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Hinterland Der Wirtschaft droht keine Rezession
Landkreis Hinterland Der Wirtschaft droht keine Rezession
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06:15 26.04.2012
Rolf Witezek (von links), Martin Frettlöh, Jürgen Schroetter, Hendrik Lodde, Jens Fürbeth, Thomas Janssen und Michael Müller beim Mittelstandskolleg in Marburg. Quelle: Manfred Schubert
Marburg

Bei der Pharmaserv GmbH & Co. KG in Marburg gab es während des Mittelstandskollegs der Volksbank Mittelhessen einen Ausblick auf die Wirtschafts- und Währungsentwicklung, die Auswirkungen der Basel-III-Eigenkapitalvorschriften sowie Tipps für stabile Finanzierungsstrukturen und einen optimierten Zahlungsverkehr im Mittelstand. Im Pharmaserv-Hörsaal war es bei dieser zweiten Veranstaltung der Reihe „Mittelstand im Mittelpunkt“ um wirtschaftliche Erfolgsfaktoren gegangen. In vier Vorträgen wurden knapp zwei Stunden lang Themen behandelt, die die Unternehmenskunden der Volksbank zum Teil selbst ausgewählt hatten.

Vorstandsmitglied Rolf Witezek stellte als ersten Referenten Hendrik Lodde, Senior-Analyst der DZ Bank (Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank) Frankfurt, vor. Lodde eröffnete seinen Ausblick auf die Wirtschafts- und Währungsentwicklung anschließend mit einem Zitat des römischen Philosophen Cicero, der schon vor mehr als 2000 Jahren einen ausgeglichenen Staatshaushalt und Verringerung der Schulden gefordert hatte. „Die aus der Vergangenheit resultierende Schuldensituation wird uns noch lange beschäftigen, auch wenn man derzeit davon ausgeht, dass Portugal nicht umschulden muss, Irland nicht Pleite geht und Spanien und Italien zuzutrauen ist, die Sparmaßnahmen umzusetzen“, erklärte Lodde. Die Wirtschaft verliere an Schwung, aber es drohe keine Rezession. Die hohe deutsche Staatsverschuldung habe Früchte getragen, die Arbeitslosigkeit sei gesunken und der Konsum habe sich im oberen Bereich stabilisiert, was zeige, dass die Verbraucher auf den Erhalt ihres Einkommens vertrauten. Lodde betonte, dass die Genossenschaftsbanken nach der Lehman-Pleite im Firmenkreditgeschäft kräftig zugelegt hätten.

Um Kredite und deren künftige Bedingungen ging es im Vortrag von Jens Fürbeth, Volksbank-Bereichsleiter Gewerblicher Mittelstand, der sich mit den Auswirkungen der ab Januar 2013 geltenden Basel-III-Eigenkapitalvorschriften beschäftigte. Eine Befragung im Vorfeld der Veranstaltung hatte ergeben, dass dieses Thema besonders viele unternehmerisch tätige Menschen beschäftigt. Kern der neuen Richtlinien sei, dass Banken künftig Eigenkapital in Höhe von 10,5 statt bisher 8 Prozent für Kredite vorhalten müssen, wodurch die Bankkosten um etwa ein Drittel steigen. Die Eigenkapitalausstattung etlicher deutscher Banken sei im internationalen Vergleich dürftig, Fürbeth nannte einstellige Milliardenbeträge, die einigen deutschen Großbanken noch zur Erfüllung dieser Anforderung fehlten. Die DZ Bank müsse noch um 0,35 Milliarden Euro aufstocken.

Die Volksbank Mittelhessen, die bundesweit mitgliederstärkste Volksbank mit 180000 Anteilseignern, 1500 Mitarbeitern und 350000 Kunden, sei mit einer halben Milliarde Euro relativ gut positioniert, bei ihr sei keine Kreditklemme für den Mittelstand zu befürchten.

Michael Müller, Volksbank-Abteilungsleiter Firmenkundenberatung, gab schließlich Empfehlungen zu stabilen Finanzierungsstrukturen und dem Erschließen neuer Geldquellen. Unter anderem verwies er auf die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Hessen sowie auf den Mittelhessenfonds, der bis zum Jahr 2013 noch drei Millionen Euro zu vergeben habe.

Martin Frettlöh, Volksbank-Abteilungsleiter Spezialfinanzierungen und Kommunen, zeigte Möglichkeiten für ein aktives Liquiditäts- und Kostenmanagement und einen optimierten Zahlungsverkehr auf. Interessant erschien der Einsatz tragbarer Kartenterminals im Außendienst, die direkten Zahlungsfluss, weniger Zahlungsausfälle und Mahnungen sowie Imagegewinn versprechen sollen.

Mit großem Interesse verfolgten die rund 180 Teilnehmer des Mittelstandskollegs auch den Vortrag von Thomas Janssen, der als Geschäftsführer die Entwicklung und Dienstleistungen von Pharmaserv vorstellte. Das Unternehmen betreibt mit mittlerweile 380 Mitarbeitern den Standort Behringwerke in Marburg.

von Manfred Schubert