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Parlament vereint sich gegen neue Windräder

Gemeindevertretung Dautphetal Parlament vereint sich gegen neue Windräder

Einstimmig haben Dautphetals Fraktionen sich gegen neue ­Windkraftanlagen in der ­Gemeinde ausgesprochen. Sie stellen nun keine ­neuen Flächen mehr zum Bau von Windrädern zur Verfügung.

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Die Gemeinde Dautphetal stellt keine eigenen Flächen mehr für Windkraftanlagen zur Verfügung. Die Gemeindevertretung fordert zudem, dass man mit den Nachbarkommunen im Gespräch bleibt. Das Foto zeigt die Windräder vom Hilsberg von Holzhausen aus gesehen.

Quelle: Christian Röder

Dautphetal. „Wir sind nicht gegen alternative Energien, denken aber, dass wir unseren Beitrag zur Energiewende mit den Anlagen auf dem Weißenberg geleistet haben“, sagte Joachim Ciliox. Knapp fünf Prozent des Gemeindegebiets würden derzeit für Windkraftanlagen genutzt, hieß es in dem Antrag. Das müsse reichen. „Eine Verspargelung unserer Landschaft wollen wir nicht“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Ihren Worten ließ die Gemeindevertretung nun Taten folgen: Der Antrag von CDU, Freien Wählern und SPD, kein weiteres Windrad auf Gemeindegebiet zu genehmigen, wurde angenommen. Frank Schmidt (FW) blies ins gleiche Horn: „Die Belastung für die Bürger sehen wir als ausreichend an“, sagte er.

Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass die Gemeinde nur noch wenige eigene Flächen hat, die für potenzielle Anlagen überhaupt infrage kommen würden, führte Ciliox aus. „Deshalb: Nur wenn auch Privatpersonen keine Grundstücke mehr zur Verfügung stellen, werden auch keine neuen Anlagen gebaut“, stellte Schmidt klar.

„Müssen mit Gladenbach im Dialog bleiben“

Die Fraktionen reagieren mit ihrem gemeinsamen Antrag, der auf einen der SPD-Fraktion zurückgeht, auf private Projektierer, die in den vergangenen Monaten verstärkt versucht hatten, in Herzhausen, Flächen anzukaufen oder zu pachten. Dafür würden „ortsunüblich hohe Summen“ versprochen. Diese Beträge stünden in keinem wirtschaftlich sinnvollen Verhältnis, hieß es in der Antragsbegründung.

Grundlage für diese Aussagen ist ein Windgutachten der Energiegenossenschaft Dautphetal-Gladenbach aus dem Jahr 2013. Dieses ergab, dass auf Herzhausens Höhenzügen – hierbei handelt es sich um die Windvorrangfläche 3123 – nur mit mittleren Windstärken bis 5,8 Metern pro Sekunde zu rechnen sei. War man zunächst davon ausgegangen, man könne rund 37,5 Megawatt pro Jahr mit den fünf Anlagen produzieren, so lagen die neuen Berechnungen nur noch bei 30,82 Megawatt jährlich, gute 15 Prozent weniger.

Das Fazit des Gutachtens: Die Windhäufigkeit ist auf der Höhenkuppe zwischen Herzhausen und Runzhausen zu gering, um dort wirtschaftlich Windkraft zu betreiben. Der jetzt verabschiedete Antrag der drei Fraktionen von Dautphetals Gemeindeparlament geht aber noch über das Nicht-Bereitstellen gemeindeeigener Flächen für Windkraft hinaus. „Wir müssen mit der Stadt Gladenbach im Dialog bleiben“, sagte CDU-Fraktionschef Horst Falk. „Nicht, dass uns unsere Nachbarn weitere Anlagen vor die Tür setzen.“

Schmidt: Sperrung von Zugang nicht durchsetzbar

Die benachbarte Kommune sollte ihre Pläne für die an Dautphetal angrenzenden Flächen überdenken. Wörtlich hieß es in dem Beschluss: „Im Sinne von guter Nachbarschaft, um örtliche Konflikte nicht wieder aufbrechen zu lassen und die Belastung der umliegenden Ortsteile in Grenzen zu halten, sollte auf die Errichtung von Windenergieanlagen in dieser Gegend verzichtet werden.“ Jüngst war im Gladenbacher Stadtparlament der knappe Entschluss gefallen, auch weiterhin einige ihrer Flächen für den Bau von Windrädern zur Verfügung stellen ( OP berichtete).

Auch behält sich die Gemeinde Dautphetal vor, ihre Haltung, sprich ihre Zustimmung, zum Teilregionalplan Energie­ Mittelhessen „zu gegebener Zeit zu überdenken sowie naturschutzrechtliche Belange auf den Prüfstand stellen zu lassen“. Dautphetals Bürgermeister Bernd Schmidt (FW) hatte­ bereits Anfang April über die Projektierer in Herzhausen informiert und den Plan vorgestellt, keine gemeindeeigenen Flächen mehr zur Verfügung zu stellen.

So weit gehen wie sein Breidenbacher Kollege, Bürgermeister Christoph Felkl (SPD), möchte Schmidt allerdings nicht. Die Gemeinde Breidenbach stellt nach einem Parlamentsbeschluss nicht nur keine eigenen Flächen mehr für neue Windräder bereit, sondern hat auch beschlossen, keine Wege zu möglichen Windradstandorten zur Verfügung zu stellen ( OP berichtete). Das sei nicht durchsetzbar, argumentierte Schmidt. „Es gibt eine höchstrichterliche Rechtsprechung, die besagt, dass man den Betreibern Zugang zu den Anlagen und Grundstücken gewähren muss. Da sind uns die Hände gebunden.“

von Christian Röder

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