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„Die Lage ist auch nach Monaten ungeklärt“

Arbeitsgericht „Die Lage ist auch nach Monaten ungeklärt“

Prozess um Unterschlagung von 677,83 Euro endet, wie er begonnen hat – „mit einer gewissen Ratlosigkeit“. Seit dem 16. Februar musste sich das Marburger Arbeitsgericht mit dem Vorwurf der Unterschlagung von 677,83 Euro beschäftigen, den eine heimische Firma gegen eine ehemalige Mitarbeiterin erhob.

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Der Kammertermin fand am Freitagnachmittag vor dem Marburger Arbeitsgericht statt.

Quelle: Michael Acker

Marburg. Begonnen hatte alles mit der Klage der kaufmännischen Angestellten auf Zahlung von Urlaubsgeld und des Gehaltes für den November 2008, den sie überwiegend krank geschrieben war. Sie hatte Ende Oktober zum 30. November gekündigt. Zunächst zweifelte der Arbeitgeber an, dass sie überhaupt krank war und wollte mit dieser Begründung das Geld nicht zahlen. Später forderte die Firma die 677,83 Euro von der Frau zurück, die diese angeblich unterschlagen haben sollte.

Es gab zwei Versionen des Vorfalls: Die Frau behauptete, ihr Chef habe sie am letzten Tag vor ihrem Urlaub im September 2008 beauftragt, die Summe an ihn auszuzahlen, da Rechnungen in dieser Höhe privat vorgelegt worden waren. Da nicht genügend Geld in der Kasse war, musste die Angestellte noch 500 Euro vom Geschäftskonto abheben. Dafür stellte der Chef der Mitarbeiterin ein Auszahlungsformular für die Bank aus. „Ich habe das Geld abgeholt und gemeinsam mit 177,83 Euro aus der Barkasse an die Seniorchefin übergeben, mit der ich mir ein Büro teile.

Sie hat das Geld gezählt, in Empfang genommen und quittiert,“ sagte sie am Freitag während ihrer Befragung vor der zweiten Kammer des Marburger Arbeitsgerichts unter Vorsitz von Hans Gottlob Rühle. Während der Vernehmung der Seniorchefin, die bereits im ersten Kammertermin stattgefunden hatte, sagte diese nach Angaben von Rühle aus, sie habe zwar eine Quittung unterschrieben, aber kein Geld erhalten. Während der Verhandlung schaltete sich auch die anwesende Juniorchefin ein und wollte neue Fakten liefern. Rühle stellte dazu fest: „Der Erinnerungsprozess der Parteien nimmt von Sitzung zu Sitzung zu. Es fällt aber auf, dass es ständig andere Erinnerungen sind.“

In Richtung der Prozessvertreter rügte er: „Der unzulängliche und teilweise falsche Vortrag der Parteien ist schwierig. Warum müssen wir als Gericht ständig hinter den Fakten herlaufen. das ist nicht normal.“ Bevor sich die Kammer zur Beratung zurückzog, stellte der Arbeitsgerichts-Direktor fest: „Die Aussagen der beiden Zeugen stimmen nicht überein. Damit ist die Lage auch nach Monaten noch ungeklärt.“ Anschließend verkündete er das Urteil: Demnach müssen Gehalt und Urlaubsgeld gezahlt werden. Die Ansprüche der Klägerin seien begründet, die Gegenansprüche der Unterschlagung nicht gerechtfertigt.

„Wir sind davon ausgegangen, dass die Seniorchefin eine erfahrene Geschäftsfrau ist, die mit Sicherheit keine Geldquittung unterschreibt, ohne das Geld in Empfang zu nehmen“, begründete Rühle. Beide Varianten blieben nach den Vernehmungen jedoch möglich, es gebe viele offene Fragen, die Raum zu Spekulationen gäben. „Es gab keinen klaren Beweis für die Unterschlagung, aber auch keinen Beweis dafür, dass sie nicht stattgefunden hat. Die ganze Sache ist mysteriös, für Außenstehende nur schwer zu durchschauen. Bei allen Zweifeln bleibt aber die Beweiskraft der Quittung. Trotzdem endet der Prozess, wie er begonnen hat – mit Ratlosigkeit“, bilanzierte Rühle.

von Michael Acker

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