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Der Rentner und die Teufelskralle

Gericht Der Rentner und die Teufelskralle

90-Jähriger muss wegen Diebstahls 100 Euro spenden und für 100 Euro Vorrat kaufen

BIedenkopf. Zwei Verkäuferinnen eines Discountmarktes in Biedenkopf beschuldigten den 90-jährigen Hinterländer im Mai dieses Jahres eine Schachtel „Teufelskralle“ zum Preis von 2,99 Euro gestohlen zu haben.

Der Angeklagte rechtfertigte sich jedoch mit folgender Aussage: „Unter Diebstahl verstehe ich, wenn jemand etwas wissentlich entwendet. Ich habe die Packung des Arzneimittels mit meinem Portemonnaie verwechselt, das ich immer in meine Jackentasche stecke. Als mir an der Kasse aufgefallen ist, dass ich aus Versehen ein Päckchen ‚Teufelskralle’ eingesteckt hatte, wollte ich sie gerade noch bezahlen, als zwei Verkäuferinnen auf mich zukamen und mich wegen Diebstahls beschuldigten.“

Die beiden Verkäuferinnen waren zu diesem Termin nicht vorgeladen worden, hatten sich aber vor der Verhandlung schriftlich geäußert. Die Verkäuferinnen schrieben, sie hätten den Biedenkopfer beobachtet, wie er Ware in seinen Einkaufswagen legte. Dann habe er sich umgesehen und ein Päckchen in seine Jackentasche gesteckt.

Im Jahr 2008 war der damals 88-Jährige schon einmal wegen Diebstahls angeklagt worden. Das ist auch der Grund, warum der Rentner vor Gericht stand.

Trotz der Vorträge des Angeklagten lasteten die Aussagen der Verkäuferinnen schwer, daher kam das Gericht zu folgendem Urteil: Der Angeklagte soll eine Geldbuße von 100 Euro an die Deutsche - Arthrose Hilfe überweisen. Außerdem wies Richter Mirko Schulte ihn an, sich für 100 Euro einen Vorrat an „Teufelskralle-Tabletten“ in einer Apotheke zu kaufen. So habe der Angeklagte einen Vorrat für mindestens ein Jahr.

von Salomé Weber

Mehr zu diesem Thema lesen Sie am Mittwoch in der Printausgabe der OP.

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