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Hinterland Gastro-Verband wirbt für Freizeitzentrum
Landkreis Hinterland Gastro-Verband wirbt für Freizeitzentrum
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00:18 26.08.2018
Eine neue ganzjährig nutzbare Rodelbahn und ein neuer Schlepplift könnten die maroden Anlagen auf der Sackpfeife ersetzen. Rechts ein Entwurf für die Berggaststätte. Quelle: Susan Abbe
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Biedenkopf

Ein Ganzjahres-Freizeitzentrum mit Rodelbahn und Wintersport-Anlagen samt Gaststätte könnten auf der Sackpfeife entstehen. Die Entwürfe, die Projektplaner und Architekt im Juni in Biedenkopf vorstellten, kamen im Parlament gut an. Doch die hohen Investitionen, der dauerhaft bestehende Zuschussbedarf und die Frage, ob sich für die neue Berggaststätte überhaupt ein Pächter finden wird, ließen doch viele Politiker zögern.

Einzig die CDU sprach sich in der Diskussion klar für den Neubau der Berggaststätte und des Freizeitzentrums aus. Alle anderen Fraktionen brauchten noch Bedenkzeit und vertagten die Entscheidung deshalb. Jetzt ist die Sommerpause um, und das Thema dürfte wieder auf die Tagesordnung rutschen: Am 
6. September tagt der Biedenkopfer Bauausschuss, am 
11. September der Haupt- und Finanzausschuss und am 
13. September das Parlament.

Koenemann: Von Sackpfeife profitiert auch Einzelhandel

Für die Umsetzung des Millionenprojekts rührt unterdessen der Gastronomieverband Dehoga, der gut 40 Mitgliedsbetriebe in der Region zählt, die Werbetrommel. Der stellvertretende Vorsitzende Bodo Koenemann betont, dass es eben nicht nur die heimischen Gastbetriebe – Gaststätten, Hotels, Pensionen – seien, die vom Freizeitzentrum profitieren würden.

Denn wenn die neue Freizeitanlage zusätzliche Gäste in die Region bringe, nütze das auch dem Einzelhandel. Touristen würden ja schließlich nicht nur die Freizeitanlagen nutzen, sondern auch essen, trinken und darüber hinaus vor Ort einkaufen. Das bringe Geld, sichere ­Arbeitsplätze und bringe somit die Region insgesamt voran.

Koenemann zitiert dazu die Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus“, die das Beratungsunternehmen DWIF-Consulting aus München erarbeitet und Anfang 2018 zusammen mit dem hessischen Wirtschaftsministerium herausgegeben hat.

Ein Entwurf für die Berggaststätte auf der Sackpfeife. Grafik: Stefan Gaschler     

Demnach lassen Tagesgäste im Schnitt pro Person 26 Euro in der besuchten Region. Wenn die Sackpfeife täglich um die 150 ­Tagesgäste nach Biedenkopf bringe, komme da schon ein ­ordentlicher Betrag zusammen, sagt Koenemann. Allein pro Tag wären das immerhin schon 3900 Euro.
Den Neubau des Freizeit­zentrums sieht Koenemann deshalb als „eine historische Gelegenheit für Biedenkopf“. Denn es gehe darum, Biedenkopf langfristig – über den sich gut entwickelnden Rad- und Wandertourismus hinaus – in die gesamte Tourismus-Wirtschaft einzubinden.

Die jetzt auf dem Tisch liegenden Pläne für Freizeitzentrum und Berggaststätte lobt Koenemann dabei ausdrücklich. Aus Sicht des Gastronomen sei der aktuelle Gaststätten-Entwurf nicht nur ansprechend, sondern berücksichtige auch alle betriebswichtigen Abläufe, erklärt Koenemann, der mit seiner Frau Margarethe eine Pension in Biedenkopf führt und früher das Parkhotel betrieb.

Koenemann sieht Chancen im Bankett-Geschäft

Die Sorge, dass die Stadt keinen Pächter finden könnte, teilt der stellvertretende Vorsitzende des heimischen Dehoga dabei nicht. Denn es seien ja nicht nur die Freizeitzentrum-Besucher, die dem Pächter der neuen Berggaststätte das Auskommen sichern würden. Großes Potenzial liege auch im Bankett-Geschäft, also Familien-, Betriebs- und anderen Feiern. Wenn in der Berggaststätte zwei solcher Veranstaltungen pro Woche mit je 30 Leuten stattfänden, bringe das 2700 zusätzliche Gäste und entsprechenden Umsatz pro Jahr, rechnet Könemann vor.

Seiner Einschätzung nach stehen deshalb die Chancen, ­einen qualifizierten Gastronomen für die Berggaststätte zu finden, gut. Bei der Suche nach einem Pächter sollte sich die Stadt Biedenkopf aber auf jeden Fall von Gastronomie-Fachleuten beraten lassen, regt Koenemann an.

Planungsbüro geht 
von Zuschussgeschäft aus

Das Freizeitzentrum sinnvoll neu aufzustellen, kostet laut ­einer Expertenstudie, die das Ingenieurbüro Schweiger aus Sonthofen im Juni in Biedenkopf vorstellte, mindestens 4,5 Millionen Euro. Beinhalten würde das Projekt eine neue ganzjährig nutzbare schienengeführte Sommerrodelbahn inklusive Bergauf-Lifter, eine Spielgolfanlage sowie für den Winter einen neuen Schlepplift, ein Rodelförderband, modernes Flutlicht und eine Beschneiungsanlage. Somit könnte das Freizeitzentrum ganzjährig öffnen. Die Einnahmen würden sich deutlich verbessern.

Allerdings, so machten die Projektplaner auch unmissverständlich deutlich, würde das Freizeitzentrum trotzdem ein Zuschussbetrieb bleiben. In der Studie ist von einem jährlichen Verlust von 140.000 bis 252.000 Euro die Rede, den die Stadt ausgleichen müsste.

Neben den neuen Freizeitanlagen müsste zudem eine neue Berggaststätte her. Der vorliegende Entwurf des Architekten Stefan Gaschler ist in Zusammenarbeit mit der Dehoga Beratung GmbH entstanden. Er sieht einen großen und einen kleinen Gastraum mit 70 und 15 Plätzen vor, zudem ­einen Bereich, in dem Bratwurst und Pizza auf die Hand verkauft werden können. Auch soll es eine große Terrasse geben. 1,38 Millionen Euro würde der Neubau inklusive Küche kosten. Hinzu kommen womöglich weitere 170.000 Euro für die Ausstattung.

von Susan Abbe

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