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Die Anlagen pausieren jede Nacht

Windpark Schwarzenberg Die Anlagen pausieren jede Nacht

Bringen die Windräder auf dem Schwarzenberg überhaupt genügend Leistung? Wolfgang Buder, ­einer der Geschäftsführer der Windpark Schwarzenberg GmbH, sagt: Alles läuft nach Plan.

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Mancher Beobachter hat den Eindruck, dass die Windräder zwischen Dautphetal und Breidenbach häufig stillstehen. Nachts müssen sie abgeschaltet sein, um Fledermäuse nicht zu gefährden.

Quelle: Edgar Meistrell

Biedenkopf. Er schaue auf die Windräder von Schwarzenberg und Weißenberg, berichtet Hans Otto Jacobi aus der Gemeinde Dautphetal. „Diese Windräder bringen keine 20 Prozent ihrer Leistung“, ist er überzeugt. Die meiste Zeit laufe nur die Hälfte oder gar kein Rad. Jacobi sagt: „Es ist oft totaler Stillstand.“

An seine Beobachtung schließt er grundsätzliche Kritik an den Windkraftanlagen an. Der „Windwahn“ zerstöre die Umwelt in großem Ausmaß, bringe aber wenig Energie mit sich. „Wer frühmorgens die Rollläden hochzieht und hinausschaut, der sieht tatsächlich oft stehende Räder“, gibt Wolfgang Buder, Geschäftsführer der Windpark Schwarzenberg GmbH, zu. Das sehe aber um 9 Uhr schon ganz anders aus – dann würden sie sich nämlich oftmals drehen.

Ein Grund für die zeitweilige­ Abschaltung der Windräder seien die Fledermäuse. Das Regierungspräsidium Gießen (RP) hat der Windpark Schwarzenberg GmbH laut Buder aufgegeben, alle Räder mit der Dämmerung eine Stunde vor Sonnenuntergang abzuschalten.

Bei starkem Wind flattern Fledermäuse nicht

Unter bestimmten Bedingungen stehen sie dann die ganze­ Nacht über still. „Eine Stunde nach Sonnenaufgang geht es wieder los“, erklärt Buder. Diese Vorgabe gilt allerdings nur von April bis Oktober. Im ­Winter halten die Fledermäuse Winterschlaf. Dann können die Räder auch in der Morgen- und Abenddämmerung sowie nachts durchlaufen.

Bei bestimmten Witterungsbedingungen greift diese Fleder­mausabschaltung laut Buder ebenfalls nicht. Und zwar, wenn es regnet, wenn die Temperatur unter zehn Grad Celsius fällt oder wenn der Wind schneller als sechs Meter pro Sekunde (21,6 Stundenkilometer) weht. „Dann geht schon ein starkes Lüftchen“, sagt Buder. In all diesen Fällen wird davon ausgegangen, dass die Fledermäuse nicht unterwegs sind, drehende Windräder folglich keine Gefahr für diese Tiere darstellen.

„Es sind viele verschiedene Parameter, die den Abschalt-­algorithmus bestimmen“, sagt der Windpark-Geschäftsführer. Der finanzielle Nachteil, den das Abschalten mit sich bringt, sei bei den Planungen einkalkuliert worden. „Das war uns bekannt“, sagt Buder.

Wenn kein Wind weht, dreht sich kein Rad

Ein anderer Grund, der ­dazu führen könne, dass auf dem Schwarzenberg Stillstand herrscht, seien Wartungsarbeiten. Zwei-Mann-Teams sind dann im Windpark unterwegs, um kleinere Mängel zu beheben oder Servicetätigkeiten vorzunehmen. Wenn die Mitarbeiter an den Gondeln arbeiten, müssen die Rotoren vorher abgestellt werden. Die Bürger könnten das leicht daran erkennen, dass in diesem Fall nicht alle neun Räder gleichzeitig stillstehen, sondern nur einzelne Räder betroffen sind, erklärt der Geschäftsführer. „Die Mitarbeiter nehmen sich die Anlagen nach und nach vor.“

Neben der Fledermausabschaltung und Wartungsarbeiten nennt Buder noch einen dritten Grund dafür, dass die Räder manchmal stillstehen: Es weht kein Wind. „Der Sommer ist üblicherweise ­eine windschwache Zeit“, sagt er. Das sei beispiels­weise in den letzten beiden Augustwochen zu beobachten gewesen. „Da sind die Anlagen oft nur kurzzeitig angelaufen“, sagt Buder.

Das werde sich in den kommenden Monaten sicherlich ändern. Die sechs Monate Oktober bis März seien anders als der Sommer eine windstarke Zeit, erklärt der Geschäftsführer. Da 
der Windpark erst seit ­Januar dieses Jahres am Netz ist, könne man dann erstmalig sehen, wie stark der Energieertrag in diesem Zeitraum tatsächlich ist. „Ich bin gespannt, ob die Prognosen eingehalten werden“, sagt Buder. Grundsätzliche Probleme gebe es im Windpark Schwarzenberg jedenfalls nicht, betont der Geschäftsführer: „Wir hatten im vergangenen halben Jahr weder Schäden noch unvorhergesehene oder überraschende Ausfälle; die Anlagen funktionieren nach Plan.“

Kranichzug kann Anlagen stoppen

Was die Fledermausabschaltung angeht, macht sich die Schwarzenberg GmbH Hoffnungen, in Zukunft darauf verzichten zu können. An den Rädern sind sogenannte Bat-­corder befestigt, die Flugbewegungen der Fledermäuse aufzeichnen. Zwei Jahre läuft laut Buder dieses Fledermaus-Monitoring. „Wir hoffen darauf, dass uns der Nachweis gelingt, dass die Fledermäuse nicht höher als 100 Meter fliegen“, erläutert er. Wäre dies der Fall, würde den Tieren durch die Motoren keine Gefahr drohen, die Räder könnten also Tag und Nacht laufen. Entschieden wird dies allerdings erst, wenn die ­Ergebnisse der Untersuchung vorliegen.

Vernachlässigbar ist laut ­Buder der Kranichzug. Die Auflage des RP sieht vor, dass die Windräder abgeschaltet werden, wenn mehr als 20.000 Kraniche pro Tag über Hessen unterwegs sind. Die Vogelschutz-­warte meldet das an alle Windparks, die auf der Flugroute der Tiere liegen. „Dann werden die Anlagen für die Zeit des Kranichzugs sofort stillgestellt“, sagt der Schwarzenberg-Geschäftsführer. Das komme aber erfahrungsgemäß nur zweimal im Jahr vor, und dann auch nur für einige Tage.

Was die Windräder der Stadt und der Umwelt dauerhaft bringen, wird sich Mitte kommenden Jahres im CO2-Zertifikat für das Jahr 2017 ablesen lassen, das die Kommunen von dem Energieversorgungsunternehmen EAM erhalten. Darin ist verzeichnet, wie viel Energie in den unterschiedlichen Sektoren verbraucht wird. Das Zertifikat macht auch eine Angabe darüber, wie viel Energie innerhalb der Kommune aus Wasserkraft, Photovoltaik und Windkraft in das Netz eingespeist wird.

von Hartmut Bünger

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