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Der Vollbart ist für den Mohr ein Muss

Grenzgangs-Serie Der Vollbart ist für den Mohr ein Muss

Beim Grenzgang vom 16. bis 18. August wird Martin Werner als Mohr Frauen und Mädchen die Wangen schwärzen.

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Der Ex-Biedenkopfer Martin Werner, der heute in Wolfgruben lebt, hat sich gegen einen Mitbewerber um das Amt des Mohren durchgesetzt.

Quelle: Sophie Cyriax

Biedenkopf. Die Grundvoraussetzung, die einen Mohren auszeichnet, erfüllt der 40-Jährige Martin Werner bereits: er trägt einen Vollbart. Werner füllt eines der herausragenden Ämter des Traditionsfestes aus. Mit den beiden Wettläufern bildet er das Trio, das oft als Symbolfigur für den Biedenkopfer Grenzgang genutzt wird. Mit dem Amt des Mohren erfüllt sich für Martin Werner ein lang gehegter Traum. Der mittlerweile im Dautphetaler Ortsteil Wolfgruben lebende Biedenkopfer hat schon beim Grenzgang 2005 Erfahrung in einem offiziellen Amt gesammelt, damals war er Führer der Männergesellschaft „Im schönen Wiesengrund“.

Für den Grenzgang 2012 hatte er sich um die Stelle des Mohren beworben, die das Komitee - der Vorstand des Grenzgangsvereins - öffentlich ausgeschrieben hatte. Gegen einen Mitbewerber setzte sich der 40-Jährige bei der Wahl durch. Seitdem hat sich der Terminkalender von Martin Werner, der als Hausmeister bei der VR Bank Biedenkopf-Gladenbach arbeitet, kräftig gefüllt. Denn der Mohr im Biedenkopfer Grenzgang muss nicht weniger ausdauernd sein als die beiden Wettläufer: mindestens drei Mal pro Woche steht Lauftraining auf dem Programm. Hinzu kommen die Einladungen von Männergesellschaften und Burschenschaften, von Vereinen und Organisationen, die sich bei ihren Veranstaltungen mit einem Besuch des Mohren und der Wettläufer schmücken wollen.

Die Figur des Mohren ist in einem Protokoll aus dem Jahr 1816 zum ersten Mal erwähnt mit dem Zusatz „von alters her“ - was darauf hinweist, dass es diese schillernde Gestalt bei der Biedenkopfer Grenzbegehung schon länger gibt. Über den Ursprung der Figur wird spekuliert. Eine These lautet, dass der furchterregende Mann mit seinem geschwärzten Gesicht und Vollbart dazu dienen sollte, neidvolle Bewohner der umliegenden Ortschaften abzuschrecken - damit diese gar nicht erst auf die Idee kamen, Grenzsteine zu ihren Gunsten zu verrücken oder die Grenzbegehung zu stören.

Heute geht der Mohr mit seinem charakteristischen Tanzschritt im Festzug voran, schwingt seinen Säbel über dem Kopf und hat das Privileg, Frauen und Mädchen die Wange „Schwarzmachen“ zu dürfen, wobei es sich ausdrücklich nicht um einen Kuss handelt.

Für Grenzgängerinnen und vor allem für die Kinder gilt es als Ehre, mit schwarzen Spuren im Gesicht vom Kontakt mit dem Mohren gezeichnet zu sein. Deshalb wird Martin Werner, wie seine Vorgänger auch, an den drei Grenzgangstagen die Theaterschminke immer griffbereit bei sich tragen müssen, um fehlendes Schwarz im Gesicht und Bart wieder nachschminken zu können.

von Sophie Cyriax

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