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"Das ist heftig und ungerechtfertigt"

Ökostrom-Umlage "Das ist heftig und ungerechtfertigt"

Die nahende Erhöhungswelle beim Strompreis zieht weite Kreise durch alle Bevölkerungsschichten. Deutliche Worten finden nun auch lokale Interessensgruppen und die Bürger selbst.

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Euroscheine liegen auf einem Tisch mit einer Steckerleiste in einem privaten Haushalt. Im kommenden Jahr müssen Verbraucher mit einer Strompreiserhöhung rechnen. Foto: Patrick Pleul

Quelle: Patrick Pleul

Marburg. Ein Anstieg von knapp 50 Prozent der auf den Strompreis aufgeschlagenen Umlage zur Förderung von Wind- und Solarstrom müsse der Bundesregierung ein eindringliches Alarmsignal sein, das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) rasch und entschlossen zu überarbeiten, sagt Kathrin Wenner.

Die Kreisvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU in Marburg-Biedenkopf sieht nun dringenden Handlungsbedarf: ,„Der enorme Sprung der Ökostromumlage von 3,59 auf 5,277 Cent je Kilowattstunde führt die Notwendigkeit einer grundlegenden Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes eindrucksvoll vor Augen“.

Es dürfe nicht sein, dass Kleinunternehmer, Handwerker und Verbraucher die Zeche bezahlen, während sich Besserverdienende eine Fotovoltaikanlage auf ihren Einfamilienhäuschen über die Stromrechnung aller finanzieren ließen, sagte Wenner. Nun komme es darauf an, zügig ein tragfähiges Gesetz vorzulegen, dass ein weiteres Ausufern der Energiekosten verhindere, unterstreicht Wenner.

Auch die Bürger auf der Straße meldeten sich nach einer Befragung der OP zu Wort und nahmen Stellung zur Ökostromumlage und der damit verbundenen Erhöhung der Strompreise. Hildegard Wagner aus Marburg ist empört über diese Nachricht und macht ihrem Unmut entsprechend Luft: „Das ist heftig. Und das ist auch nicht gerechtfertigt. Da wird wahrscheinlich wie mit den Spritpreisen verfahren: Die machen einfach was sie wollen.“

Ebenso wie die 48-Jährige sieht es auch der Angelburger Norbert Michel: „Die großen Betriebe werden entlastet, die Kleinen müssen mal wieder bezahlen. Soziale Gerechtigkeit sieht anders aus.“ Dr. Bernhard Bräunig aus Schönstadt sagt zum Thema Preissteigerung: „Da ist, glaube ich, keiner begeistert. Die Frage ist, ob es berechtigt ist. Ich glaube die Energiekonzerne sind nicht arm. Aber ich kann es nicht beurteilen. Das ist eine ganz schön verstrickte Geschichte.“

Falsches Signal - auch aus ökologischer Sichtweise

Der heimische Sektionssprecher des Wirtschaftsrates, Stefan Oberhansl, auch Vorsitzender des Arbeitskreises Wirtschaft der CDU sagt zur derzeitigen Situation: „Solange die Netzanbindung beziehungsweise dessen Ausbau nicht vernünftig umgesetzt ist, ist es reiner Irrsinn mit gesetzlicher Brachialgewalt jeden einzelnen Haushalt und somit jede Privatperson zusätzlich zu belasten.“

Ebenfalls sei es ein vollkommen falsches Signal - auch aus ökologischer Sicht - wenn Solarparks und Windkraftanlagen entweder nur durch Subventionen begründet oder als Prestigeobjekte umgesetzt würden, ist sich Oberhansl sicher.

Der Abhängigkeit von den Stromkonzernen werde dadurch nicht entgegengewirkt, sondern durch gesetzlichem Unterbau sogar noch weiter gefördert, meint Oberhansl und erklärt weiter: „Eine nachhaltige Energiewende fängt zunächst beim Energiesparen an und hört beim Aufstellen solcher regenerativen Anlagen in Regionen auf, wo diese nach Wirkungsgrad und Brutto-Kosten-Berechnung auch Sinn machen.“

Bezogen auf die Stadt Marburg scheine dies jedenfalls nicht zukunftsfähig zu sein, meint Oberhansl, „denn während Energiesparen nachweislich bei guter Gebäudedämmung verbessert werden könnte, blockieren Denkmalschutzanforderungen, welche seit über 20 Jahren nicht geändert wurden.“

von Dennis Siepmann und Kristina Gerstenmaier

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