendorf: „Ja, wir haben Leiharbeiter entlassen“, erklärt er auf Nachfrage der OP. Etwa 150 seien das an der Zahl gewesen. Noch einmal so viele werden neben den gut 3700 festen Mitarbeitern derzeit noch im Betrieb beschäftigt. „Es lässt sich schwer einschätzen, wie sich die Situation weiter entwickeln wird“, sagt Rumikewitz. Die Zeitarbeitnehmer seien vor allem dazu eingestellt worden, um Auftragsspitzen abzudecken. „Wir merken schon, dass sich die Nachfrage vonseiten unserer Kunden abgekühlt hat, aber wir wissen heute noch nicht, wie weit wir fallen werden“, betont er. Klar, würden schon verschiedene Überlegungen angestellt, über Kurzarbeit werde aktuell aber noch nicht nachgedacht. „Ausschließen kann ich das für die nächste Zeit aber nicht“, fügt er hinzu. Man müsse abwarten, was die Zukunft für das Unternehmen, das Gussteile für große Hersteller von Personenwagen, Nutzfahrzeugen, Motoren, Getrieben, Achsen, Hydraulik sowie Heizungstechnik entwickelt, herstellt und verkauft, bringt.

Bei der Johnson Controls GmbH & Co. KG Lahnwerk in Dautphetal wurden ebenfalls Leiharbeiter entlassen. „Wir haben kürzlich die Verträge von 19 Zeitarbeitern nicht verlängert“, berichtet Pressesprecher Oliver Herkert. Aktuell gebe es in Dautphetal keine Kurzarbeit, und es sei auch keine geplant.

Einen leichten Auftragsrückgang verzeichnet auch die Shapers Deutschland GmbH im Gladenbacher Ortsteil Erdhausen. „Unsere Auftragslage ist dennoch zufriedenstellend“, erklärt Geschäftsführer Uwe Kreuter. Die Auslastung liege noch bei 100 Prozent, die Aufträge reichten bis in das Frühjahr 2013 hinein. „Das liegt aber vor allem daran, dass wir relativ lange Projektlaufzeiten von sechs bis neun Monaten haben und spezielle Werkzeuge für den Automotive-Bereich bauen“, nennt er die Gründe für die gute Auftragslage. Ob das auch in naher Zukunft so bleibe, sei offen.

von Katharina Kaufmann

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