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Hinterland „Der Winter bricht uns nicht das Genick“
Landkreis Hinterland „Der Winter bricht uns nicht das Genick“
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21:18 29.02.2012
Der Winter hat sich nicht alzu sher auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt. Quelle: Archivfoto

Marburg. Die eisigen Temperaturen im Februar haben sich zwar auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt, jedoch längst nicht so ausschlaggebend wie der harte Winter im vergangenen Jahr. Das erklärte Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit Marburg. „Der Winter macht uns zwar zu schaffen, er bricht uns aber nicht das Genick.“

Im Februar waren 6 854 Arbeitslose im Bezirk der Marburger Arbeitsagentur gemeldet, das sind 512 oder 7 Prozent weniger als im Februar 2011. Im Vergleich zum Januar 2012 waren es 329 oder 5 Prozent mehr.Wie schon in den vergangenen Monaten war der Rückgang der Arbeitslosigkeit bei jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren am stärksten – sie sank um 12,6 Prozent (im Vergleich zu Februar 2011).

Trotz der positiven Nachrichten beunruhigt Breustedt, dass die Zahl der Menschen, die Arbeitslosengeld I beziehen, das erste Mal seit längerer Zeit wieder gestiegen ist. So lag die Arbeitslosenquote im SGB III (Arbeitslosengeld I) um 4,5 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Im Klartext heißt das, dass die Betriebe vermehrt Beschäftigte entlassen, die bereits länger angestellt waren. Breustedt sieht darin eine mögliche Strukturveränderung in den Betrieben im Landkreis.

Dieser Trend sei auch regional zu verorten: So war die Zahl der Arbeitslosen im SGB III mit 7,7 Prozent besonders im Bereich der Geschäftsstelle Stadtallendorf gestiegen. Sowieso lag im Osten des Landkreises die Arbeitslosenquote mit 6,9 Prozent über der des Vorjahresmonats (6,8 Prozent) und über den Quoten des Bereichs Marburg (5,1 Prozent) und dem Hinterland (4,0 Prozent).

Eine ähnliche Entwicklung sei auch bei ausländischen Arbeitslosen zu beobachten: Im SGB III waren 32 Prozent mehr Arbeitslose als im Vorjahresmonat zu verzeichnen. Breustedt merkte an, dass in Stadtallendorf besonders die Süßwarenindustrie betroffen sei und dort auch eher Menschen mit geringerer Qualifikation.

„Die Anforderungen an die Flexibilität der Arbeitnehmer steigt immer mehr“, erklärte Breustedt. „Viele haben noch eine Scheu vor befristeten Arbeitsverhältnissen. Diese sollten sie besser beiseite schieben.“ Der Chef der Marburger Arbeitsagentur empfahl den Arbeitslosen „jeden Strohhalm“ zu ergreifen, der sich ihnen bietet.

Auch Zeitarbeit werde von vielen gar nicht erst in Betracht gezogen, sollte jedoch als eventuelles Sprungbrett nicht verachtet werden. „Es besteht immer die Chance, dass aus einem befristeten ein langfristiges Beschäftigungsverhältnis wird“, merkte Heike Beber, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Marburg, an.

Die Zahl der Arbeitslosen, die Arbeitslosengeld II beziehen (Hartz IV), ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 14 Prozent gesunken. Positiv ist auch die Entwicklung bei Schwerbehinderten: Es gab im Februar 13,4 Prozent weniger schwerbehinderte Arbeitslose im Agenturbezirk der Arbeitsagentur Marburg.

Was auch zuversichtlich stimmt, sei die Steigerung der Stellenangebote im Monat Februar, so Breustedt. 223 Stellen oder knapp 50 Prozent mehr als im Vormonat Januar 2012 meldeten die Betriebe der Arbeitsagentur. Leider passten die Stellenangebote jedoch nicht immer zum bestehenden Bedarf.

So entfiel mehr als jedes fünfte Stellenangebote auf den Bereich Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung, wohingegen der größte Anteil der Stellengesuche im Bereich Produktion und Fertigung liegt. Insgesamt würden hauptsächlich Fachkräfte gesucht, erklärte Breustedt und betonte, wie wichtig es sei, dass Arbeitnehmer für eine ausreichende Qualifikation sorgten.

„Die Qualifikation wird immer bedeutsamer“, so der Chef der Arbeitsagentur. Der Gesundheitssektor sei was die Arbeitsplätze angeht derzeit in Marburg noch sehr stabil, was sich ändern könnte, wenn die Kliniken die angekündigten Stellenstreichungen wirklich durchführen  (die OP berichtete). „Damit würde uns ein Standbein abgeschlagen werden“, befürchtet Breustedt. Er bekundete sein Verständnis für den Oberbürgermeister von Marburg, der den Stellenabbau öffentlich kritisiert hatte.

von Tanja Hamer