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Hinterland Der Job-Boom schwächt sich weiter ab
Landkreis Hinterland Der Job-Boom schwächt sich weiter ab
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19:32 28.06.2012
Quelle: Uwe Anspach
Marburg

Während der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, gestern Vormittag in Nürnberg noch von „Anzeichen einer schwächeren Entwicklung“ sprach, fand sein Kollege in Marburg, Volker Breustedt wesentlich deutlichere Worte: „Die Situation am Arbeitsmarkt wird trüb und verschlechtert sich.“ Die Entwicklung sehe durchwachsen aus. „Ich hoffe aber, dass die jetzige Abwärtstendenz demnächst zu einem Ende kommt, denn ich glaube, dass die Betriebe ihren Personalbedarf jetzt so angepasst haben, dass sie gut durch die nächsten Monate kommen“, ergänzte Breustedt, während Weise betonte: „Unverändert gut ist die Entwicklung der Erwerbstätigkeit und der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, die weiter deutlich im Plus liegen.“

Die Zahlen sprechen dabei ihre eigene Sprache: Bundesweit suchten im Juni 84000 Menschen weniger nach einer Arbeitsstelle als noch vor einem Jahr - allerdings wird der Vorjahresabstand laut Bundesagentur von Monat zu Monat schwächer. Im Vergleich zum Mai ging die Zahl der Arbeitslosen um 46000 auf 2,8 Millionen zurück.

Auch für den Landkreis Marburg-Biedenkopf ergibt sich auf den ersten Blick ein positives Bild. Im gesamten Kreisgebiet, ebenso wie im Bezirk der Agentur für Arbeit Marburg, ging die Zahl der Erwerbslosen sowohl gegenüber Mai als auch gegenüber Juni 2011 weiter zurück. „Dennoch haben wir beispielsweise im Bereich des Sozialgesetzbuches III einen Anstieg in der Arbeitslosigkeit von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat“, erläuterte Breustedt, was erst auf den zweiten Blick ersichtlich werde. Dem gegenüber sei die Arbeitslosigkeit im Bereich des Sozialgesetzbuches (SGB) II deutlich zurückgegangen (-14,2 Prozent im Vergleich zum Juni 2011).

„Das liegt vor allem daran, dass momentan viele Leute, die einen längeren Zeitraum gearbeitet und damit Ansprüche auf Arbeitslosengeld erworben haben, wieder gekündigt werden“, schilderte Breustedt die Hintergründe für diesen Anstieg. Auch die Abgänge aus der Arbeitslosigkeit in eine Erwerbstätigkeit hätten sich deutlich verschlechtert: Insgesamt fanden in diesem Juni 35,6 Prozent weniger Männer und Frauen als im vergangenen Juni direkt aus der Arbeitslosigkeit heraus einen neuen Job.

Neben dieser Entwicklung zeichnet sich nach Angaben des Leiters der Marburger Arbeitsagentur die Negativ-Tendenz des Marktes auch bei den gemeldeten Stellen ab. So wurden im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat 38 Prozent weniger neue Stellen gemeldet, seit Jahresbeginn waren es gegenüber 2011 mehr als 20 Prozent weniger neue Stellen.

Regional betrachtet, ist der Job-Boom vor allem im Ostkreis schlechter geworden: Im Juni stieg dort die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr insgesamt leicht an (+1,3 Prozent), im Rechtskreis SGB III fiel der Anstieg dagegen deutlicher aus (+10,2 Prozent). „Wir haben vor allem heftige Einbrüche im verarbeitenden Gewerbe und der Produktion“, erklärte Breustedt. Dort würden mehr Leute gekündigt und weniger eingestellt.

Im Hinterland, und damit bei der Agentur für Arbeit Wetzlar, sieht es zwar besser, aber auch nicht rosig aus: „„Die Beschäftigungslage an Lahn und Dill ist weiterhin stabil, dafür sprechen 668 weniger Arbeitslosmeldungen als noch im Juni des Boom-Jahres 2011. Allerdings reichen die Impulse aus den Unternehmen derzeit nicht aus, die Arbeitslosigkeit weiter signifikant zu senken“, skizzierte Angelika Berbuir, Vorsitzende der Geschäftsführung der Wetzlarer Arbeitsagentur, gestern die aktuelle Situation auf dem dortigen Arbeitsmarkt.

Von einer positiven Entwicklung berichtete gestern Dr. Karsten McGovern, Erster Kreisbeigeordneter und Sozialdezernent. Er rechne damit, dass dies auch in den nächsten Monaten so bleibe. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Landkreis sei im Juni erneut zurückgegangen. Das Kreisjobcenter weist aktuell insgesamt 3816 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind - gegenüber Juni 2011 ist das ein Rückgang von mehr als elf Prozent. Auch die Zahl der Bedarfsgemeinschaften sank in diesem Zeitraum - und zwar um 6,2 Prozent auf nunmehr 7023.

von Katharina Kaufmann und unserer Agentur

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