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Die Angst bei den Mitarbeitern wächst

Uni-Klinikum Marburg und Gießen Die Angst bei den Mitarbeitern wächst

Wut, Enttäuschung, Frust – der Abschied von Geschäftsführer Irmgard Stippler und Doris Benz sorgt bei der Belegschaft des Uniklinikums (UKGM) vor allem für eines: Angst vor den nächsten Wochen.

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Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg kommt nicht zur Ruhe.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Wechsel an der UKGM-Spitze hat es in den vergangenen sechs Jahren der Privatisierung viele gegeben. Nie allerdings ist der Aufschrei von den Mitarbeitern so groß gewesen. „Als wir erfahren haben, dass Frau Stippler und Frau Benz uns verlassen, standen mir die Tränen in den Augen“, sagt ein Mitarbeiter, der jedoch nicht öffentlich genannt werden möchte (Name liegt der Redaktion vor).

Die beiden hätten der Belegschaft zumindest das Gefühl von Wertigkeit vermittelt, von Putzhilfe bis Chefarzt hätte sie jeder gekannt und vor allem geschätzt. „In unseren Augen waren die beiden das Licht im Tunnel.“ Ergreifende Worte, die die derzeitige Stimmung auf den Lahnbergen ausdrücken.

Einen Tag nach Bekanntwerden des Geschäftsführerwechsels herrscht großes Unverständnis bei den Klinikbeschäftigten. „Das waren noch zwei Frauen, die wussten, wie die Worte Menschlichkeit und Freundlichkeit geschrieben wurden“, sagt ein anderer Mitarbeiter. Die Verunsicherung am UKGM ist spürbar. „Wir alle sind absolut schockiert“, sagt Betriebsratschefin Bettina Böttcher, bei der viele Mitarbeiter ihre Ängste und Befürchtungen ausschütten. „Alle gehen auf dem Zahnfleisch und dann werden auch noch Personen vor die Tür gesetzt, die von allen geachtet und respektiert wurden. So geht man doch nicht mit Mitarbeitern um“, sagt Böttcher.

Mit Doris Benz und Irmgard Stippler habe es immer ein konstruktives Miteinander gegeben. „Wir hatten immer das Gefühl, Doris Benz und Irmgard Stippler haben alles in ihrer Macht stehende versucht, um etwas für die Mitarbeiter zu erreichen“, sagt Böttcher und ergänzt, dass dazu natürlich auch kritische Gespräche gehörten. Der Umgang mit einander sei aber stets fair und geordnet abgelaufen.

„Was das für uns bedeutet?“, entgegnet eine weitere Mitarbeiterin, die aus Angst vor möglichen Folgen nicht namentlich genannt  werden möchte. „Sobald von anderen Krankenhäusern Angebote gemacht werden, sind die Leute doch weg. Niemand weiß doch, was als nächstes kommt.“ Ständig sind Personalvermittler am Uniklinikum, versuchen Fachkräfte abzuwerben. Nicht selten mit Erfolg. „Fachkräfte zu finden ist extrem schwierig. Ist diese Lücke da, und das ist sie schon, wird es lange dauern, sie zu schließen.“

Kühne-Hörmann setzt auf die Mediation

Unterdessen wächst offenbar die Skepsis gegenüber der Privatisierung des UKGM. Laut einer Umfrage des „Gießener Anzeiger“ von dieser Woche glauben nur noch gut sieben Prozent der Befragten, dass das privatisierte Klinikum für die Patienten „besser“ ist.

Die hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann teilte am Mittwoch auf OP-Anfrage mit, in ihrem Haus gebe es keine Überlegungen, die Privatisierung des UKGM rückabzuwickeln. „Die gegenwärtigen öffentlichen Diskussionen kommentiere ich nicht“, ließ Kühne-Hörmann ihren Pressesprecher Dr. Ulrich Adolphs mitteilen.  

Kühne-Hörmann setzt auf die Vermittlung von Friedrich Bohl (CDU) und Dr. Wolfgang Gerhardt (FDP). „Auf diese Weise soll eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre zwischen dem Land Hessen, den Universitätsleitungen in Gießen und Marburg sowie der Belegschaft und der Führung der Rhön Klinikum AG wiederhergestellt werden“, hofft die Wissenschaftsinisterin.

von Carsten Bergmann und Till Conrad

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