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Dem „Jawort“ folgt eine emotionale Achterbahn

Windpark Schwarzenberg Dem „Jawort“ folgt eine emotionale Achterbahn

Der symbolische Akt des Knopfdrückens zum Start der Stromproduktion 
markiert das Ende der Bauphase, in der so 
einiges passiert ist.

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Die beiden Geschäftsführer der Windpark Schwarzenberg GmbH, Christoph Felkl (links) und Wolfgang Buder, schalten den Windpark offiziell an.

Quelle: Birgit Heimrich

Breidenbach. Der Windpark Schwarzenberg ist am Netz – fünf Jahre nach dem gemeinsamen „Ja, ich will“ der Parlamente in Biedenkopf und Breidenbach und ein Jahr nach Baubeginn drücken Christoph Felkl und Wolfgang Buder den roten Knopf.

Der „Knopf“, der am Donnerstagmittag am Fuße des Windrads Nummer 8 gedrückt wurde, war zwar nicht wirklich rot, sondern schwarz, und es war auch kein echter Knopf, sondern die Return-Taste eines Laptops. Das war angeschlossen an die Schalteinheit des Windrads und damit an den ganzen Park.

Genehmigungsverfahren dauerte lange

Die Flügel des Windrads hoch über den Köpfen von Felkl und Buder stehen still und fangen auch nach dem Knopfdruck nicht an, sich zu drehen: Das Eis-Erkennungssystem muss noch richtig eingestellt werden.

Der Knopfdruck ist ein symbolischer Akt, er markiert den Abschluss des Projekts, das im April 2012 von den Parlamenten der beiden Partner, Biedenkopf und Breidenbach, beschlossen wurde. Der interkommunale Windpark mit neun Anlagen auf dem Höhenzug zwischen den beiden Kommunen für knapp 40 Millionen Euro soll Strom für rund 14.000 Haushalte liefern und zudem Geld in die kommunalen Kassen bringen.

„Der nächste Meilenstein war die Gründung der Firma im Februar 2013“, erinnert Wolfgang Buder, der als Geschäftsführer der Biedenkopfer Stadtwerke die Stadt Biedenkopf an der Spitze in der Windpark Schwarzenberg GmbH vertritt.­ „Vier Jahre später, und das Ding ist in Betrieb“, sagt Buder ebenso salopp wie stolz, „das ist schon flott.“ Obwohl: „Wir wollten ­eigentlich ja schon 2015 in ­Betrieb gehen, aber das Genehmigungsverfahren hat ein Jahr länger gedauert.“ Denn: Das ­Regierungspräsidium verlangte­ ein Umweltverträglichkeitsgutachten. Und das zu erstellen, hat eben gedauert.

Verzögerung stellt 
sich als Vorteil heraus

„Das war gut für die Öffentlichkeit“, sagt Buder, „und es hat die Finanzierung erleichtert.“ Denn: Alle strittigen Fragen seien von vornherein und öffentlich geklärt worden. Überraschende Einwände oder das Projekt gefährdende Klagen gab es nicht mehr. Im Juli 2014 beantragte die Schwarzenberg GmbH die Genehmigung ­ihres Windparks, im August 2015 fand die öffentliche Erörterung im Breidenbacher Bürgerhaus statt, am 19. November 2015 gab das RP grünes Licht, drei Wochen später begann die Rodung, gut ein Jahr später am 28. Dezember 2016 ist das letzte der neun Windräder, das mit der Nummer 10 am Frühstücksplatz, fertig.

Auf den letzten Metern verzögerten eine vierwöchige Straßensperrung für Schwertransporte bei Haiger und fehlende Löschwasserzisternen den Bau nochmal. „Diese Verzögerungen haben den Windpark wirtschaftlicher gemacht als zuerst gedacht“, sagt Christoph Felkl. „Ohne sie hätten wir im November den Schalter umgelegt, ­ohne überhaupt darüber nachzudenken.“ Vor die Alternative gestellt, Ende Dezember oder Januar ans Netz zu gehen, fiel die Wahl zugunsten des neuen Jahres aus. „Die niedrigere Einspeisevergütung wird durch die längere Laufzeit mehr als wettgemacht“, wiederholt Felkl, was er und Buder zuvor auch schon mehrfach erklärten.

„Die fünf Jahre waren extrem intensiv“, beschreibt Christoph Felkl recht diplomatisch die emotionale Achterbahnfahrt der Hauptakteure des Windpark-Projekts. Allein bei der Unterschrift unter die millionenschweren Darlehensverträge zittere einem die Hand. Die Gründung der Bürgerinitiative­ kurz vor Toresschluss tat ihr Übriges. Der Bau selbst ebenfalls ein Auf und Ab mit ständig neuen Herausforderungen. Und Überraschungen wie der Wegebau, „der ist in echt so einschneidend und ganz anders als auf ­einem Plan“.

Felkl: „Das tust du 
dir nie wieder an“

Er selbst habe von seinem Büro und von zu Hause einen freien Blick auf den Schwarzenberg: „Erst wollten die Türme nicht wachsen und dann sich die Räder nicht drehen“, beschreibt der Breidenbacher quälende Wochen und Monate. „Es ist wie beim Hausbau – wenn man mittendrin steckt, sagt man sich: Das tust du dir nie wieder an.“ Schließlich hätten er selbst, Wolfgang Buder oder auch sein Biedenkopfer Kollege Joachim Thiemig „hauptberuflich auch noch was anderes zu tun“.

„Ich verstehe und akzeptiere, wenn Menschen gegen Windkraft im Wald sind“, sagt der Breidenbacher SPD-Bürgermeister. Er selbst sei allerdings, nachdem er an der Verwirklichung des Projektes habe teilhaben dürfen, stolz auf das Erreichte. Felkl und Buder loben die „exzellente Zusammenarbeit mit allen Beteiligten“ – Planern, Projektbegleitern, Ausführenden – am „anspruchvollsten Windpark, an dem sie je mitgemacht haben“. Darin sei man sich einig.

Die Besucherfrequenz auf dem Gelände freut die Geschäftsführer. „Wir werden das Interesse der Menschen bedienen“, sagt Felkl, mit einem Tag der offenen Tür, vielleicht mit Führungen ins Innere der Türme, mit Liftfahrten in die Spitzen, vielleicht mit dem Weißenberg zusammen – „es wird auf jeden Fall noch weitergehen.“

von Birgit Heimrich

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Später Start zahlt sich aus

Die letzten drei der insgesamt neun Windkraftanlagen auf dem Schwarzenberg sind in Betrieb. Am Donnerstagmittag wurde der rote Knopf 
gedrückt.

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