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Das herbstliche Wechselspiel

Reifenwechsel Das herbstliche Wechselspiel

So wie die Bäume in diesen Tagen die Farbe ihres Blattwerks wechseln, sofern sie es nicht schon längst getan haben, sollten auch die Autofahrer dringend wechseln: und zwar ihre Reifen.

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Marburg. Die zugefrorenen Scheiben am Morgen sind ein untrügliches Zeichen für den nahenden Winter. Es wird kalt. Und damit auch wieder gefährlich für die Verkehrsteilnehmer. Was in aller Frühe so schön auf der Straße glitzert, lädt nicht zu romantischen Vorstellungen ein, sondern zu erhöhter Vorsicht. Unfälle auf glatter Straße sind keine Seltenheit – ohne die passenden Reifen ist es jedoch eine nicht zu unterschätzende Gefahr.  Diese Aussage unterstützt auch Ralf Funke, der sich als Kfz-Obermeister des Landkreises Marburg Biedenkopf bestens mit dieser Thematik auskennt. „Wenn die Temperaturen unter sieben Grad sinken, sollte man Winterreifen aufziehen. Allgemein gilt die Regel von `O bis O`, also von Oktober bis Ostern“, sagt Funke.

Auf die richtige Profiltiefe der Reifen ist zu achten

Vor dem Wechsel lohnt sich jedoch ein Blick auf die zu montierenden Reifen. „Die „Profiltiefe sollte den Wert von drei Millimeter keinesfalls unterschreiten“, so Funke, der davon abrät, ältere Reifen aufzuziehen, selbst wenn diese noch nicht häufig gefahren wurden. „Ein Winterreifen ist im Vergleich zum Sommerreifen wesentlich weicher im Gummi und damit flexibler. Dieser Effekt verliert sich jedoch, wenn der Reifen schon drei, vier Jahre alt ist“.  Um die Reifen zu schonen, sollten diese trocken und vor allem liegend gelagert werden, sagt der Kfz-Fachmann. Derzeit  muss ein Kunde für den kompletten Reifenwechsel an seinem Fahrzeug zwischen 30 Euro und 50 Euro investieren. Funke, der stets die Fahrt zum Kfz-Meisterbetrieb empfiehlt, sieht die dort investierte Zeit in mehrfacher Hinsicht ratsam. Zum einen stehe dort das technische Equipment zur Verfügung, die Arbeiten professionell und schnell vorzunehmen. In der Regel dauere der komplette Wechsel zwischen einer Dreiviertelstunde und einer Stunde. Zum anderen würden in den Kfz-Betrieben auch auf eventuelle Beschädigungen an Bremsbelägen und Bremsschläuchen sowie auf die richtigen Spureinstellung und dem korrekten Luftdruck der Reifen geachtet.  „Noch bekommt man Termine in den Werkstätten, aber wehe die ersten Schneeflocken rieseln herab – dann ist plötzlich wieder alles überfüllt und es gibt lange Schlangen“, sagt Funke und spricht aus seiner jahrelangen Erfahrung. „Erst wenn es auf den Straßen weiß wird, erinnern sich die Menschen an den ausstehenden Reifenwechsel.“Die Gefahr, die sich dadurch ergibt, ist für einen Teil der Bevölkerung immer noch nicht gegenwärtig, sagt Funke. „Ich gehe davon aus, dass etwa zehn bis fünfzehn Prozent der Autofahrer ihre Reifen zur nahenden Winterzeit nicht wechseln lassen“. Ein Risiko, das schon so manchen Verkehrsteilnehmer in arge Bedrängnis gebracht hat

Bußgeld für falsche Bereifung im Winter

Ist ein Auto mit Sommerbereifung im Winter in einen Unfall verwickelt, muss der Fahrzeugführer mit unangenehmen Konsequenzen rechnen. Unter Umständen bekommt dieser von seiner Kaskoversicherung weniger oder gar nichts ausgezahlt, selbst wenn er am Unfall selbst unverschuldet war. Seit dem 1. Mai 2006 schreibt die Straßenverkehrsordnung vor, dass alle Kraftfahrzeuge auch hinsichtlich der Bereifung den Wetterverhältnissen anzupassen sind. Mit einem Bußgeld von 20 Euro muss deshalb jeder rechnen, der mit Sommerreifen im Winter unterwegs ist und diese den Wetterverhältnissen nicht angepasst sind. Kommt noch eine Behinderung des Straßenverkehrs durch das Fahren mit Sommerreifen dazu, werden 40 Euro und ein Punkt in Flensburg fällig.Keine Sorgen müssen sich Autofahrer wegen ihrer Kfz-Haftpflichtversicherung machen: Die Versicherung übernimmt den Schaden des Unfallopfers, auch wenn der Unfall-Verursacher mit Sommerreifen unterwegs war. Wer jedoch ganz sicher gehen möchte, sollte – wenn nicht schon geschehen – schnellstmöglich Winterreifen an seinem Fahrzeug anbringen, um auch bei Schnee, Matsch und Glätte gewappnet zu sein.

So wird es gemacht: Die Reifenmontage

  • Das Auto sollte unbedingt auf einem festen Untergrund stehen. 
  • Verkeilen Sie Ihr Fahrzeug gegen wegrollen, haben Sie keinen Keil zur Verfügung schieben Sie Ihre noch nicht montierte Räder unter die Räder des Fahrzeugs.
  • Bevor Sie das Fahrzeug anheben, lösen Sie die Schrauben des zum Wechsel bevorstehenden Rades.
  • Den Wagenheber gerade unter das Auto setzen. Die hierfür vorgesehenen Anhebepunkte verwenden. Kurbeln Sie solange, bis sich das Rad knapp über den Boden befindet, eine Daumenbreite genügt.n Die schon angelösten Schrauben herausdrehen und das Rad abnehmen.
  • Nun kann das Rad vorsichtig auf die Radnabe gehoben werden. 
  • Nachdem das Rad aufgesetzt wurde, müssen die Radschrauben über Kreuz festgezogen werden. Hierbei nicht zu viel Kraft einsetzen: es besteht die Gefahr, das dass Auto vom Wagenheber fällt.
  •  Wenn der Wagenheber heruntergelassen ist, werden die Schrauben fest angezogen. Zum Festziehen wird der Drehmomentschlüssel verwendet. Mit wie viel Newtonmeter die Räder angezogen werden müssen, steht im technischen Handbuch des Fahrzeugs. Wenn darin keine Angaben zu finden sind, stellen sie Ihren Drehmomentschlüssel bei Stahlfelgen auf 120 Newtonmeter und bei Alufelgen auf 115 Newtonmeter ein.
  •  Nach etwa 50 bis 100 Kilometer sollten die Radschrauben dann nachgezogen werden.

Nicht nachmachen - Reifenbeichte eines Redakteurs

Die besten Tipps zum richtigen Montieren der Winterreifen, sind vielleicht die, die Hinweise darauf geben, wie man es nicht macht. Deswegen hier ein persönliches Erlebnis aus dem Herbst 2010: Bei dem Auto meiner damaligen Freundin mussten die Reifen gewechselt werden. Alles musste schnell gehen. In einer halben Stunde sollte mein Zug gehen, aber so eine Kleinigkeit lässt man als Mann ja nicht der Werkstatt machen. Es ging mit dem Radkreuz frisch bewaffnet zur Tat. Wie funktioniert ein Radwechsel in der Formel 1 am schnellsten? Man schraubt einfach alle Räder gleichzeitig ab. So also auch mein Vorschlag. Erst die Schrauben lösen. Dann jeder von uns beiden eine Seite und schwupps, ist die Sache geritzt. Doch die Physik schlug uns ein Schnippchen. Wenn man nur an einer Seite einen Wagenheber aufstellt und die beiden Vorderreifen gleichzeitig vom Radlager rutschen, wirkt auf ein Auto relativ spontan die Erdanziehungskraft. Das Ergebnis sah dann auch der ADAC-Mann, der eine halbe Stunde später mit verzweifeltem Blick vor dem Auto stand. Ein Auto aber, das mit der gesamten Schnauze auf dem Asphalt liegt, bekommt man nicht mal mehr mit einem großen ADAC-Wagenheber hoch. Es blieb nichts anderes übrig, als einen zweiten gelben Engel zu rufen. Der kam und gemeinsam retteten sie meine Freundin aus der größten Not. Da saß ich schon im Zug.

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