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Die Erwartungen an die Zukunft sind groß

Ahrens-Einweihung Die Erwartungen an die Zukunft sind groß

Sechs Etagen im Querschnitt: Der detaillierte Etagenplan erleichtert die Orientierung, wo was zu finden ist im neuen Ahrens in Marburg. Die Ahrens-Mietpartner und Marburger Einzelhändler finden viel Lob für das umgebaute Haus und versprechen sich einiges von der Modernisierung.

Marburg. In Marburg geschehen Dinge mit Seltenheitswert: Während die Filialisten Thalia und Görtz mancherorts Geschäfte schließen müssen oder deutlich verkleinern (die OP berichtete), eröffnen sie in der Universitätsstadt brandneue Filialen. Und ungeachtet eines extrem hart umkämpften Marktes im Lebensmittel-Einzelhandel hat der Kaufmann Bruno Naumann bereits vor knapp zwei Jahren die Gunst der Stunde genutzt, eine Rewe-Filiale in zentralster Lage der Innenstadt zu eröffnen.

Alle drei Geschäfte eint ein Merkmal: Sie sind Ankermieter des modernisierten und konzeptionell neu ausgerichteten Kaufhauses Ahrens. Gegenüber der OP schildern sie ihre Erwartungen, Eindrücke und Beweggründe, warum sie als spezialisierte Anbieter unter das Dach des größten Warenhauses der Region schlüpfen.

Ein besonderes Risiko ist dabei der aus Cappel stammende Unternehmer Bruno Naumann eingegangen, indem er nach der Eröffnung seiner eigenen neuen Rewe-Filiale im Untergeschoss die umfangreichen Umbauarbeiten bei Ahrens in den vergangenen 18 Monaten in Kauf genommen hat. Das habe ihn viele Kunden gekostet. „Während der Bauphase bin ich zweifellos durch ein Tal der Tränen gegangen. Aber das war absehbar und ist Teil meines unternehmerischen Risikos“, sagt Naumann. Er freue sich dementsprechend, dass die Zeit des Umbaus nun vorüber sei und richte den Blick zuversichtlich in Richtung Zukunft.

In der Neuausrichtung von Ahrens und dem Mix der Mietpartner sieht er eine große Chance für die Stadt und den Standort: „Ahrens ist es gelungen, einen echten Anziehungspunkt zu schaffen und mit einem stimmigen Konzept alle Grundlagen dafür zu legen, dass wir gemeinsam erfolgreich sein können - ohne die Oberstadt zu schwächen“, meint Bruno Naumann. Als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates ist er einer der einflussreichsten Kaufleute innerhalb der Rewe Group und traut sich Vergleiche zu: „Der neue Ahrens verfügt über ein sehr breites, attraktives Markenangebot, überzeugt mich und meine Kollegen mit seiner hochwertigen, offenen Ausstrahlung und kann sich mit modernen Einkaufszentren in Großstädten messen.“

Für die Buchhandelskette Thalia haben zwei Faktoren den Ausschlag dafür gegeben, in den Standort Marburg zu investieren, wie Pressesprecherin Mirjam Berle erläutert: „Als Universitätsstadt mit einer literarisch geprägten Historie ist Marburg für uns interessant, und das Kaufhaus Ahrens ist ein starker Partner, der als langjähriger Familienbetrieb seit Jahren auf die Wünsche seiner Kunden eingeht und dabei - wie wir - ein hochwertiges Angebot mit erstklassigem Service verknüpft.“

Während Thalia bereits seit Juli eine gut 500 Quadratmeter große Filiale im Erdgeschoss betreibt (die OP berichtete), eröffnete der Schuh-Spezialist Görtz dort Ende vergangener Woche seine neue Geschäftsfläche ebenfalls auf rund 500 Quadratmetern.

Neben den Ankermietern haben auch die Marburger Einzelhändler gewisse Erwartungen an den „neuen Ahrens“ - sei es nun mehr Kundenfrequenz oder einen zugkräftigen Publikumsmagneten. Christian Großmann, Vorsitzender des Werbekreises Nordstadt und Mitglied im Vorstand des Markt- und Aktionskreises (MAK), bezeichnet das umgebaute Haus als „renommiertes Aushängeschild für die Einkaufsstadt Marburg“. Gleichzeitig werde durch die Neupositionierung von Ahrens auch die Frage aufgeworfen, ob die Stadt das geplante Gutenbergcenter des Berliner Investors Joachim Tenkhoff überhaupt noch brauche. „Denn der neue Ahrens reagiert ja auf vieles, was in der CIMA-Studie an Marburgs Einzelhandel und dessen Angebot bemängelt wurde“, erklärt Großmann, der Ahrens nicht als Konkurrenz für den Einzelhandel in der Nordstadt empfindet. Ein weiteres großes Center sei nun vielleicht gar nicht mehr nötig.

„So ein Haus im Rücken bietet zudem eine hervorragende Möglichkeit für unsere Aktivitäten im MAK“, ergänzt er und lobt dabei auch das Engagement der Familie Ahrens für die Stadt Marburg als Einkaufsstandort: „Eine unternehmerische Leistung wie dieser über ein Jahr anhaltende Umbau hat Vorbildcharakter.“

Lobende Worte findet auch Hans-Joachim Ebert, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Hessen Nord in Marburg: „Dieser Umbau und die Neupositionierung ist ganz wichtig für den Einkaufsstandort Marburg. Ein Mittelzentrum braucht nämlich auch einen Anbieter mit Vielfalt und guter Qualität“, sagt er. Der neue Ahrens sei attraktiv, authentisch und ansprechend. „Es ist lobenswert und mutig, mit seinem Einzelhandelsgeschäft ein Bekenntnis zur Region abzulegen und den Bezug zur Stadt herzustellen.“

Friedrich Bode vom Werbekreis Marburger Oberstadt betont: „Wir Oberstädter freuen uns immer, wenn wir attraktive Geschäfte in der Stadt haben und Ahrens gehört seit jeher dazu - nun umso mehr.“

von Christoph Linne und Katharina Kaufmann

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