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Hinterland Der Mieter-Mix verspricht viel Mode
Landkreis Hinterland Der Mieter-Mix verspricht viel Mode
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06:17 19.03.2012
Ungewöhnlicher Anblick: Die Panorama-Aufnahme zeigt das Gelände von Savigny-Haus (links) und dem Allianz-Haus entlang der Universitätsstraße. Auf dieser  Gesamtfläche in bester Lage der Marburger Innenstadt soll das neue „Gutenberg-Center“ entstehen. Selbst im Idealfall kann das Einkaufszentrum wohl frühestens Anfang 2016 eröffnet werden. Quelle: Fotomontage: Thorsten Richter

Marburg. Der angestrebte Neubau für die Juristen auf dem Campus Firmanei und der mögliche Verkauf des Savigny-Hauses bringen Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen um die wohl besten noch verfügbaren Lagen in der Marburger Innenstadt (die OP berichtete).

Die neuen Pläne stoßen nicht nur bei der Philipps-Universität, dem Land Hessen und der Stadt Marburg auf große Zustimmung, sie sind vor allem ganz nach dem Geschmack des Berliner Investors Joachim Tenkhoff.

Das Grundstück, auf dem das marode Savigny-Haus steht, ist für Tenkhoff von zentraler Bedeutung, um seine Pläne für den Bau eines „Gutenberg-Centers“ doch noch realisieren zu können. 

Lediglich an der Stelle des heutigen Allianz-Hauses neu zu bauen – das rechnet sich weder für ihn, noch für die Geldgeber, mit denen er den Gebäudekomplex aus Einkaufszentrum und weiteren Geschäftsflächen möglichst profitabel verwirklichen will. „Eine kleine Lösung ohne Savigny-Haus schließe ich aus. Das würden die Mieter und die Partner nicht akzeptieren“, sagt Joachim Tenkhoff der OP.

Mit  dem Allianz-Konzern im Rücken, bei dem er sich das Exklusivrecht für die Projektentwicklung gesichert hat, drückt er aufs Tempo und drängt auf Planungssicherheit. Tenkhoff hat dem Magistrat nach OP-Informationen zwischenzeitlich die Kopie eines an ihn gerichteten Schreibens der Allianz vorgelegt, in dem der Versicherungskonzern sein großes Interesse untermauert, dass das Gebäude an der Universitätsstraße / Ecke Gutenbergstraße und Schulstraße grundlegend saniert oder neugebaut wird.

Spätestens Mitte des Jahres wolle man eine Grundsatzentscheidung dazu haben. Unter Druck setzen lassen möchte sich Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) davon nicht und betont: „Es gibt auch andere Investoren, die großes Interesse an diesem attraktiven Standort haben.“ Vaupel macht aber auch deutlich, dass er persönlich, der Magistrat und die Philipps-Universität eine Umsetzung der Tenkhoff-Pläne favorisieren und daher ebenfalls schnellstmöglich Gewissheit haben möchte, wann, wo und wie im Herzen der Stadt die Bagger rollen.
Selbst wenn nun kurzfristig rechtliche und finanzielle Planungssicherheit hergestellt werden kann, rechnet keiner der Beteiligten damit, dass vor Mitte/Ende 2013 die Arbeiten am ersten Baustein des Gesamtprojektes beginnen. Somit können auch bei straffem Zeitplan und reibungslosem Ablauf der Neubau der Juristen und das „Gutenberg-Center“ frühestens Anfang 2016 fertiggestellt werden.

Gegenüber der OP gibt Joachim Tenkhoff unterdessen an, dass er weit vor Baubeginn bereits mehr als 50 Prozent der Mietflächen vermarktet hat – ohne jedoch nähere Angaben zu seinen Mietpartnern machen zu wollen. „Ich stehe außerdem in Verhandlungen und vor Vertragsabschluss mit zahlreichen Interessenten, die so wie ich erst einmal Planungssicherheit haben wollen, ob und wann das Objekt realisiert wird“, sagte Tenkhoff der OP. Aus nachvollziehbaren Gründen: In einem solchen Stadium schließen erfahrene Filialisten nur Verträge mit Ausstiegsklauseln oder Optionsverträge ab. Und erst wenn Projektentwickler wie der Berliner Unternehmer ausreichend viele Vorvermietungen vorweisen können, lösen seine Geldgeber wiederum ihre Investitionszusagen ein. Dann erst kann das Bauprojekt verwirklicht werden und im Idealfall entwickeln sich dauerhaft erfolgreiche Mietverhältnisse.

Eine Ankündigung von Tenkhoff vor Marburger Geschäftsleuten, dass er mit der Textil-Kette H&M über die Erweiterung ihrer Geschäftsfläche in Marburg verhandele, wollten Unternehmenssprecher von „Hennes & Mauritz“ gegenüber OP weder bestätigen noch dementieren. Einzige Aussage dazu: „Grundsätzlich prüfen wir alle Angebote gern.“

Die Handelskette Depot (Möbel, Wohnaccessoires und Deko-Artikel) bestätigt laufende Verhandlungen mit Tenkhoff. „Derzeit können wir aber noch keine weiteren Angaben machen“, so Unternehmenssprecherin Geraldine Kahl.

Nach Recherchen der Oberhessischen Presse sind hingegen folgende Unternehmen fest entschlossen, im „Gutenberg-Center“ zu eröffnen:

- Gleich drei Modemärkte will der Saarländer Unternehmer Markus Halbeisen im geplanten Einkaufszentrum eröffnen: ein Esprit-Geschäft mit Damen- und Herrenmode auf rund 500 Quadratmetern sowie Damen-Oberbekleidung von Street One auf 110 Quadratmetern und Cecil auf etwa 120 Quadratmetern. Halbeisen ist mit seinen Firmen auf Textil spezialisiert und bereits mit 34 Geschäften in verschiedenen Centern in Süddeutschland vertreten, unter anderem auch im „Loop5“ in Weiterstadt nahe des Frankfurter Flughafens. „Uns ist aufgefallen, dass sich Marburg mit seinem Angebot an Textilien noch auf dem Stand von vor 10 bis 15 Jahren befindet, obwohl da ein starker Veränderungsprozess stattgefunden hat. Da sehen wir unsere Chance“, sagt Halbeisen gegenüber der OP. „Mit mehr textiler Kompetenz können wir es schaffen, die Innenstadt zu stärken und die Einkaufsqualität vor Ort zu heben“, gibt sich der Unternehmer selbstbewusst.

- Auch ortsansässige Firmen  wollen die Gelegenheit zur Expansion nutzen. Begro hat großes Interesse, den ersten Standort in der Innenstadt zu eröffnen, wie Geschäftsführer Markus Krug der OP bestätigt: „Es gibt verschiedene Optionen, wir haben aber noch keine Verträge gemacht. Sicher ist, dass wir mit Textil-Angeboten an den Start gehen, vermutlich mit drei Marken-Shops.“

- Die Modekette New Yorker plant eine Erweiterung der Geschäftsfläche in Marburg und plant 600 Quadratmeter Verkaufsfläche (die OP berichtete).

- Die Drogeriemarkt-Kette dm wird auf einer Verkaufsfläche von 560 Quadratmetern vertreten sein. Nach Angaben von Sprecherin Silke Stamp bleibt nicht nur die Filiale am Erlenring bestehen: „Außerdem eröffnet dm am 28. März einen Markt in der Neuen Kasseler Straße 24-26.“

- Auch Schreibwarenanbieter McPaper wird mit dabei sein.

- Als einer der wichtigsten Mietpartner bleibt Tegut in der Innenstadt, wie Sprecherin Andrea Rehnert bestätigt. „Die neue Filiale wird etwa eine Größe von 1500 Quadratmetern haben.“ Der aktuelle Tegut-Markt ist 1.700 Quadratmeter groß. Für die Bauzeit von zwei bis zweieinhalb Jahren sucht Tegut zurzeit noch nach einer Übergangslösung in der Stadtmitte: „Um die Minimalversorgung sicherzustellen, brauchen wir 500 Quadratmeter plus Lager für das Provisorium“, so Rehnert. Wenn die Suche im schlimmsten Fall keinen Erfolg hat, müssten die Kunden jedoch auf ihren Supermarkt während der Bauzeit verzichten. „Doch wir haben die feste Absicht, den Standort zu halten“, bekräftigt Rehnert.

Definitiv aus dem Rennen ist die Elektronik-Kette „Saturn“ (die OP berichtete). Das haben nicht nur die ansässigen Wettbewerber zufrieden zur Kenntnis genommen, sondern auch Oberbürgermeister Vaupel. Der gibt sich zuversichtlich, dass sich auch die übrigen Miet- und Handelsflächen gut vermarkten lassen: „Uns erreichen jeden Monat qualifizierte Anfragen von Unternehmen, die nach 1A-Lagen in der Marburger Innenstadt mit 1.500 Quadratmetern Verkaufsfläche suchen.“

Insgesamt sollen im neuen „Gutenberg-Center“ 14.500 Quadratmeter Mietfläche für den Einzelhandel zur Verfügung stehen, davon rund 12.000 Quadratmeter als Verkaufsfläche. Für die Geschäftsflächen im zweiten und dritten Obergeschoss steht Tenkhoff nach eigenen Angaben in Verhandlungen mit Hotels und einer Fitness-Kette.

von Christoph Linne

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