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Der Sänger, dem die Hand ausrutschte

Landgericht Marburg Der Sänger, dem die Hand ausrutschte

Es handele sich um ein Komplott, sagte der Schlagersänger: "Man will mich als unglaubwürdig darstellen." Erfolg vor dem Landgericht hatte der Mann mit seiner Argumentation jedoch nicht.

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Die Hand im Gesicht einer Frau. Die Ohrfeige gegen eine Gaststätten-Besucherin gab der Angeklagte zu.Foto: Dennis Siepmann

Marburg. Er will den Erfolg. Doch der Weg zum „Schlagerstar“ ist steinig. Ganz besonders unpassend ist es zudem, wenn die fest anvisierte Sangeskarriere von eine gerichtliche Verurteilung nachträglich gestört wird. Dieses Empfinden hatte zumindest ein 42-Jähriger aus Sinzig in Rheinland-Pfalz.

Die 45 Tagessätze á 10 Euro, die das Amtsgericht Biedenkopf im September gegen ihn verhängte, waren nicht nur eine finanzielle Belastung für den Hartz-IV-Empfänger, sondern auch ein Urteil gegen seine Ehre als Künstler. In der nächsten Instanz, dem Landgericht Maburg, wollte sich der Mann nun am Freitag rehabilitieren und das aus seiner Sicht rufschädigende Urteil anfechten. Doch es kam anders.

Wie schon im ersten Prozess vor dem Amtsgericht gab der Mann zu, bei einem Auftritt in einer Biedenkopfer Gaststätte einer Besucherin gegenüber handgreiflich geworden zu sein.

Die Frau habe durch ihre Zwischenrufe, er sei ja gar kein echter Sänger und würde nur die Lippen zu den eingespielten Liedern bewegen, zu provozieren versucht. Anschließend geriet die Besucherin zudem in Streit mit der Ehefrau des Sängers, die dabei eine Ohrfeige kassiert habe. Daraufhin sei der 42-Jährige auf die Angreiferin zugegangen. „Als sie mir das Mikrofon aus der Hand geschlagen hat, habe ich rot gesehen. Mir ist dann halt die Hand ausgerutscht“, sagte er. Richter und Staatsanwältin versuchten dem 42-Jährigen in der Folge klar zu machen, dass diese Tat, die es ja zweifelsohne zugegeben habe, bestraft werden muss. „Glauben Sie wirklich, Sie können hier einen Freispruch erwirken?“, sagte der Vorsitzende Richter Hans-Werner Lange. Daraufhin erwiderte der Schlagersänger: „Muss ich mir denn alles gefallen lassen?“

Der 42-Jährige habe einen Plattenvertrag in Österreich in Aussicht. Die neuerliche Verurteilung und damit verbundene Verlängerung der Bewährungszeit des einschlägig vorbestraften Mannes, hindere ihn nun daran, den Vertrag mit der Plattenfirma zu unterschreiben.

Richter Lange stellte während der Anhörung mehrmals heraus, dass sich schon die erste Verurteilung des Amtsgericht an der unteren Grenze des Strafmaßes für Körperverletzung und Beleidigung, die der 42-Jährige während der Verhandlung ebenfalls eingeräumt hatte, bewege. „Plädieren Sie etwa auf Notwehr?“, fragte Lange den Angeklagten, der dies verneinte und schließlich seinen Berufungsantrag zurückzog. Die erstinstanzlich ausgesprochene Strafe bleibt somit bestehen.

von Dennis Siepmann

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