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Die Marburger Idealisten

Öko-Kleidung Die Marburger Idealisten

Der Bio-Boom hat mittlerweile auch den Textilmarkt erreicht: Öko-Kleidung wird immer beliebter. Eine Gruppe von Studenten aus Marburg will neben dem Verkauf von selbst entworfenen Bio-Shirts auch das Problembewusstsein schärfen.

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Die beiden Gründer der Firma „Artgerechtes“, Johanna Zimmermann und Julian Schrögel, in ihrem WG-Büro in Marburg.

Quelle: Philipp Alvares de Souza Soares

Marburg. Geschäftig geht es zu in der typisch studentischen Wohngemeinschaft (WG), nur ein paar Schritte entfernt vom Marburger Hauptbahnhof. Neue Bestellungen müssen verpackt und der nächste Werbestand vorbereitet werden. Alle Mitbewohner arbeiten zusammen. Die einen bereiten Flyer vor, andere kümmern sich um die Päckchen mit T-Shirts und Pullovern. Wüsste man es nicht besser, würde man nicht merken, dass man sich in der Zentrale eines kleinen „Labels“ befindet. Unter dem Namen „Artgerechtes“ betreiben die Studenten hier einen Onlineshop für, wie sie es selbst formulieren, „sozial- und umweltverträgliche“ Kleidung. Design, Druck und Verkauf organisieren die jungen Öko-Unternehmer selber, die Roh-Kleidung bestellen sie bei Lieferanten. Vor knapp vier Jahren wurde das Projekt ins Leben gerufen, das mittlerweile einen Jahresumsatz von mehr als 20.000 Euro erwirtschaftet.

„Die Idee entstand nach und nach bei Diskussionen in der WG“, erzählt Julian Schrögel, „wir wollten einfach selber etwas tun und uns nicht nur über die schlechten Zustände in der Textilindustrie beschweren.“ Also gründeten er und seine Mitbewohnerin Johanna Zimmermann die kleine Firma.

Zunächst fingen sie klein an: Know-how über Drucktechniken und Lieferanten für die Kleidung mussten organisiert werden. WG-Kollegen und Nachbarn halfen mit – auch heute wäre das Projekt ohne genug engagierte Kommilitonen kaum denkbar. Mit der Zeit investierten Schrögel und Zimmermann jeweils 1.500 Euro in ihre Idee. BWL studiert keiner von beiden und auch sonst gab es weder Businessplan noch Strategie fürs kommende Jahr. „Von einer Bank hätten wir bestimmt kein Geld bekommen“, vermutet Miteigentümerin Zimmermann, „und selbst wenn, wären wir dann natürlich auch von denen abhängig gewesen“. An ihrer Betonung wird deutlich, wie unangenehm ihr das gewesen wäre.

Mit ihrer Einschätzung hat die 25-Jährige wahrscheinlich Recht. Auch weil es ihnen weniger um Profit als um ihre Idee geht, T-Shirts und Pullover zu produzieren, die schön, ökologisch korrekt und gleichzeitig nicht teuer sind. „Wir wollen Konsumbewusstsein und Verantwortung fördern und gleichzeitig fair gehandelte und ökologisch produzierte Kleidung anbieten“, betont sie. Die Marge von ungefähr fünf Prozent fließt in einen angegliederten Verein, der Lesungen und andere Veranstaltung zum Thema Nachhaltigkeit im Textilsektor organisiert. Möglich ist so ein Geschäftsmodell letztendlich nur durch die ehrenamtliche Mitarbeit aller Beteiligten.

von Philipp Alvares de Souza Soares

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