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Hinterland „Die Oberstadt soll eine Shoppingmall sein“
Landkreis Hinterland „Die Oberstadt soll eine Shoppingmall sein“
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06:16 07.04.2012
Die Oberstadt in Marburg bietet mit ihren verwinkelten Häusern und Fachwerkgebäude ein besonderes Einkaufsflair – das wollen die Mitglieder des Werbekreises erhalten wissen. Quelle: Katharina Kaufmann
Marburg

Als Friedrich Bode, Vorsitzender des Werbekreises Oberstadt, am Dienstagabend in der jüngsten Mitgliederversammlung die Belegungspläne für das von Joachim Tenkhoff geplante „Gutenberg-Center“ an der Ecke Universitätsstraße/Gutenbergstraße vorlegt, herrscht erst einmal minutenlang Stille im Sitzungsraum. Solange brauchen die knapp 20 anwesenden Mitglieder, um sich die Pläne anzuschauen, die 56 Unternehmensnamen zu lesen und zu erfassen, was das für ihre Geschäfte in der Oberstadt bedeutet.

Kaum hat der erste die Stille durchbrochen, bricht die Diskussion los. „Noch sind die Planungen nicht abgeschlossen. Hier steht bei 39 Unternehmen der Zusatz ,in Verhandlung‘, das kann bedeuten, dass sie kommen oder eben nicht“, erklärt Bode mit Hinweis auf die Center-Pläne. Aus diesen gehe zumindest hervor, dass Tenkhoff einige Unternehmen angesprochen habe, die auch in der Oberstadt vertreten seien, unter anderem Douglas, Hussel, Ernsting‘s Family und Fielmann. „Wenn diese Großen aus der Oberstadt weggehen, stehen riesige Ladenflächen über längere Zeit leer. Das kann uns erhebliche Probleme bereiten“, so der Werbekreis-Vorsitzende.

Der Neubau an sich wird von den Mitgliedern des Werbekreises durchaus positiv betrachtet, die Belegung als solche eher kritisch beäugt. „So wie die Pläne jetzt aussehen, hat die Oberstadt nichts davon“, bemängelt ein Werbekreis-Mitglied: „Wenn die Leuchttürme von hier oben nach unten abwandern, haben wir nichts mehr zu bieten.“

Auch der Entwicklung der Parkplatzsituation sehen die Oberstadt-Händler misstrauisch entgegen. „300 Parkplätze in einem Center sind ein Witz“, heißt es. Eine Forderung nach mehr Parkflächen folgt, insbesondere mit Blick auf die demnächst wegfallenden Stellflächen auf dem ehemaligen Brauerei-Gelände und die Abrisspläne für das Allianzhaus, von dem auch dessen Parkhaus betroffen ist.

„Mit diesem Konzept bekommt man den Umsatz aus dem Umland, der uns laut Einzelhandelsstudie von Cima fehlt, auch nicht in die Stadt“, kritisiert Vorstandsmitglied Robert Sabo das Belegungskonzept von Tenkhoff. Dieses sei „0815“, die Zeit der Center eigentlich längst vorbei. „Die Leute wollen aber 0815, weil sie es aus anderen Städten so kennen“, kommt es von Mitgliedern zurück.

Nach gut eineinhalb Stunden Diskussion haben sich die Gewerbetreibenden auf ein Ziel geeinigt: Die Oberstadt muss sich von einem Center absetzen und einen Gegenpol bilden. Über das weitere Vorgehen herrscht ebenfalls Einigkeit. Das Gespräch mit der Stadt Marburg soll gesucht werden, um die einzigartige (Einkaufs-)Atmosphäre der Oberstadt zu erhalten. Dabei wollen die Händler einmal mehr nach alternativen Parkflächen fragen, eine bequeme Anbindung zwischen Universitätsstraße und Oberstadt an der Augustinertreppe fordern, ein Sanierungsprogramm für den Steinweg und die Neustadt anregen – sowohl was die Straße als auch was die Häuser angeht – und einen Stopp für neue Kneipen und Gastronomiebetriebe erwirken. „Die Oberstadt soll keine Flaniermeile sein, sondern eine Shoppingmall“, ist die einhellige Meinung.

Bei einer Sondersitzung am 8. Mai sollen diese Forderungen und Anregungen detailliert besprochen werden, bevor sie in der Jahreshauptversammlung im Juni den Mitgliedern zur Beschlussfassung vorgelegt werden. Anschließend könne dann ein Gespräch mit der Stadt stattfinden, so Bode.

von Katharina Kaufmann