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Der Holz-Häusle-Bauer

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„Stein auf Stein“ war gestern. Heute heißt es „Stamm auf Stamm“. Zumindest für ChristofTzioras. Der Förster bautHolz-Wohnhäuser.

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Ebsdorf. Ein Kind zeugen, einen Baum pflanzen, ein Haus bauen. Das ist sie, die Liste der Dinge, die ein Mann im Leben laut Tradition erledigen sollte. Christof Tzioras war noch nie jemand, der halbe Sachen gemacht hat. Er hat gleich drei Kinder gezeugt, tausende Bäume gepflanzt und baut nun hauptberuflich Häuser. Blockhäuser, wohlbemerkt. Diese bestehen ausschließlich aus dem Rohstoff Holz. Kein Leim, keine Nägel, kein Metall. Stattdessen: Muskelkraft, Präzision und Zeit. „So ein Haus wird immer zweimal aufgebaut“, erklärt der gelernte Förster. Erst wenn der Rohbau steht, wird mit dem künftigen Hausbesitzer ausgemacht, wo Fenster, Türen, Leitungen oder Steckdosen errichtet werden sollen. „Bei einem gemauerten Haus werden die Schlitze für Leitungen im Nachhinein geklopft. Bei einem Blockhaus werden alle Installationen erst im Abbau gemacht“, so Tzioras.

Der 43-Jährige hat seine Prüfung zum Blockhausbauer in diesem Sommer in Passau abgeschlossen und schon die ersten Aufträge im Kreisgebiet angenommen. 140 Tonnen Holz braucht es, um ein Wohnhaus im Blockhausstil zu errichten. Gedämmt wird nur mit Schafswolle. „Das ganze funktioniert über ein Stecksystem, das sich selbst abdichtet“, so Tzioras. Zwei Mann und einen Kran braucht es, um das Haus Stamm für Stamm zu errichten. Alles ist millimetergenau zugesägt, alles genau angepasst. Eine Detailverliebte Arbeit, die den Förster jedoch Tag für Tag neu begeistert. „Der Umgang mit Holz und das Gefühl mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen, das ist einzigartig“, schwärmt er.

Die Stämme für die Häuser bezieht er ausschließlich aus Wäldern der Umgebung. „Mir ist wichtig, dass wir heimisches Holz verwenden. Ich nehme die Stämme auch so, wie sie sind.“ Ob krumm oder kerzengerade - was nicht passt, wird eben passend gemacht. Auf einem kleinen Grundstück in Ebsdorf lagert das Holz für die nächsten Projekte. Meterhohe Stamm-Berge, aus denen in den nächsten Tagen eine große Gartenhütte und eine Sauna entstehen sollen. Kleinprojekte. „Es ist egal ob sie ein kleines Häuschen oder ein Wohnhaus bauen, der Aufwand bleibt gleich“, erzählt der 43-Jährige.

Die natürliche Bauweise der Häuser hat den Familienvater schon immer fasziniert. Die Weiterbildung zum Blockhausbauer war für ihn gleichzeitig die Entscheidung, den Schritt in die Selbstständigkeit komplett zu wagen. Zuvor arbeitete der gelernte Förster zusätzlich im Rettungsdienst.

Die Möglichkeit, sich mit dem Blockhausbau eine Nische zu schaffen, will der 43-Jährige für sich und seine Firma „Buchecker Forstwirtschaft“ nutzen. Und prompt beginnt er wieder zu schwärmen: „Das hier ist meine Bestimmung.“ Die Holzhäuser, sie zwingen zum großen Denken. „So ein Haus wird immer acht Prozent größer gebaut, als es am Ende tatsächlich ist“, erklärt Tzioras. „Wenn der Dachstuhl drauf kommt, sackt das Haus noch einmal in sich zusammen. Eine Abdichtung braucht man nicht, das funktioniert allein auf Grund des Gewichtes.“

Während der Häuslebauer erzählt, zeichnet er auf einem Stamm die Schnittlinien ein. Hier was weg, da was weg und - voila - der erste Bausatz im Stecksystem ist fertig. Schön, wenn es so einfach wäre. Denn zwischen dem ersten Schnitt und dem Aufbau des Hauses können Monate vergehen. Zeit, die angesichts des Alters der Stämme, die verarbeitet werden, relativ ist. Es ist eben echte Handarbeit. Knochenarbeit, um genauer zu sein. „Sehr befriedigend“, wie Tzioras versichert.

von Marie Lisa Schulz

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