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Hinterland "Das Malen macht unbekümmert"
Landkreis Hinterland "Das Malen macht unbekümmert"
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19:13 03.12.2013
Kombach

Das Handwerk begeisterte Werner Platt schon immer. Als er 2008 nach 46-jähriger Sparkassentätigkeit in den Ruhestand ging, spielte er mit dem Gedanken, noch einmal etwas Handwerkliches zu lernen, Schreiner zum Beispiel. Doch es kam anders.

Zwar hat Werner Platt seine Faszination für handwerkliches Arbeiten beibehalten. Was sein Rentnerleben aber nun besonders ausfüllt, ist die Malerei. Diese ist dem 67-Jährigen zur Leidenschaft geworden. Insbesondere in den Herbst- und Wintermonaten zieht er sich immer wieder in sein Atelier zurück, das er im Keller seines Hauses in Kombach eingerichtet hat.

„Die Zeit verschwindet beim Malen“, sagt der Hobbykünstler. „Das Malen macht locker und unbekümmert.“

Seine Passion entdeckte er eher zufällig. Vor fünf Jahren, so erzählt er, „hat mir meine Frau beim Morgenkaffee ein Einkaufsprospekt gezeigt. Da waren Acryl-Farben im Angebot.“

Die Farben landeten im Einkaufswagen, blieben aber für die nächsten sechs Monate ungenutzt. Das änderte sich, als ein Enkel zu Besuch war. Da wurden die Farben ausgepackt. Der Opa tat es dem Enkel gleich, machte selbst ein paar Pinselstriche und stellte fest, dass malen Spaß macht. Das war der Einstieg in sein neues Hobbys. In den Wochen und Monaten darauf beschäftigte sich Platt immer intensiver mit der Malerei. Er absolvierte schließlich einen Malkurs bei der Volkshochschule und besuchte einen Kunstworkshop der Sommerakademie am Rothaarsteig, der ihm sehr viel gebracht hat. Im Selbststudium entwickelte er sich weiter.

Nachdem sich Werner Platt anfangs noch darum bemühte hatte, reale Motive möglichst detailgetreu nachzumalen, wechselte er schnell ins Abstrakte.

„Ich habe keine Vorstellung, was ich malen will, sondern weiß nur so viel, dass das Bild etwa grün, rot oder blau werden soll.“ Beim Malen, so sagt er, ergäben sich dann Strukturen. Tendenzen in Formen, Farbtönen und Stimmungen. „Die Details arbeite ich nach.“

Häufig benutzt Platt Acrylfarben, aber auch auf Kohle oder Kreide greift er gelegentlich zurück. Darüber hinaus setzt er gern auch plastische Akzente. So etwa weist eines seiner Bilder eine Fransenstruktur auf, entstanden durch absichtliches Auseinanderreißen. Nach dem Auseinanderreißen fügte Platt die Bestandteile wieder zusammen und machte den weiterhin sichtbaren Riss zu einem plastischen Element. Ein anderes Bild hat er mit Spachtelmasse versehen - darin wieder einmal ein plastisches Element -, mehrfach übermalt und dabei stets unterschiedlich viel Flüssigkeit verwendet.

Werner Platts Bilder lassen stets unterschiedliche Wahrnehmungen und Deutungen zu. Jeder kann in ihnen etwas anderes erkennen. Platt: „Die Vielfalt, die man sehen kann, reizt mich.“ Bilder, deren Aussage gleich beim ersten flüchtigen Anblick klar erkennbar ist, sind nicht sein Metier. Denn an solchen Bildern, so ist sich Platt sicher, gehen die Betrachter viel schneller vorbei, ohne sich näher mit ihnen zu befassen. Er schätzt es, wenn sich Menschen auf Bilder einlassen. Wenn es zu Gesprächen kommt, wenn Lebendigkeit deutlich wird. Von Lebendigkeit zeugt auch die Entstehung vieler seiner Werke. Spontanität prägt sein künstlerisches Schaffen. Einmal etwa habe ihm der Wind ein Bild „gedruckt“. Ein Windstoß blies rotbemalte Folie, die er zum Trocknen nach draußen gelegt hatte, auf eine gelb grundierte Leinwand. Im ersten Moment glaubte Platt, seine Arbeit sei vergebens gewesen. Dann aber brachten ihn die scharfen Konturen roter Folie auf gelbem Grund auf die Idee, dies zu einem Motiv zu machen. Einige Details arbeitete der Hobbykünstler noch nach, ehe er sein neues Werk zufrieden in den Händen hielt.

Einige von Werner Platts Gemälde werden niemals fertig. Manchmal nimmt er Bilder, die schon wochenlang an der Wand hängen, aus dem Rahmen und verändert sie erneut.

Im November 2010 hat Werner Platt seine Gemälde zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert: Während des Kombacher Hobbymarkts, gemeinsam mit anderen Kunstschaffenden. Seine erste eigene Ausstellung war im Café Q in Niederdieten zu sehen.

Werner Platts Familien- und Freundeskreis ist von seinem Schaffen begeistert. Ganz auf die Malerei hat sich der Pensionär allerdings nicht beschränkt. Auch mit Steinen und Holz arbeitet er gern. Eine originelle Idee kam ihm, als er in seinem Elternhaus einen Eichenbalken fand, der mit einer Inschrift versehen war. Unter anderem war darin das Datum „30. Juni 1815“ zu lesen. Da eine seiner beiden Töchter am 30. Juni Geburtstag hat, wusste er schnell, was er ihr schenken sollte: Ein Teilstück des Balkens ziert weiterhin das Datum „30. Juni“. Für seine andere Tochter und seine drei Enkel will er weitere Teilstücke des Balkens zu Kunst verarbeiten.

von Björn-Uwe Klein

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