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Hinterland Der Frühling sorgt für positive Zahlen
Landkreis Hinterland Der Frühling sorgt für positive Zahlen
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06:16 01.04.2012
Marburg

"Die konjunkturelle Schwächephase hat auf dem Arbeitsmarkt kaum Spuren hinterlassen", kommentierte der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise gestern die aktuellen Arbeitsmarkt-Daten. In Deutschland waren im März 82000 Männer und Frauen weniger auf Jobsuche als noch im Februar. Innerhalb eines Jahres sank die Zahl der Erwerbslosen um 182000 auf nun 3,028 Millionen Menschen. Saisonbereinigt ging die Arbeitslosenzahl im März um 18000 auf 2,841 Millionen Menschen zurück. Die Unterbeschäftigung - also Männer und Frauen, die zwar Arbeit suchen, aber etwa wegen einer Weiterbildung offiziell nicht als arbeitslos gelten, lag bundesweit bei 4,066 Millionen Menschen - 377000 weniger als im März 2011.

"Wir haben im März rückläufige Zahlen in allen Personengruppen festgestellt", verkündete auch Katharina Gruß, Geschäftsführerin operativ bei der Agentur für Arbeit Marburg. Besonders auffällig sei der Rückgang der Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen: Zehn Prozent weniger junge Menschen als im Vorjahr meldeten sich in diesem März erwerbslos. "Viele sind nach dem Ende der Ausbildung übernommen worden, denn der Fachkräftebedarf ist in der Region nach wie vor hoch", erklärte Gruß.

Allerdings zeige sich schon jetzt, "dass der Markt so langsam gesättigt ist", so Gruß: Bei den neu hereingekommenen Stellen sei gegenüber 2011 ein leichter Rückgang zu spüren gewesen. "Gesucht wird aktuell noch besonders in der Gastronomie und Hotellerie, im Gesundheits- und Sozialwesen, sowie in der Zeitarbeit und - wenn auch weniger als in den Monaten zuvor - im verarbeitenden Gewerbe", so die Marburger Geschäftsführerin. Derzeit gebe es 1694 freie Arbeitsstellen im Agenturbezirk.

Ähnliches hatte auch die Vorsitzende der Geschäftsführung der Wetzlarer Arbeitsagentur, Angelika Berbuir, zu melden. Noch bis Ende September ist dieser die Geschäftsstelle Biedenkopf zugeordnet. Ab 1. Oktober greift dann die neue an die Kreisgrenzen angelegte Struktur. "Die Arbeitsmarktentwicklung im Bereich der Wetzlarer Arbeitsagentur lässt keinen Zweifel daran, dass die Frühjahrsbelebung den heimischen Arbeitsmarkt erfasst hat", berichtete Berbuir. Allerdings sei der Rückgang der Arbeitslosigkeit im ersten Quartal deutlich schwächer ausgefallen, als vor Jahresfrist. Die Dynamik am Arbeitsmarkt sei vergleichsweise gering - eine Tendenz, die sich in ganz Hessen zeige. In welchem Maße dies dem späten aber kalten Winter mit einer verzögerten Frühjahrsbelebung geschuldet sei, oder ob primär konjunkturelle Gründe dafür verantwortlich zeichnen, könne man frühestens Ende April beurteilen, so die Arbeitsmarktexpertin weiter.

Noch vor einem Jahr hatte sich die Frühjahrsbelebung deutlicher gezeigt: Im Marburger Agenturbezirk sank die Arbeitslosigkeit im März 2011 gegenüber März 2010 um 12,2 Prozent, im Bereich Wetzlar um 17 Prozent. In diesem Jahr lag der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr bei 6,3 Prozent in Marburg und 13,5 Prozent in Wetzlar.

Dennoch profitierten auch im Bezirk der Wetzlarer Agentur alle Personengruppe von der Frühjahrsbelebung des Arbeitsmarktes. Insbesondere bei den über 50-Jährigen sei dieser aber stärker ausgefallen - für Berbuir ein Indiz dafür, dass Unternehmen vor dem Hintergrund der steigenden Fachkräftenachfrage zunehmend alle Potenziale unter die Lupe nehmen.

Angestiegen ist dagegen im Landkreis die Zahl der Langzeitarbeitslosen: Das Kreisjobcenter (KJC) weist aktuell 4015 Empfänger von Arbeitslosengeld (ALG) II aus, die statistisch als arbeitslos registriert sind. Im Vergleich zum Februar sind das 3,3 Prozent mehr, gegenüber dem Vorjahresmonat allerdings 10,8 Prozent weniger. "Der Anstieg liegt zum Einen an der Arbeitskräftenachfrage der Unternehmen, die bisher nicht auf dem hohen Niveau des vergangenen Jahres liegt und andererseits an der Mittelkürzung des Bundes, wodurch wir deutlich weniger Maßnahmen zur Unterstützung und Stabilisierung arbeitsloser Menschen anbieten können. Auch das schlägt sich in der Statistik nieder", erklärte der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Dr. Karsten McGovern gestern.

von Katharina Kaufmann