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Hinterland Der Arbeitsmarkt gerät ins Stocken
Landkreis Hinterland Der Arbeitsmarkt gerät ins Stocken
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21:51 02.05.2012
Arbeitslosenzahlen im April 2012.

Marburg. „Die Zahlen sind ein Warnsignal. Von März bis jetzt hat sich nichts getan. Auch nicht in die positive Richtung.“ Der Leiter der Agentur für Arbeit, Volker Breustedt hält nichts von Beschönigung. Zwar gab es im Zuständigkeitsbereich der Agentur für Arbeit knapp drei Prozent weniger Arbeitslose als im Vorjahr – dies als Erfolg zu feiern sei jedoch völlig unangebracht. „Das ist eine Tendenz, die deutlich zeigt, dass es nicht mehr rosig aussieht auf dem Arbeitsmarkt. Im Februar hatten wir noch sieben Prozent weniger Arbeitslose als im Vorjahr, im März waren es nur noch 6,3 Prozent. Jetzt sind wir bei 2,7 Prozent angelangt. Der Abstand schmilzt rapide ab“, so Breustedt.

Den Grund für den schlechten Wert sucht der Agenturleiter beim schwächelnden Produktionsgewerbe. „Das dümpelt ein bisschen rum. Da wird mal ein Altersabgang nicht gemeldet oder einzelne Stellen nicht nachbesetzt. Die meisten Firmen entlassen nicht, stellen aber auch nicht neu ein.“ Die Zahl der erwerbslosen Männer ist nach oben gegangen. Geringfügig Qualifizierte machen dabei einen größeren Anteil aus. „Die, die schlechter qualifiziert werden, werden einfach immer schneller abgehängt.  Besonders auffällig: In Stadtallendorf, einer Hochburg des Produktionsgewerbes gab es allein im April einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 4,3 Prozent. „Wir versuchen zu vermitteln wie die Teufel. Die Anforderungen an  Mobilität und Flexibilität steigen enorm an“, macht Breustedt deutlich. Mit anderen Worten: Die Arbeitssuche darf nicht mehr vor der Haustür enden. Vielleicht wartet die berufliche Herausforderung im angrenzenden Kreisgebiet, vielleicht sogar einige Hundert Kilometer vom jetzigen Wohnort entfernt. Breustedt rät: Wem sich eine Chance bietet, der sollte sie ergreifen. „Wer von seinem Arbeitgeber das Angebot bekommt, sich weiter zu qualifizieren, der sollte dieses Angebot auch nutzen. Alles andere wäre grob fahrlässig“, macht Breustedt auf die Dringlichkeit aufmerksam.

Auf die neuen Entwicklungen am Arbeitsmarkt will die Agentur für Arbeit Marburg umgehend reagieren. „wir müssen verstärkt auf Qualifizierung der Schwachqualifizierten setzten – und das in Bereichen, die sich rechnen. Da ist beispielsweise der Pharmersektor ein Feld, in das man investieren kann.“

Die Vermittlungsbemühungen können jedoch nicht die Statistik schönen. 22 Prozent weniger Stellen als im März wurden der Agentur für Arbeit im Monat April gemeldet. 3.132 (März:  3.185) Arbeitslose in Marburg, 2.144 (März: 2.120) im Ostkreis und 1.208 (März: 1.279) müssen sich nun den erschwerten Bedingungen stellen.

Erfreulichere Zahlen liefert da der Ausbildungsmarkt. „0,8 Stellen kommen rechnerisch auf einen Bewerber. „Der Ausbildungsmarkt und der Arbeitsmarkt laufen derzeit nicht synchron“, erklärt Breustedt. 1632 Ausbildungsstellen, nur drei mehr als im Vorjahr,  wurden im 2012 gemeldet. 1.752 Bewerber haben sich um Ausbildungsstellen bemüht. „In dem Bereich zwitschert es noch. Wir haben 11 Prozent weniger unterversorgte Bewerber als im Vormonat“, so der Agenturchef. Derzeit sind noch 585 Ausbildungsstellen im Kreis unbesetzt. So sind noch 53 Ausbildungsstellen für Kaufmänner/frauen im Einzelhandel frei, 27 als Koch, 28 als Friseur/in.

Die Negativtendenz hat weitaus nicht in allen Bereichen durchgeschlagen. Bei der Zahl der Schwerbehinderten, die in Arbeit vermittelt werden konnte, meldet die Agentur für Arbeit einen Erfolg. 13,7 Prozent weniger  Arbeitslose in diesem Bereich als im März. „Das zeigt, dass wenn man ganz gezielt Zeit und Arbeit investiert, dass dann auch wirklich noch einiges möglich ist“,  so der Agenturchef.

Beim KreisJobCenter wird die die Lage positiver gewertet. 3.976 Männer und Frauen, erhalten aktuell Leistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II). Sie stehen dem Arbeitsmarkt grundsätzlich zur Verfügung. Im Vergleich zum Vormonat ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen damit um ein Prozent (39 Personen) gesunken. Gegenüber dem Vorjahresmonat registriert das KreisJobCenter einen Rückgang von 10,3 Prozent.

Die Wirtschaft habe sich trotz aller Krisenszenarien rund um den Euro stabil gezeigt. Die Arbeitslosenzahl sei in den Wintermonaten moderat gestiegen und nun wieder rückläufig, bewertet der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Dr. Karsten McGovern die Entwicklung.
Die kommunale Arbeitsvermittlung überprüfe zudem ständig ihre Angebote wie Qualifizierungen, damit der Fachkräftebedarf der regionalen Wirtschaft gedeckt werde, sagte McGovern.

von Marie Lisa Schulz